Betriebsversammlung bei Daimler in Untertürkheim

Betriebsversammlung bei Daimler in Untertürkheim

Was wird aus unseren Arbeitsplätzen?

Am 21. September fand nach eineinhalb Jahren und fünf Tage vor der Bundestagswahl zum ersten Mal wieder eine Betriebsversammlung von Daimler Untertürkheim in der Schleyerhalle statt. Die Kolleginnen und Kollegen wurden von Wahlhelfern der Internationalistischen Liste / MLPD und dem Kandidaten und ehemaligen Daimler-Betriebsrat und Schwerbehindertenvertreter Volker Kraft begrüßt und angesprochen.

Von wb

Zum Teil auch mit Kurzansprachen, wie: „Wir wollen heute wissen, was aus unseren Arbeitsplätzen wird? Statt konkreter Antworten werden wir wohl von Werksleitung und Betriebsratsspitze wieder das Lied von der sozialen und ökologischen Transformation hören. Eine Lüge – denn Daimler und im Kapitalismus geht es nur um Profitmaximierung. Die Internationalistische Liste / MLPD verspricht, dass sie mit Euch den konsequenten Kampf um Arbeitsplätze und Umweltschutz auf Kosten der Profite führen wird!“ Viel zustimmendes Nicken von Kollegen. Auch traf unsere Kritik auf den Aufruf der IG Metall-Führung zur Wahl von Parteien zu, die den Betrug vom „fairen Wandel“ verbreiten.

 

In der Halle viele Redebeiträge von Kolleginnen und Kollegen: von der Umstrukturierung, bei der die Kollegen befürchten, dass etliche Arbeitsplätze dabei „verloren gehen“ und die Lohneinstufungen abgesenkt werden, über die Kurzarbeit, mit der Daimler die Krisenlasten auf die Belegschaft und die Gesellschaft abwälzt, bis zur Vernichtung der Arbeitsplätze. Ein Kollege rief in diesem Zusammenhang zur Wahl von Volker Kraft auf.

 

Andererseits war die Beteiligung mit 2100 Kollegen schwach, was nicht nur auf die 3G-Auflagen zurück zuführen ist. Warum er nicht gekommen sei, begründete ein Kollege in einer Whatsapp-Gruppe: „Wir Arbeiter können an den Plänen zur weitgehenden Einstellung der Produktion im Motorenwerk Untertürkheim ohnehin nichts ändern“. Das ist einerseits die Wirkung der bürgerlich-postmodernistischen Ideologie, nach der die Arbeiterklasse keine relevante gesellschaftliche Kraft mehr sei. Andererseits wirkt, dass sich die rechte Betriebsrats- und IG-Metall-Spitze der kapitalistischen Logik unterwirft, nach der eben die E-Mobilität viele Arbeitsplätze koste.

 

Bei einer anschließenden Auswertung in der Kneipe berichtete ein Arbeiter, wie er seine Kollegen kritisiert, die nicht zur Betriebsversammlung gehen. „Vom Schimpfen und Wegbleiben ändert sich nichts. Nur weil wir in der Abteilung für die Neubewertung der Arbeit kämpfen, sieht es so aus, dass wir einen Belastungspunkt höher bezahlt bekommen“.