Explosion im Chempark Leverkusen

Explosion im Chempark Leverkusen

Aus Profitgier riskiert(e) Currenta Menschenleben!

Die Geschäftsleitung von Currenta nahm offensichtlich in Kauf, dass es am 27. Juli zu dem verheerenden Störfall in der Sondermüllverbrennungsanlage in Leverkusen-Bürrig kommen konnte.

Von Kollegenzeitung „Im Visier“
Aus Profitgier riskiert(e) Currenta Menschenleben!
Die Currenta-Anlage nach der Explosion (foto: screenshot)

Aktuell wird berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen drei Currenta-Mitarbeiter eingeleitet hat – doch wer sind die wirklich Verantwortlichen? Der Hintergrund ist der, dass durch eventuelle Betriebsstillstände die Profitmacherei nicht unterbrochen werden sollte.

 

Bis heute werden Gesundheit und Leben der Bevölkerung riskiert. Das machen Recherche-Ergebnisse des VISIER deutlich.

 

Verschwiegen wird vor der Öffentlichkeit, dass die zulässige Höchsttemperatur von 1400 Grad (im explodierten Tank 3) nachts regelmäßig überschritten wurde. Mit über 1700 Grad wurden nachts die hochgiftigen flüssigen Tankinhalte verbrannt nach dem Motto „mehr Giftmüllverbrennung, mehr Profit“.

 

Es ist kein Wunder, dass der bestellte Sachverständige feststellte, dass am 27. Juli, um 5 Uhr morgens, eine erhöhte Temperatur im Tank 3 herrschte.

 

Wer für dieses Desaster mit sieben Toten und 31 Verletzten sowie der großflächigen Verseuchung von Menschen und Wohnbebauung verantwortlich ist, wird bis heute systematisch vertuscht und verschwiegen!

 

Am 27. Juli, um 5 Uhr, wurde wie gesagt eine erhöhte Temperatur im Tank 3 festgestellt, so dass morgens noch ein Sicherheitsingenieur in die Anlage gerufen wurde, der vergeblich versuchte, den Prozess wieder herunterzufahren. Der Ingenieur und mehrere Meister, die am Tank 3 arbeiteten, wurden durch eine oder mehrere Explosionen sofort getötet. Acht der neun Giftmülltanks wurden dabei zerstört. Um 9.37 Uhr ging der erste Notruf nach der Explosion bei der Feuerwehr ein.

 

Wer ist dafür verantwortlich, dass in diesen etwa viereinhalb Stunden nicht die Bevölkerung rechtzeitig vor einem eventuellen Katastrophenfall gewarnt wurde? Warum wurde, trotz erhöhter Temperatur im Tank 3, immer weiter der Tankinhalt des LKW der dänischen Firma „Agricultural Solutions A/S“ in den Tank gepumpt? Wer hat entschieden, dass zwar ca. um 9 Uhr morgens die in der Verbrennungsanlage wartenden anderen LKW sofort aus der Bürriger Anlage vor das Tor fahren mussten, aber dennoch kein Vollalarm in Leverkusen ausgelöst wurde? Das entscheidet kein Arbeiter, für dieses grob fahrlässige Handeln ist die Geschäftsleitung zuständig und verantwortlich!

 

Die Giftmüllverbrennung ist ein Geschäft geworden, mit dem sich riesige Profite verwirklichen lassen. Zur Giftmüllanlage in Bürrig kommen täglich LKW aus ganz Europa, um ihren Giftmüll zu verbrennen. Um diese Profitmacherei nicht zu gefährden, kontrollieren sich im Kapitalismus die Betreiber wie Currenta faktisch selbst! Die Sendung Monitor hat am 19. August enthüllt, dass die Bezirksregierung Köln als Kontrollbehörde nur alle zwei Jahre lediglich anhand der von Currenta vorgelegten Akten die Bürriger Anlage kontrolliert hat. Die Bezirksregierung hat kein eigenes Labor, um die Verbrennung hochgiftigen Mülls zu kontrollieren. Monitor enthüllte ebenfalls, dass sich Currenta zunächst weigerte, Daten und Unterlagen zu dem schweren Störfall herauszugeben.

