Gastbeitrag von Fritz Ullmann

Gastbeitrag von Fritz Ullmann

Mitten durch – die dritten Wege

Die CDU nennt sich offen „Die Mitte.“ Um sie herum siedeln die „Parteien der Mitte“: Ihr Anhängsel CSU, die FDP, SPD und die Grünen. Der Begriff durchdringt die Propaganda bürgerlicher Parteien auch und gerade in Wahlzeiten und klingt schon deshalb wie ein moralisches Dogma.

Daher lohnt sich ein genauerer Blick. Die zwielichtige Mitte in diesem schlichten, in Licht und Schatten teilenden Weltbild liegt – logisch! - zwischen links und rechts. Das Bild eines dritten Wegs zwischen zwei Wegen, zur Linken und Rechten, ist praktisch identisch. Die „politische Welt“ stellt in beiden Fällen eine Linie dar, an der, wie an einer Perlenschnur, die verschiedenen politischen Parteien hübsch ordentlich aufgereiht sind. Sie ruht auf einer zentralen Achse. Dort sieht sich stets die selbsterklärte politische Mitte, am originären Punkt der Stabilität. Wenn sie also herrscht, dann ist die Welt in Balance.Diese Denkweise appelliert an und basiert in ihrem Kern auf der idealistischen Vorstellung eines natürlichen Gleichgewichts, das (natürlich) gut ist. Mit dieser natürlichen Ordnung (die die Einheit von Mensch und Natur leugnet und zufälligerweise vor allen Dingen den Interessen des Kapitals dient) spart man sich jede genaue Begründung: Es ist (natürlich) einfach so!

 

In den 60ern und 70ern prägten Losungen von einem dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus eine Politik, die auf Klassenzusammenarbeit hinaus lief. Namhafte Beispiele sind das "schwedische (bzw. skandinavische) Modell" und die "soziale Marktwirtschaft" in der Bundesrepublik Deutschland. Schon vor dem zweiten Weltkrieg sah das "Zentrum" der Weimarer Republik, ein Vorläufer der CDU, sich selbst nicht nur dem Namen nach in dieser Rolle.

 

Dessen Verankerung in der Mitte war allerdings so solide, dass sie es dem Zentrum ermöglichte, flexibel mit jedem zu koalieren: Von der Ebert-SPD bis zur Hitler-NSDAP. Tatsächlich deckte sie damit ungefähr die Spannbreite derer ab, die selbst ebenfalls in irgendeiner Form in Anspruch nehmen, einen mittigen dritten Pol darzustellen. "Der III. Weg" ist heute eine neofaschistische Kleinpartei, "Der dritte Weg" war aber auch eine vom Bundesamt für Verfassungsschutz (vertraulich, versteht sich) zwischen 1959 und 1964 in der DDR finanzierte Zeitschrift – beide versprechen / versprachen einen Ausweg aus dem Kapitalismus, ohne echten Sozialismus zu brauchen.

 

Darauf schwor am 10. Juni 1940 mit der Kriegserklärung gegen Großbritannien und Frankreich auch Benito Mussolini die Italiener ein: „(…) Die Hoffnung auf eine Dritte Alternative, die der Faschismus der Menschheit darbietet, gefesselt zwischen die Säule kapitalistischer Sklaverei und dem Pfosten marxistischen Chaos.“ Was dann geschah, ist bekannt.

 

Zwei Dinge habe alle Mittelwege trotz aller Unterschiede gemein: Erstens, dass sie nur in Worten, nie aber in Taten gegen das Kapital kämpfen. Zweitens, dass sie in ihren Taten konsequent und auch offen antikommunistisch sind.