Rote Fahne News-Interview

Rote Fahne News-Interview

"Wir sind direkt vom Betrieb"

Viele Vetrauensleute der IG Metall diskutierten am 4. September (und werden das am 11. September erneut tun) an zig Infoständen mit Menschen im ganzen Saarland - eine Protestaktion gegen drohende Schließung der Ford-Werke Saarlouis - so auch in Völklingen.

Zuschrift aus dem Saarland
"Wir sind direkt vom Betrieb"
IG-Metall-Stand in Völklingen am 4. September (rf-foto)

Einer nahm sich Zeit für ein Interview für Rote Fahne News. Mein Wahlkämpferinnen-T-Shirt für die Internationalistische Liste / MLPD störte ihn nicht. Hier die Zusammenfassung:

 

Als Antwort auf meine erste Frage - "Was haltet ihr vom Streik der Lokführer?" kam erst fast vorsichtig, aber überzeugt: „Na ja, die Arbeiter müssen um ihre Rechte und ihr Einkommen kämpfen, von daher: ich finde, der Streik ist berechtigt, auch wenn Reisende nicht begeistert sind.“

 

Zur Frage, wie die Standorte von Ford zusammenhalten im Kampf um Arbeitsplätze, auch international: „Wir sollen immer auseinander dividiert werden, klar. Dem darf man sich nicht beugen. Aber es ist auch schwierig, den Druck auszuhalten, das Werk in Valencia wird ja direkt verglichen mit Ford Saarlouis, was die Zahlen angeht; da muss man sich richtig dagegen stemmen. Dort bekommen sie auch wie hier die EU-Förderhilfen usw. Die Zusammenarbeit international?“ Die Internationale Automobilarbeiterkoordination (IAC) kannte er, aber die Schritte und Aufgaben, wie die Belegschaften das konkret hinkriegen, waren ihm neu.

 

Er betonte, dass sie mitten im Wahlkampf ihre Protestaktionen machen: „Wir sind hier direkt vom Betrieb; man wird sowieso sehen, was nach den Wahlen alles noch kommt. Wir sind ein kleines Land hier und es wird düster für alle Beschäftigten im Saarland, auch bei Bosch und ZF. Wenn wir die Arbeitsplätze aufgeben, sind sie unwiderruflich weg.“

 

Er sprach sich für die Beschäftigten-Vermittlungs-Gesellschaft aus, kam aber ziemlich ins Nachdenken, als ich auf die Parallelen zum Bergbau ansprach, von dem am Ende kein Arbeitsplatz übrigblieb. „Das ist alles erst am Anfang und wir sind überrascht, dass es überhaupt Vermittlung gibt – aber mal sehen.“

 

Die Idee, dass im Sozialismus die Arbeit leicht verteilt werden und die Arbeitszeit verkürzt werden kann, wenn neue Produktionsmethoden und Produkte aufkommen, gefiel ihm ganz gut, glaube ich.

 

Was er vom Kampf um den 6-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich als offensive Forderung hält? „In die Richtung wollten wir ja in der Tarifrunde diesmal gehen – es hängt halt immer an der Frage des Lohnausgleichs.“ Zur Kurzarbeit, die auch in Saarlouis monatelang galt, stand er „halb halb. Während des Lockdowns war es individuell eine Erleichterung – aber ja, es ist eine Sonderzahlung für die Firma“.

 

Zum Schluss sprach ich ihn darauf an, dass unsere Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer am Donnerstag vor dem Tor bei Ford Saarlouis von Werksfeuerwehr und Werksschutz bei ihrem Einsatz massiv behindert wurden und die Werksleitung die Polizei holen ließ. „Freie Meinungsäußerung muss sein“, war die Antwort.