Gegen Aufspaltung der Werke

Gegen Aufspaltung der Werke

Bundesweiter Warnstreik bei Airbus - keine halben Sachen machen!

In allen deutschen Werken wurde gestern ein Warnstreik gegen die Aufspaltung der Belegschaft in neue Airbus-Unternehmen, den Verkauf von Werken wie die 100%-Tochter PAG Varel und die weitere Arbeitsplatzvernichtung durchgeführt. Das ist ein Ausbeutungsprogramm zur Steigerung der Produktions- und Verkaufszahlen im Verdrängungskampf gegenüber Boeing und weiteren Flugzeugbauern bis hin nach China.

Von ck / Korrespondenten
Bundesweiter Warnstreik bei Airbus - keine halben Sachen machen!
Machtvoller Marsch von 1000 Kolleginnen und Kollegen in Varel (rf-foto)

In Hamburg waren ab 10.15 Uhr alle Hallen leer, der Warnstreik ging hier bis 22.00 Uhr. Auf der Streikkundgebung um 11.00 Uhr waren mit ca. 600 Kolleginnen und Kollegen die aktivsten versammelt, so kam einer aus der Nachtschicht extra in seiner Freizeit.

 

„Das ist die weitestgehende Maßnahme der Konzernleitung seit 20 bis 25 Jahren“, rief ein Gewerkschaftsredner aus. Also weitergehend als das Power8-Programm 2007 zur Vernichtung von 22.000 Arbeitsplätze, gegen das damals erfolgreich konzernweit mit den Kollegen aus Frankreich, Spanien und England gekämpft wurde. Im völligen Kontrast dazu stand allerdings, dass alle Gewerkschaftsredner auf den Kampf um einen neuen Sozialtarifvertrag orientierten. Damit hat man ja aber schon "Ja" gesagt zur Arbeitsplatzvernichtung! Maximal würde der Konzern dabei auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Aber ob die Arbeitsplätze weg sind, und zwar für die Jugend gleich mit, weil Kollegen zu einer "freiwilligen" Kündigung gedrängt werden oder sie betriebsbedingt gekündigt werden - Arbeitsplatzvernichtung bleibt Arbeitsplatzvernichtung. Schon in den vergangenen Monaten, bei dem noch laufenden Sozialtarifvertrag, wurden tausende Arbeitsplätze abgebaut: Mit dem Herausdrängen von Älteren durch hohe Abfindungen, durch Heimschicken der Leiharbeiter, von Zuliefererbetrieben und befristetet beschäftigten Kollegen.

 

Die Kollegen gingen deshalb gern in die Auseinandersetzung über den Charakter eines Sozialtarifvertrags. „Ich weiß gar nicht genau, was darin geregelt wird“, sagt einer. Die meisten stimmen zu, dass der Jugend die Zukunft durch die Arbeitsplatzvernichtung mit den Konzernplänen verbaut wird. In Hamburger Betrieben wurden 20% aller Ausbildungsplätze vernichtet. Auf offene Ohren stieß deshalb, dass das ganze Ausbeutungsprogramm angegriffen werden muss: Konzernweit kämpfen, wie beim Kampf gegen Power8. „Warum ist die 30 Stunden-Woche ein Mittel gegen Arbeitsplatzabbau, und dann auch noch bei vollem Lohnausgleich?“ fragte ein junger Kollege. Die Forderung richtet sich dagegen, dass mit verringerter Belegschaft mehr Flieger gebaut werden sollen. Ein voller Lohnausgleich auf Kosten der Konzerprofite ist völlig berechtigt! Der Kampf für die 30-Stunden-Woche eint Arbeiter und Arbeitslose, richtet sich wirksam gegen Flexibilisierung und rücksichtslose Steigerung der Arbeitsintensität. Und: Eine weltweite Bewegung für den 6-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich bekämpft die Konkurrenz der Arbeiter untereinander.

