Die Dialektik eines besonderen Lebewesens

Die Dialektik eines besonderen Lebewesens

Herbstzeit ist Pilzzeit

Urlaub im Herbst bietet uns auch immer etliche Stunden erholsamer und spannender Pilzsuche im Wald. Umso schöner, wenn am Abend ein leckeres Gericht aus Steinpilzen und Pfifferlingen winkt.

Von wr
Herbstzeit ist Pilzzeit
Ein Korb voller köstlicher Speisepilze - hier Maronen-Röhrlinge - ist die Krönung einer Pilzsuche und verspricht ein wunderbares Abendessen (foto: Bartosz Makara from Nordenham, Germany / Deutschland (CC BY 2.0))

Der Spruch, „Herbstzeit ist Pilzzeit“ ist allerdings nur aus dieser Sicht gerechtfertigt. Pilze gibt es immer und überall auf der Welt. Man schätzt, dass es über 5 Millionen Arten von Pilzen gibt. Damit wären sie nach den Insekten die zweitgrößte Gattung von Lebewesen. Speisepilze sind nur ein winziger Ausschnitt aus dem großen Reich der Pilze, zu denen auch Hefen oder Schimmelpilze gehören.

 

Was wir als Pilz im Wald sehen, ist nur der Fruchtkörper, also eine besondere Erscheinung des eigentlichen Lebewesens. Dies besteht aus einem großen Netz dünner weißer Fäden, die sich als Myzel wie Nervenstränge im Untergrund ausbreiten. Nur unter bestimmten Bedingungen ihrer Umgebung (Feuchtigkeit, Temperatur, Nährstoffzufuhr von Baumwurzeln u.a.) kommt es zu einem qualitativen Sprung: dann schießen die Fruchtkörper wie die Pilze aus dem Boden. Umgekehrt endet diese Phase abrupt am Tag des ersten Nachtfrostes. Das war dieses Jahr schon früh in unserem Urlaub Mitte Oktober der Fall.

 

Die Verbreitung, das Wachstum, der chemische Aufbau ihrer Körper und die Funktion der Pilze sind sehr kompliziert. Bis heute ist nur in Ausnahmen gelungen, einige Arten landwirtschaftlich zu kultivieren. Bis noch vor fünf Jahrzehnten zählten Biologen Pilze zur Familie der Pflanzen. Sie unterscheiden sich aber in vielen Wesensmerkmalen von Pflanzen. Sie besitzen kein Chlorophyll und betreiben keine Photosynthese zur Herstellung höherer organischer Verbindungen. Sie ernähren sich im Gegensatz zu Pflanzen nicht aus anorganischem Substanzen, sondern verwerten organische Nährstoffe. In der Hinsicht sind sie den Tieren und uns Menschen näher verwandt als der Gattung der Pflanzen.

 

Pilze spielen im Kreislauf des Lebens eine wichtige Rolle bei der Wiederaufbereitung abgestorbener Pflanzenteile und liefern zusammen mit vielen anderen Kleinstlebewesen den Humus als Basis für das Pflanzenwachstum. Da Pilze auf ihre Umwelt sehr empfindsam reagieren, sind sie auch wichtige Indikatoren für den Zustand eines Ökosystems. Wer Pilze sammelt, muss sich gründlich Kenntnis verschaffen, vor allem über die besonders giftigen Arten. Nur das nehmen, was man hundertprozentig (!) als essbar kennt! Übrigens: Pilzesammeln mit Kindern ist ein tolles Erlebnis mit einem wertvollen Erziehungseffekt.