Aus der Kollegenzeitung Vorwärtsgang

Aus der Kollegenzeitung Vorwärtsgang

Generation "Wann arbeite ich denn jetzt eigentlich?"

Im "Vorwärtsgang", der Zeitung von Kolleginnen und Kollegen für Kolleginnen und Kollegen in den deutschen VW-, Audi-, Porsche- und MAN-Werken, berichten Kollegen aus Neckarsulm, was aus ihren "geregelten Arbeitszeiten" geworden ist.

Redaktion Audi Neckarsulm

„Wann arbeitest du jetzt eigentlich?“ Eine Frage, die mir zu den Ohren rauskommt. Meistgegebene Antwort: „Joa, also eigentlich keine Ahnung!“ Das habe ich mir früher alles mal ganz anders vorgestellt. Ein Grund für mich, in der Automobilbranche anzufangen, waren die geregelten Arbeitszeiten. Es war von Anfang an klar, dass, sobald ich ausgelernt bin, ich in Schichten arbeite. Da bin ich von Früh- und Spätschicht ausgegangen. Offenbar war das mein Fehler. Seit kurzem fahren wir ein anderes Schichtmodell: Und zwar „Kurzarbeit, oder eben auch nicht“.

 

Dahin sind die geregelten Arbeitszeiten. Dahin das langfristige Planen, was man Sinnvolles mit der Zeit vor oder nach der Arbeit macht. Stattdessen heißt es warten. Warten auf die Meldung, wann Kurzarbeit ist und wann wie gearbeitet wird. Wann die Meldung kommt, weiß keiner genau. Flexibilisierung ist offenbar das Wort der Stunde. Dumm nur, dass die Flexibilisierung offenbar eine Einbahnstraße zugunsten des Unternehmens ist! Eine Einbahnstraße, die dank der Kurzarbeit auf Kosten unserer Arbeitslosenversicherung zu einer nie endenden Baustelle mutiert. Schon klar, dass die Chipkrise da ist. Nur gibt es die halt auch nicht erst seit gestern. Warum den Arbeitstag also nicht planmäßig reduzieren? So hat man von den gelieferten Chips dann auch länger was.

 

Wie wäre es denn damit? 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! Einer Fahrweise, mit der die Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien anständig planen können.