Weltklimagipfel

Weltklimagipfel

Erderwärmung und andere Faktoren verschärfen die Umweltkrise bedrohlich

In ihrem Jahresbulletin warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO): „Bei der derzeitigen Steigerungsrate der Treibhausgaskonzentrationen werden wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts einen Temperaturanstieg erleben, der weit über die im Pariser Abkommen festgelegten Ziele von 1,5 bis 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau hinausgeht“.

Von dr / gis
Erderwärmung und andere Faktoren verschärfen die Umweltkrise bedrohlich
Wird zur grünen Brückentechnologie erklärt: Die verantwortungslose Nutzung der Atomenergie

Diesen Zusammenhang leugnen die Klimaskeptiker. Noch 2018 vertrat der russische Präsident Putin den mystizistischen Unsinn, dass sich die Erde durch „kosmische Veränderungen, irgendwelche Verschiebungen in der Galaxie, die für uns unsichtbar sind“, erwärme. Für US-Präsident Biden war es eine „hypothetische Bedrohung“, sie ist aber schon lange Wirklichkeit. Heute spielen Putin und er im Chor mit allen anderen Imperialisten verharmlosend die Entwicklung als „Klimawandel“ herunter, sie stellt aber die gesamte über Hunderte Millionen Jahre gewachsene Biosphäre mehr und mehr in Frage.

Anstieg aller Treibhausgase

Eine Hauptursache für den Anstieg ist die Verbrennung großer Mengen fossiler Stoffe durch die gigantische Aufblähung der imperialistischen Weltwirtschaft, wodurch der CO2-Ausstoß bis 2019 auf 36,4 Milliarden Tonnen weltweit stieg. Im Jahr 2020 erreichte die Konzentration von Kohlendioxid, dem wichtigsten Treibhausgas, 413,2 ppm (Teilchen pro Millionen Teilchen) und lag damit bei 149 Prozent über dem vorindustriellen Niveau von 278 ppm. Auch die Konzentration weiterer Treibhausgase wie Methan (CH4) stieg um 262 Prozent auf 1889 ppb (Teilchen pro Milliarden Teilchen). Der gestern von 80 Ländern geschlossene Pakt zur Senkung des Methanausstoßes um 30 Prozent ist ein idealistischer Traum. Wichtige große Emittenten wie China, Indien, Russland und Australien schlossen sich nicht an. Zur Erhöhung der Methankonzentration trägt immer mehr das Auftauen des Permafrosts als verstärkende Rückkoppelung der Erderwärmung und die Verbrennung von Biomasse bei, was nur durch umfassende Umweltschutzmaßnahmen verhindert werden kann, die sie aber verweigern.

Proteste gegen CO2-Ausstoß notwendig und völlig berechtigt, aber die Klimafrage ist nicht alles

Die fossilen Brennstoffe müssen durch regenerative Energien ersetzt und die Treibhausgas-Emissionen um 70 bis 90 Prozent bis zum Jahr 2030 gesenkt werden mit klarem Kurs auf Absenkung des CO2-Gehalts in der Luft auf 350 ppm. Die Proteste der Umweltbewegung gegen die weitere Nutzung fossiler Brennstoffe, gegen das Aufschieben des Kohleausstiegs, gegen das Negieren der heraufziehenden Klimakatastrophe sind absolut berechtigt! MLPD und ICOR werden sich in Glasgow selbst und vielerorts am internationalen Umweltkampftag am 6. November daran beteiligen. Sie werden aber auch das einseitige Hervorheben der Klimafrage kritisieren. Wenn sich der Kampf auf die Senkung der CO2-Emissionen beschränkt, ermöglicht dies, dass andere Umweltverbrechen der Herrschenden nicht am Pranger stehen, so die grenzenlose und umweltzerstörerische Ausbeutung von wichtigen Rohstoffen für die Produktion von Batterien für die E-Autos. Die nicht beherrschbare Atomenergie wird von Akteuren des Glasgower Gipfels zur "grünen Technologie" erklärt. Der französische Staatspräsident will 30 Milliarden Euro Subventionen in den Bau von Atomkraftwerken investieren. Von der neuen deutschen Regierung erwartet er, das sie den Atomausstieg, hart erkämpft von einer Massenbewegung nach dem GAU von Fukushima, rückgängig macht. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bläst in dieses Horn. In Deutschland fordert die CDU von Sachsen-Anhalt die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Schon seit Jahrzehnten ist klar, dass die Nutzung der Kernenergie in eine Sackgasse geführt hat, die ganze Menschheit gefährdet.

