Sternmarsch zur gemeinsamen Kundgebung

Sternmarsch zur gemeinsamen Kundgebung

2000 Kolleginnen und Kollegen beim IG-Metall-Aktionstag in Schweinfurt

Die Beschäftigten von ZF, Schaeffler, Bosch Rexroth, SKF, Frisenius, Evelix gingen am 29. Oktober auf die Straße gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, die unter anderem aus Würzburg, der Rhön, den Haßbergen, ja sogar aus Aschaffenburg mit Bussen angereist waren.

Von einem Korrespondenten

Einige Kollegen waren etwas enttäuscht, dass es „nur“ 2.000 bei der Kundgebung waren, in der Tarifrunde waren es auch schon doppelt so viele Teilnehmer. Es war aber trotzdem die größte Kundgebung in Bayern an diesem Tag. Und es ist eben keine Tarifrunde. In den Betrieben wurde das fehlende Streikrecht genutzt, um die Kolleginnen und Kollegen zu verunsichern. Besonders in Engpass-Bereichen wurde Druck auf Befristete aufgebaut, um die Fertigung und Auslieferung am Monatsende aufrecht zu erhalten.

 

Bei SKF wurde schon zwei Tage vorher damit begonnen, mit „Führungskräfte-Meetings“ die Meisterebene einzunorden. Trotzdem stand die Produktion in weiten Teilen. Etliche Angestellte waren auch im Homeoffice und bei ZF hatte fast die Hälfte der Fertigung Schließungstag, um die Zeitkonten abzubauen zur Vorbereitung von Kurzarbeit. Lautstark, mit Trillerpfeifen, Ratschen und Sambatrommeln, hatte diese Kundgebung einen kämpferischen Charakter. Besonders die Forderungen nach Übernahme der Befristeten und die Erhöhung der Ausbildungszahlen wurden lautstark begrüßt.

 

Die Reden der Funktionäre forderten von Politik und Unternehmern „ein Faires Handeln“ für den Industriestandort Deutschland und die Region. Es musste auch der Tradition des gemeinsamen Kampfes aller Großbetriebe in Schweinfurt Rechnung tragen werden, besonders bei konkreten Sauereien, die in den Beiträgen der Betriebsräte ans Licht kamen. Bei ZF die indirekte Androhung von „betriebsbedingten Kündigungen“ trotz der Beschäftigungssicherung bis Ende 2023 oder die nur befristete Übernahme der Jungfacharbeiter trotz Facharbeitermangel. Oder auch die Versuche von Erpressung mit Lohnabbau bei Bosch-Rexroth oder Schaeffler Eltmann unter dem Slogan „Keine betriebsbedingten Kündigungen“.

 

In vielen Gesprächen wurde der Richtungskampf deutlich, Hoffnung in die Politik und die „Vernunft“ der Unternehmer oder der Kampf um die eigenen Interessen, der Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Die Forderung, wieder eine eigene Fertigung von Halbleitern oder Masken in Europa aufzubauen, fällt unter kapitalistischen Bedingungen schnell wieder in sich zusammen. Es geht um den Maximalprofit. Auch das „local for local“ - also dort produzieren, wo es gebraucht wird - „funktioniert“ meist nur in eine Richtung - hin zu den Billiglohnländern oder den neu entstehenden internationalen Produktionsverbünden.

 

Eine spannende Zukunftsfrage wird die Auseinandersetzung um den Sozialchauvinismus der von Vertretern der Gewerkschaftsführung mit dem Standort Deutschland oder der Region Mainfranken vertreten wird. Die SKF Geschäftsführung hat in ihrem (internationalen) Quartalsbericht in einen Nebensatz verkündet dieses Jahr noch 6 Standorte zu schließen. Sechs wurden seit 2019 schon platt gemacht. Im deutschen Bericht fehlt diese Passage, wohl kein Zufall bei der Tradition des gemeinsamen Kampfes. Aber den Betriebsratsvorsitzenden „macht das (die Schließungen) nicht nervös“, mit dem Verweis auf das BVG wird die Information zurück gehalten welche Standorte betroffen sind.

 

Das ist nicht die Gewerkschaftspolitik die wir brauchen. Statt gemeinsam als Konzern für die 30 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich einzutreten wird auf Volumen von anderen Standorten gesetzt. Hier zeigt sich konkret die negative Wirkung des Co-Managements. Hier sind die Beispiele aus der Automobilindustrie, besonders OPEL, wichtig, um den gemeinsamen Kampf als Konzernbelegschaft auch über Ländergrenzen weg zu fördern.

 

Für Auflockerung sorgte ein Sketch der Jugend um die Qualität der Ausbildung und die Musik von Steffi List mit ihrer Band "Die Crackers". In zwei Auftritten des bekannten Söder-Imitators Wolfgang Krebs wurde die Politik auf die Schippe genommen und sorgte für einige Lacher.