 

Andere Kollegen zogen die Verbindung zur Arbeitsplatzvernichtung in der gesamten Metallindustrie: durch die Digitalisierung und die Umstellung auf Elektromobilität in der Autoindustrie. „Ich bin der Meinung,“ sagt ein Kollege, „dass der Grund für die Auslagerung der Strukturmontage in die neue ASA-Aibusgesellschaft darin liegt, dass hier am weitestgehenden die Digitalisierung eingeführt werden kann, d.h. der Proift am besten gesteigert werden kann. Deswegen hat sich die Geschäftsleitung dies als Kerngeschäft auserkoren.“

 

„Aber die Kollegen sind zu träge für weitergehende Kämpfe“, wendet einer aus einer Gruppe junger Kollegen ein. Die anderen wollen dem nicht so recht zustimmen. Dass die antikapitalistische Stimmung unter den Kollegen zunimmt, fanden sie doch treffender. Aber man muss die Lebenslüge von angeblicher Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitern und Kapitalisten grundlegend infragestellen und über die gesamte Krisenhaftigkeit des Kapitalismus diskutieren, um die Kampfbereitschaft zu entfalten. Ich kann Kollegen herausfordern: „Sicherheit gibt es im Kapitalismus nicht. Wir müssen den Herren die Produktionsmittel aus der Hand nehmen, um die Zukunft zu sichern! Das ist Sozialismus, für den kandidiere ich auf der Internationalistischen Liste zur Bundestagswahl“. Ich übergebe das Wahlprogramm und meine Kandidatenvostellung. Die wurden am Ende des Gesprächs auch von den anderen Kollegen gern genommen. Die Errungenschaften des Sozialismus, aber auch die Gründe für den Verrat am Sozialismus waren oft Bestandteil der Gespräche. Meine Aufforderung, beim Kämpfen und beim Wählen keine halben Sachen zu machen und der MLPD die Stimme zu geben, ist vielen eine Überlegung wert.

 

Im Rahmen des konzernweiten Warnstreiks bei Airbus beteiligte sich gestern auch die Vareler Belegschaft und legte den Betrieb über drei Schichten lahm. An der Kundgebung vor dem Tor, von 8 bis 10 Uhr morgens, beteiligte sich die ganze Frühschicht sowie gute 80 % der Spät- und sogar viele Kolleginnen und Kollegen der Nachtschicht. Sie zeigten damit die hohe Streikbereitschaft – auch für die anstehenden Auseinandersetzungen. Einig waren sich alle, dass das Ziel des Kampfes der Erhalt aller Werke und aller Arbeitsplätze sein muss. Dafür ist aber auch ein Verarbeitungsprozess nötig, der die Erfahrungen der Klassenzusammenarbeitspolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte klären muss, damit am Ende kein fauler Kompromiss und falsches Vertrauen in die angeblichen Sozialpartner herauskommt.

 

So waren es besonders die anwesenden Politiker, die sich offenbar tief verletzt fühlten, weil Airbus ihnen jahrelang Finanzhilfen aus den Taschen gezogen hat und sich diese „Partnerschaft“ nun als Einbahnstraße herausstellte. Die Belegschaft machte mit einer sehr hohen Protestkultur deutlich, dass sie bereit ist, im Kampf um jeden Arbeitsplatz mit härteren Bandagen zu kämpfen. So wurde die Kundgebung mit einem machtvollen Marsch der 1000 Kolleginnen und Kollegen vor das Tor eingeläutet, bei dem manch einer eine Gänsehaut bekam: Begleitet von Trommeln und Sirenengeheul und im Schein von Feuertonnen und bengalischem Feuer füllte sich die Straße vor dem Werk. Aus der Gegenrichtung kamen die Azubis aus der Lehrwerkstatt.„Wer Wind sät, wird Sturm ernten“, war auf einem Transparent zu lesen.

 

Auch Genossen der MLPD waren selbstverständlicher Teil der Versammlung, diskutierten mit den Kolleginnen und Kollegen und boten das neue Buch von Stefan Engel „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus“ an. Dieser erste Warnstreik wird alle Beteiligten noch lange im Bewusstsein bleiben. Es war politisch und moralisch ein gelungener Auftakt für den weiteren gemeinsamen Kampf aller Airbus-Belegschaften im Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz.