Leserbrief an Gelsenkirchener Medien

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„Lenin-Verleumder geriet in die Defensive“

Das Gelsenkirchener Kulturreferat und das Institut für Stadtgeschichte hatten zu einer Veranstaltung „Ein Blick auf Lenin und die Oktoberrevolution“ am 29. Oktober 2021 eingeladen. Aber nur ein Häuflein von 19 Interessentinnen und Interessenten fand sich in der schönen Glashalle des Horster Schlosses ein, um dem Jenaer Professor Jörg Ganzenmüller mit all seinen Wahrheiten, Halbwahrheiten und Verleumdungen über Lenin und die Oktoberrevolution zu lauschen. Aber schon die ersten kritischen Gegenfragen brachten ihn in der anschließenden Diskussion in die Defensive.

Von Anna Bartholomé
„Lenin-Verleumder geriet in die Defensive“
Die verleumderische Tafel mit dem ersten "Kommentar " aus der Bevölkerung zur darauf verewigten antikomunistischen Geschichtsverdrehung (rf-foto)

Was für die heutige Situation, mit der um sich greifenden Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystems – und einem erneut drohenden Krieg - aus den Erfahrungen Lenins und der Bolschewiki zu lernen sei? Schon die Fragestellung lehnte der Professor ab. Er sei Historiker und nicht für die Zukunft zuständig – außerdem sei alles in der Gegenwart so vollkommen anders als vor 100 Jahren. Aber wozu wird Geschichte studiert, gelehrt, beschrieben und verbreitet, wenn man keine Lehren ziehen will?

 

In einem weiteren Beitrag wurde die bedenkenlose Verteidigung der Februarrevolution aufs Korn genommen. Wie kann denn diese Revolution mitten im Gemetzel des Ersten Weltkriegs „aus sich heraus“ behandelt werden. Mit der Losung „Brot und Frieden“ hatten die Massen – und vorne dran die Arbeiterinnen - den Rücktritt des Zaren erzwungen? Die vom Professor hoch gelobte, provisorische Regierung aber verweigerte die Forderungen nach dem Ende des Krieges und der Verteilung des Landes an die Bauern. In der Oktoberrevolution dagegen wurde genau das mit den ersten Dekreten Wirklichkeit. Da ruderte der Professor zurück – ja, ja das seien die Kernforderungen der Bolschewiki gewesen, aber bei Lenin sei das ja nur Kalkül gewesen, um eigene Machtpositionen zu erlangen. Ein weiterer Besucher widersprach der Darstellung des Bürgerkriegs nach der Oktoberrevolution als reinem Machtkampf zwischen rivalisierenden Gruppen. Nicht zu leugnen ist eine Invasion von 17 Ländern, die sich auf die „Weißen“, also auf Großgrundbesitzer und Kirchenfürsten stützten. Peinlich war schließlich Professor Ganzenmüllers Distanzierung von den astronomischen Zahlen angeblicher Opfer der Oktoberrevolution in dem berühmt-berüchtigten „Schwarzbuch des Kommunismus“. Solche Zahlen seien auch unter bürgerlichen Wissenschaftlern mehr als umstritten… .

 

Da war es fast schon schade, dass es nur so wenige geschafft hatten zu kommen. Sie wären sicher gut gewappnet gewesen, dem verleumderischen Text gegen Lenin auf der Infotafel auf dem Josef-Büscher-Platz zu durchschauen und zu widersprechen.