Offener Brief an den Stadtrat von Bautzen

Offener Brief an den Stadtrat von Bautzen

„Die Lausitz hat Besseres als ein Bismarckdenkmal verdient!“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, der Hauptausschuss der Stadt Bautzen hat allen Ernstes fast einstimmig beschlossen, wieder ein Denkmal für den ehemaligen Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck auf dem Berg Czorneboh zu errichten.

Von Raimon Brete, Chemnitz

Warum soll ein Denkmal für den Mann errichtet werden, der durch seine von "Blut und Eisen" geprägte Kriegspolitik Preußen die unangefochtene Vormachtstellung in Kontinental-Europa und die sogenannte Reichseinigung von Oben brachte. Sein Wirken ist mit der unmenschlichen Kolonialpolitik Deutschlands verbunden. Vor allem damit wurde er auch zu einer Symbolfigur für die rechtsnationalistische Bewegung in Deutschland. Allein und vor allem aus diesen Gründen eignet er nicht als einer öffentlich zu gedenkenden Person.

 

Ein heute wieder zu errichtendes Bismarckdenkmal stellt einen durch nichts zu rechtfertigenden Kotau gegenüber den restaurativen und nationalistischen Kräften dar und ist ein Affront gegenüber der Idee für ein antirassistisches sowie friedfertiges und auf Völkerverständigung ausgerichtetes Europa: Im Angesicht der bekannten faschistischen Ausschreitungen in und um Bautzen sowie dem Erstarken der AfD in der Lausitz haben die demokratischen Kräfte in uns außerhalb der Volksvertretungen die moralische Pflicht, sich mit aller Kraft nationalistisch-rassistischen Tendenzen entgegenzustellen.

 

Die finanziellen und materiellen Mittel, die das Denkmal verschlingen würde, sollten sozialen Projekten zur Förderung von Frieden und Völkerverständigung zugute kommen.

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, bitte bedenken Sie nochmals ernsthaft und gründlich die getroffenen Entscheidung auf ihre politischen Auswirkungen sowie öffentliche Botschaft für die Region. Die Lausitz hat Besseres als ein Bismarckdenkmal verdient!

 

Mit freundlichen Grüßen

Raimon Brete, Horst Seiler und Matthias Schwander,

Chemnitz

 

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