 

Erst durch das Erscheinen von Umweltministerin Heinen-Esser nach drei Tagen wurde das möglich. Hier ging Currenta offensichtlich sogar der Ministerin zu weit. Danach änderte die Geschäftsleitung ihre Politik hin zu einer „transparenten Informationspolitik“.

 

Die staatlichen Behörden sind jedoch nichts anderes als die Dienstleister für die Monopole und Konzerne. Das wurde auch am 29. Oktober 2012 deutlich, als die Bezirksregierung Köln in ihrem Amtsblatt eine sprunghafte Ausdehnung der Verbrennung von Sondermüll in der Bürriger Anlage von „bis zu 264.000 t pro Jahr“ genehmigte. Die dadurch möglichen Höchstprofite durch die Giftmüllverbrennung machten die Bürriger Anlage weltweit für internationale Banken und Konzerne zur Anlegung ihres überschüssigen Kapitals attraktiv. Bayer und Lanxess verkauften Currenta 2019 für einen Millionenbetrag an einen Investmenthai der australischen (!) Bank Macquarie.

 

Jonathan Meier, der Bundestagskandidat der Internationalistischen Liste / MLPD, forderte in einer Stellungnahme nach dem verheerenden Unglück zu Recht, dass es systematische Untersuchungen der von der Giftwolke betroffenen Böden und langfristige Reihenuntersuchungen der Bevölkerung auf Kosten von Currenta geben muss. Diese Forderungen sind weiter aktuell und in keinster Weise eingelöst worden. Auch der BUND fordert ein Langzeit-Monitoring.

 

Ein neuer Skandal schließt sich an: Currenta hat zunächst verschwiegen, dass es bulgarische Arbeiter angeheuert hat, die die Unglücksstelle aufräumen sollen. Ohne vorgeschriebene Atemschutzanzüge und nur mit FFP2-Masken versehen, gingen sie zunächst ans Werk. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Currenta aus Profitgründen das Leben und die Gesundheit von Menschen riskiert. Currenta-Chef Lars Friedrich versicherte jedoch bei einer Diskussionsveranstaltung im WDR, man habe ein „Sicherheitskonzept“.

 

Das VISIER unterstützt diese Forderungen:

Bestrafung der Verantwortlichen für diese Umweltkatastrophe – es darf „keine Bauernopfer“ geben!

 

Dauerhafte Schließung der Sondermüllverbrennungsanlage in Bürrig! Rücknahme der Betriebsgenehmigung durch die Bezirksregierung Köln! Weiterbezahlung und Weiterbeschäftigung der betroffenen Currenta-Kollegen!

 

Keine Genehmigung für den geplanten Bau einer ähnlich großen Sondermüllverbrennungsanlage im Chempark Marl!

 

Fachgerechte Entsorgung des Sondermülls und Räumung der Unfallstelle durch entsprechende Fachfirmen! Keine weitere Gefährdung der bulgarischen Kollegen durch unzureichende oder fehlende Schutzausrüstungen!

 

Rettet die Umwelt vor der Profitgier – kommt zur Protestkundgebung gegen die Vertuschung und Verharmlosung durch Currenta am 28. Oktober, 17 Uhr bis 18 Uhr, Leverkusen-Wiesdorf, Friedrich-Ebert-Platz! Sie findet mit offenem Mikrofon statt. Redebeiträge auf antifaschistischer Grundlage sind willkommen. Bitte Corona-Schutzregeln einhalten.

 

Macht mit beim internationalen Umweltkampftag am 6. November in Leverkusen-Wiesdorf, Friedrich-Ebert-Platz!