Medien / Zensur

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dju in ver.di kritisiert skandalösen Eingriff in Berichterstattung bei "Ippen"

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) in ver.di kritisiert die Entscheidung der "Ippen"-Verlagsgruppe, eine geplante kritische Recherche über den mutmaßlichen Machtmissbrauch von "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt nicht zu veröffentlichen.

Ein solches Vorgehen ist unerhört und stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Pressefreiheit dar", erklärte die Bundesvorsitzende der dju in ver.di, Tina Groll. Die Journalistinnen- und Journalisten-Gewerkschaft stelle sich solidarisch an die Seite der betroffenen Kolleginnen und Kollegen des Ippen-Investigativteams, das dieses Vorgehen in einem internen Brief an Dirk Ippen als Mehrheitsgesellschafter anprangert.

 

Wie aus Berichten in der New York Times sowie Übermedien über die Axel Springer SE hervorgeht, hatte der 81-jährige Verleger die Veröffentlichung einer monatelangen Recherche des Investigativteams aus "persönlichen Geschmacksgründen" gestoppt. "Es darf absolut nicht sein, dass Ängste, Sorgen, Zweifel und persönliche Vorlieben statt redaktioneller oder juristischer Gründe Investigativrecherchen verhindern", so Groll. Große Medienhäuser wie der Ippen-Verlag hätten eine publizistische Verantwortung. Dazu gehöre auch die Einhaltung des Grundsatzes, dass Verlag und Redaktion getrennt arbeiten müssten.

 

Groll warnte zudem davor, dass durch Entscheidungen wie diese der strukturelle Sexismus im Journalismus aufrechterhalten bliebe. "Auf diese Weise entsteht ein Kartell des Schweigens, das jegliche Veränderung für mehr Toleranz, Gleichberechtigung und Vielfalt in den Redaktionen verhindert."