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Uraltes Kunstwerk der Neandertaler stellt herrschende Theorie erneut infrage

Einem Forscherteam gelang in der Einhornhöhle im Harz ein über 51.000 Jahre alter Fund aus der Zeit des Neandertalers. Bei der Ausgrabung des eingestürzten Eingangsbereichs der Einhornhöhle wurden gut erhaltene Kulturschichten aus dieser Zeit erschlossen. Besonders wichtig ist ein sechs Zentimeter langer Zehenknochen eines damals lebenden Riesenhirsches, in den ein winkelartiges Muster aus sechs Kerben eingeritzt war (siehe Foto). An der Unterseite befinden sich vier weitere Kerben. Durch Experimente wies man nach, dass der Knochen gekocht und anschließend die Kerben innerhalb von eineinhalb Stunden in das weiche Knochenmaterial eingeritzt wurden.

Korrespondenz aus Köln
Uraltes Kunstwerk der Neandertaler stellt herrschende Theorie erneut infrage
(foto: screenshot)

Projektleiter Professor Terberger sagt dazu: „Das hohe Alter des Neufundes aus der Einhornhöhle zeigt nun, dass der Neandertaler bereits Jahrtausende vor der Ankunft des modernen Menschen in Europa in der Lage war, Muster auf Knochen selbstständig herzustellen und wohl auch mit Symbolen zu kommunizieren. Dies spricht für eine eigenständige Entwicklung der kreativen Schaffenskraft des Neandertalers“ (Pressemitteilung der Uni Göttingen).

 

Die bürgerliche Urgeschichte verteidigt seit der Entdeckung des Neandertalers im Jahr 1856 die Position von der geistigen und kulturellen Überlegenheit des modernen Menschen. Dies war von Anfang an antikommunistisch motiviert, um die Meinungsführerschaft nicht an den Marxismus zu verlieren. Dieser legt der Entwicklung zum Menschen einen spiralförmigen dialektischen Prozess zugrunde. In den letzten Jahren wurde die vorherrschende Theorie immer häufiger kritisiert.

 

Nachgewiesen wurde, dass Neandertaler qualitativ hochwertige Werkzeuge und Waffen herstellten und ihre Toten mit komplexen Riten bestatteten. Vorbehalte gibt es jedoch immer noch, weil Schmuck und Höhlenmalereien des Neandertalers erst in einer Zeit entdeckt wurden, als der moderne Mensch vor ca. 40.000 Jahren nach Europa vorstieß. Sie seien also erst durch den modernen Menschen beeinflusst entstanden. Das wird durch das vorliegende Kunstwerk eindeutig widerlegt. Professor Terberger kommentiert: „Dieser Fund zeigt uns, dass der Neandertaler dem anatomisch modernen Menschen, zu dem wir heute gehören, doch deutlich ähnlicher war als bislang gedacht“ (sat1, 6.7.21). Die weltanschauliche Diskussion in der Archäologie erhält durch diese und andere Entdeckungen neuen Auftrieb.