Wahlkampf der Grünen

Wahlkampf der Grünen

Trällern ein Liedchen von Einfachheit und machen knallharte Monopolpolitik!

Diesen Beitrag hielt eine Wahlkämpferin beim Treffen der Wählerinitiative "Lisa Gärtner" in Gelsenkirchen.

Korrespondenz

Über den Fernseh-Wahlspot der Grünen ist schon viel gelästert worden. Ich habe ihn mir näher angesehen. Die Melodie ihres Liedes ist von einem Volkslied geborgt, das vor hundert Jahren Furore machte vor allem durch die Wandervogel-Bewegung. Das war eine bürgerliche Jugendbewegung, die gegen die Zwänge des damaligen bürgerlichen Familienlebens rebellierte und die Freiheit in der Natur und im „einfachen Leben" suchte. Insgesamt gab die Bewegung sich unpolitisch – aber auch das war in Zeiten des ersten Weltkriegs, der Oktoberrevolution in Russland und entfalteter Klassenkämpfe in Deutschland ein politisches Statement: Sie wollten zwar ganz anders leben als ihre Eltern, aber das Fundament dieser Gesellschaft sollte nicht angetastet werden.

 

Wie die Grünen heute. Singen mitten im größten Krisenchaos ein liebliches Liedchen mit Aufbruch und neuen Wegen und tralala, wollen sich mit „Einfachheit" an die Leute ranschmieren und machen ihre Politik knallhart im Dienst der Herrschenden. Unter anderem wird da gesungen: „Jetzt investieren / dass profitieren / jede und jeder kann". Das ist Unfug, denn wo einer profitieren will, müssen andere dafür arbeiten und ausgebeutet werden – das ist die Wirklichkeit.

 

Das Wort „Arbeiter" wird im Wahlprogramm der Grünen weitgehend vermieden – es ist eher von „Beschäftigten" und „Mitarbeiter*innen" die Rede. Dafür haben sie die „Nicht-Akademiker*innen" erfunden. Unter dem Schlagwort „Macht fair teilen" (S. 177) heißt es: „Unsere repräsentative Demokratie muss diverser werden, unsere Parlamente brauchen die Vielfalt der Herkunft und Lebenswege, die Debatten brauchen die Perspektiven, die daraus entstehen. Wir werden Hürden abbauen, damit auch queere Menschen, Nicht-Akademiker*innen, Menschen mit Behinderung und Menschen mit Migrationsgeschichte gleichberechtigt und selbstverständlich vertreten sind."

 

Wir „Nicht-Akademiker*innen": Eine Minderheit? Ein Farbtupfer im Parlament? Hätten sie wohl gerne! In unser Wahlprogramm der Internationalistischen Liste/MLPD haben wir für solche Leute geschrieben: „Allen Unkenrufen zum Trotz: die Arbeiterklasse existiert, sie wächst und kämpft."