Waldvernichtung erreicht neue Dimensionen

Ein wesentlicher Faktor, der das Umschlagen der Umweltkrise in eine globale Umweltkatastrophe beschleunigt, ist die Zerstörung der Wälder. "Wälder sind komplexe Ökosysteme. Sie regulieren das Klima, indem sie mit der Fotosynthese in ihrer Biomasse Kohlendioxid aus der Erdatmosphäre binden und Sauerstoff abgeben. In den Bäumen, Büschen und Böden der Wälder ist mehr Kohlenstoff gespeichert als in der Erdatmosphäre. Wälder haben eine zentrale Funktion im globalen Kohlenstoffkreislauf. Sie gehören auch zu den wichtigsten Sauerstoffproduzenten." (Katastrophenalarm! ... Seite 98).

 

Das gestern vereinbarte Abkommen von 110 Ländern zum Stopp der Abholzung bis 2030 ist völlig unglaubhaft. Bereits 2014 versprach ein UN-Klimatreffen in New York, die Entwaldungsrate bis 2020 zu halbieren und sie bis 2030 zu stoppen. Aus Profitgründen wurde die Regenwaldabholzung durch internationale Agrar-, Holz- und Bergbaukonzerne stattdessen in Brasilien, in Indonesien, auf den Philippinen und in Afrika und anderswo um 40 Prozent gesteigert. Das untergräbt in dramatischem Tempo die Funktion der Wälder als Sauerstoffspender, Wasser- und CO2-Speicher, Arten- und Genreservoir und nachhaltige Ressource. Die Vernichtung in Brasilien hat bereits einen neuen Höchststand (20%) erreicht, er wurde von CO2-Speichern zum CO2-Emittenten und hat damit den Kipppunkt überschritten. Noch stärker ist die Abholzung in Afrika (Cote d'Ivoire 80%, Waldende 2024; Zentral Afrikanische Republik 85%). Bei „weiter so“ sind bis 2043 die meisten Regenwälder gerodet, zuletzt der der DR Kongo in 2090. Die Vernichtung trug maßgeblich bei, dass von 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten eine Million vom Aussterben bedroht ist. 68 Prozent der Säugetiere, Vögel, Fische Amphibien und Reptilien sind verschwunden. Ein radikaler Stopp der Rodung der Wälder, insbesondere der tropischen Regenwälder und eine artgerechte Wiederaufforstung kann den Verlust nur noch minimieren, aber auf Jahrzehnte nicht wett machen, was die Klimakrise, das Artensterben und den Totalverlust dieser komplexen Ökosysteme massiv befeuert. Die Direktorin von Greenpeace in Brasilien erklärte, für Präsident Bolsonaro sei es einfach gewesen, die Initiative zu unterstützen. Denn zum einen sei die Selbstverpflichtung nicht bindend und zum anderen beinhalte sie die Möglichkeit, die Wälder des Landes weitere zehn Jahre zu zerstören. Ureinwohner forderten zurecht, dass 80 Prozent des Amazonas bis 2025 geschützt werden müssten.

 

Zur Lösung der Umweltkrise bedarf einer allseitigen Beachtung aller Wechselwirkungen zwischen Mensch- und Natur, wie sie das Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ von Stefan Engel analysiert. Eine einseitige Fokussierung auf nur das Klima führt in die Sackgasse. Darüber muss im Zusammenhang mit Glasgow in der Klima- und Umweltbewegung die Auseinandersetzung geführt werden.

 

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