Fridays for Future

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Gelsenkirchen: Wenige Schüler, aggressiver Antikommunismus

620.000 Menschen gingen zwei Tage vor den Bundestagswahlen in über 420 Städten unter dem Motto #AllefürsKlima gegen die Zerstörung unserer Umwelt auf die Straße. Es war eindeutig: Die Jugend in Deutschland ist mit der Umweltpolitik der Bundestagsparteien überhaupt nicht einverstanden.

Celina Jacobs, REBELL Gelsenkirchen
Gelsenkirchen: Wenige Schüler, aggressiver Antikommunismus
Lisa Gärtner und Celina Jacobs (von links) mit ihren Fahnen bei FFF in Gelsenkirchen (rf-foto)

Auch in Gelsenkirchen versammelten sich an diesem Tag mehrere Hundert Menschen bei einer Fridays-for-Future-Aktion. Bizarrerweise ließen die Organisatorinnen und Organisatoren allerdings schon zu Beginn verlauten, dass sie „heute nicht hier [sind], um Politik zu machen“.

 

Ich persönlich habe es ehrlich gesagt angesichts regionaler Umweltkatastrophen in NRW und Rheinland-Pfalz, von Waldbränden in vielen Ländern der Welt, Hitzewellen … nie für nötiger gehalten, Politik zu machen. Und zwar eine zur Rettung der Umwelt. Da ist es schließlich allerhöchste Zeit für radikale Veränderungen. Ich war auch schon sehr gespannt darauf, was die Schülerinnen und Schüler aus Gelsenkirchen dazu denken. Sonderbarerweise entpuppte sich oben genanntes Statement der Organisatorinnen und Organisatoren aber nicht als einfache und ehrliche Selbstreflexion, sondern sollte doch tatsächlich eine Begründung darstellen, MLPD und REBELL von der Aktion auszuschließen.

 

Ganz so unpolitisch blieben die Organisatorinnen und Organisatoren dann aber doch nicht – als es darum ging, ihren Wunsch des Ausschlusses von MLPD und REBELL durchzusetzen. Sie wurden sogar richtig „aktiv“. Dabei hatten sie auch Unterstützung aus anderen Städten bekommen. So erklärte ein junger Mann der Direktkandidatin der Internationalistischen Liste / MLPD, Lisa Gärtner: „Wenn Du in Bochum wärst, wärst du schon längst auf dem Weg ins Krankenhaus.“ Auf die Nachfrage, ob das eine Androhung von Körperverletzung sein soll, antwortete er ohne Umschweife: „Ja“. Etwas später drohte eine Gruppe von „Orgas“ Lisa Gärtner damit, sie „von der Polizei entfernen zu lassen“, sollte sie nicht unverzüglich die Demo verlassen. Das gesetzlich verbriefte demokratische Recht von Parteien, auf Demonstrationen aufzutreten, sei ihnen dabei „scheißegal“.

 

Ich weiß aus vielen Gesprächen in diesem Wahlkampf, dass der Umweltschutz den Jugendlichen in Gelsenkirchen ein sehr großes Anliegen ist. Viele sind sich aber noch nicht sicher, wie die drohende Umweltkatastrophe wirklich verhindert werden kann. Es wäre sehr interessant gewesen, aus Redebeiträgen … verschiedene Ansichten zu diesem Thema zu erfahren und die Diskussion zu entfalten. Mich hätten auch Statements der anwesenden Parteien zu ihrer eigenen Umweltpolitik sehr interessiert – schließlich regieren einige ja sogar mit.

 

Auf all das konnte man an diesem Tag aber lange warten. Stattdessen wurde die eine Antwort und Lösung vorgegeben: „GEHT WÄHLEN!“ Wen man wählen sollte, wurde nicht verraten. Vielleicht aus „Neutralitäts“-Gründen. Vielleicht gingen die Organisatorinnen und Organisatoren aber auch davon aus, dass der mit etlichen Sonnenblumen geschmückte Platz für sich sprechen würde.

 

All das wirkte nicht sehr anziehend und motivierend. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass … auch nicht sehr viele Schülerinnen und Schüler aus Gelsenkirchen anwesend waren. Und das, wo es heute eigentlich nötiger denn je wäre – und das, wo uns ... Hunderte andere Städte gezeigt haben, dass es auch anders geht.