Friday for Future in Hannover
Eine solche imposante Kundgebung und Demonstration gab es lange nicht mehr
Am Freitag um 14.30 Uhr füllte sich langsam der Opernplatz in Hannover. In der Corona-Krise gab es nur wenige Aktionen von FFF. Doch heute war es anders. Nach kurzer Zeit war der Opernplatz proppevoll. Die Demonstranten kamen gar nicht mehr auf den Platz, sondern standen geduldig in den Seitenstraßen.
Den Mindestabstand von 1,5 m einzuhalten, war praktisch nicht mehr möglich. Aber fast alle trugen einen Mund-Nasen-Schutz. Es waren sicherlich 15.000 Teilnehmer. Eine solche imposante Kundgebung und Demonstration gab es lange nicht mehr.
Die Teilnehmer waren bunt gemischt: Natürlich viele junge Menschen, die mit ihren selbst gemalten Schildern kamen. Aber auch viele Familien mit Kleinkindern und auch mit Großeltern. Die Forderung „system change - not climat change“ war überall zu sehen. Und auch in den Diskussionen stellte sich heraus, dass viele das völlige Versagen der Politik verstanden haben.
Aber nicht unbedingt die Hauptrednerin auf der Kundgebung. Sie sagte, dies sei eine Schicksalswahl, aber die in den Programmen der Parteien enthaltenen Forderungen reichten nicht aus, um das 1,5-Grad Ziel zu erreichen. Ja, was denn nun? Per Wahl lässt sich die Klimakatastrophe nicht aufhalten. Es braucht einen gesellschaftsverändernden konsequenten Umweltkampf gegen die Ursachen im kapitalistischen Profitsystem. In diesem Kampf muss die Arbeiterklasse die entscheidende Rolle spielen. Sie ist im Kampf um den Systemwechsel die entscheidende Kraft und hat die Mittel und die Möglichkeiten, ihre Forderungen mit wirksamen Streiks durchzusetzen. Und es waren auch Forderungen von VW-Arbeitern aus Hannover zu sehen. Arbeitsplätze und Umweltschutz sind kein Widerspruch.
Ja, dass ein echter Umweltschutz einen Systemwechsel benötigt, haben viele eingesehen. Eine auf Profit und stetiges Wachstum ausgerichtete Gesellschaft des Kapitalismus kann dies nicht verwirklichen. Aber wie der Weg dorthin aussieht und wie eine solche Gesellschaft – für uns der Sozialismus – aussehen kann, darüber gibt es keine Einheit. Das war Gegenstand vieler solidarischer Diskussionen, die wir führten.
Das war aber nun den Vertretern eines selbsternannten Orga-Teams überhaupt nicht recht: Parteien seien verboten, das besage ihr Demo-Konsens. Eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Positionen im Umweltkampf lehnten sie bewusst und konsequent ab. Als wir uns von diesen Praktiken und den Einschränkungen des Versammlungsrechts nicht abhalten ließen, unsere Fahnen und Transparente zu tragen, holten sie die Polizei. Der Einsatzleiter deckte diese undemokratischen Behinderungen und erteilte Dreien von uns Platzverweise. Mit einem massiven Protest unseres Rechtsanwaltes bei der Polizeidirektion wurde die Rechtswidrigkeit dieser Maßnahmen geklärt. Wir nahmen also mit unseren Transparenten, Fahnen und Zeitungen weiter an der Demonstration teil. Aber als wir dann noch uns mit einen offenen Mikrofon zu Wort meldeten, ging die Diskussion mit dem Orga-Team von vorne los.
Die Teilnehmer der Demonstration waren dagegen aufgeschlossen und wir erhielten von ihnen viel Unterstützung. Wir konnten 31 Unterschriften für die Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!" sammeln und führten viele Diskussionen über die Alternative zum Kapitalismus, den Sozialismus.
Die Kundgebung und die Demonstration in Hannover waren notwendig, vielseitig und unübersehbar. Sie war ein deutliches Zeichen an die Politiker der bürgerlichen Parteien. Diese werden mit ihren Taten immer mehr in Widerspruch zu den Menschen kommen, die echten Umweltschutz verlangen. Diese Krise werden sie nicht los. Die FFF-Bewegung muß weiter gestärkt und in ihr der Kampf um eine demokratische solidarische Zusammenarbeit gefördert werden.