Umweltkampftag

Umweltkampftag

Vielfältige kämpferische Aktionen und bewusstseinsbildende Diskussionen

Zum diesjährigen Umweltkampftag, zu dem unter anderem die revolutionäre Weltorganisation ICOR wie jedes Jahr aufgerufen hatte, gab es in Deutschland vielfältige Aktionen - oft gemeinsam von mehreren Organisationen durchgeführt."

Von rem
Vielfältige kämpferische Aktionen und bewusstseinsbildende Diskussionen
Kämpferische Demonstration durch die Innenstadt von Datteln (Foto: RF)

Die Redaktion erreichten weitere Berichte zum Klimaaktionstag aus Braunschweig, Düsseldorf, Magdeburg, Lübeck, Stuttgart, Hamburg, München, Aschaffenburg, Tübingen und Halle. Meist hatten sich verschiedene Organisationen und Einzelpersonen zu lebendigen Info-Ständen, Demonstrationen und kulturellen Beiträgen zusammengefunden.

Zahlreiche Passanten wurden erreicht

So erreichten sie in Einkaufsstraßen und auf belebten Plätzen viele Menschen. In Lübeck vermittelten kurze Ansprachen, Sprechchöre, Lieder und schöne Plakate vermittelten einen lebendigen Eindruck. Einen richtigen Anziehungspunkt bildete "ein Straßentheater von drei Umweltgewerkschafterinnen - mit Übergabe eines Koffers mit Subventionsgeldern an den VW-Vorstandsvorsitzenden und Darstellung des Widerstands einer Gewerkschafterin“.

 

In Stuttgart „blieben viele Passanten eine Zeitlang stehen, um zuzuhören, besonders beim Lied der Rotfüchse zu den Kindern auf den Philippinen". Im Durchschnitt waren um die 150 Leute dabei. Auch in Hamburg waren die Rotfüchse aktiv, mit einem Lied und ihrem Bericht zu ihren Umweltaktivitäten. Sie protestieren gegen Plastikverpackungen und hatten Papier aus Zeitungen selbst hergestellt.

 

In Tübingen beteiligten sich durch den Aufruf der Umweltgewerkschaft andere Gruppen am internationalen Widerstandstag gegen die globale Umweltzerstörung am zentral gelegenen Holzmarkt vor der schönen Tübinger Stiftskirche. Außer der einladenden Umweltgewerkschaft beteiligten sich der Frauenverband Courage, Solidarität International, die ÖDP, Piraten und eine Vertreterin der Omas gegen rechts und die MLPD. Viele Diskussionen drehten sich um die Zukunft in einer sozialistischen Welt. Die Aktion im Boulevard von Halle wurde gemeinsam von Umweltgewerkschaft, REBELL, MLPD und peruanischen Straßenmusikanten für mehr als 5.000 Passanten durchgeführt. Am meisten umlagert war der Stand der Umweltgewerkschaft.

Arbeiterbewegung und Umweltbewegung gemeinsam

Die Aktionen standen im Zeichen des wachsenden Schulterschlusses von Arbeiter- und Umweltbewegung, aber auch des gemeinsamen Kampfs mit Flüchtlingen gegen die Ursachen ihrer Flucht unter anderem in der Umweltkrise. So wird aus München berichtet: "Auch eine Delegation der im Arbeitskampf befindlichen Bosch-Belegschaft aus München hatte sich eingefunden. Mit der Solidaritätserklärung verband sich der Umweltkampf mit dem Arbeitskampf. Bosch nutzt eben auch den Umweltschutz als Argumentation für die Schließung des Werkes in München. Das ist ein Hohn und diese verlogene Argumentation wurde in Redebeiträgen entlarvt.

Ein Höhepunkt war der Besuch einer großen Gruppe sierra-leonischer Geflüchteter. Das ist ein brennendes Thema in München, da sich hier ein Brennpunkt entwickelt hat. Vor vier Wochen bekamen viele Flüchtlinge aus ganz Bayern die Nachricht, dass sie abgeschoben werden sollen. Ein Teil davon lebt schon seit 12 Jahren in Deutschland und hat sich hier ein Leben aufgebaut, deutsch gelernt und einen festen Beruf. Dennoch sollen bis Ende November 200 Flüchtlinge abgeschoben werden. Dagegen protestieren sie und haben ein Protestcamp vor der Ausländerbehörde durchgeführt. In mehreren Redebeiträgen schilderten die Geflüchteten auch die massive Umweltzerstörung in Sierra Leone. Für alle Anwesenden war selbstverständlich, sich mit den Geflüchteten zu solidarisieren und dass eine Abschiebung nicht akzeptiert werden kann."

Kritik an Weltklimagipfel

Im Mittelpunkt vieler Redebeiträge und Diskussionen stand die Kritik am Weltklimagipfel in Glasgow. Wenn Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) meint, „man kann von einer Klimakonferenz nicht die Spontanrettung der Welt erwarten“, dann ist das an Zynismus kaum zu überbieten. Von spontan kann ja wohl keine Rede sein. Immerhin ist es bereits die 26. Konferenz dieser Art - ohne nennenswertes oder verbindliches Ergebnis. Das Kernproblem dieser Konferenzen ist der Erhalt des Profitsystems. Wenn von Umstieg, Transformation, Nachhaltigkeit geredet wird, interessiert die imperialistischen Länder doch nur, wie mit den neuen Technologien weiter Profit gemacht werden kann.


Am Beispiel des neuen Hype um die "Wasserstoffstrategie" machte das der Redner der MLPD in Stuttgart deutlich. Daimler will jetzt mit Brennstoffzellen für Lkw zum Weltmarktführer werden. Allein für den Güter-Fernverkehr bräuchte man dabei etwa 120 Terawattstunden (Twh) Strom pro Jahr. Bei der Verlagerung auf die Schiene wären es jedoch nur 18 Twh. „Maßstab kann nicht der Wettbewerb sein, der sich an den maximalen Konzern-Profiten orientiert, Maßstab muss die Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft sein“, resümierte ein Redner in Hamburg.

Gegen Abwälzung der Umweltkrise auf die Massen

Ein Beitrag in Aschaffenburg zog auch die Verbindung zu den "Koalitionsgesprächen", bei denen der vorgesehene "ökologische Pakt" mit den Großkonzernen eine umfassende Subventionierung ihrer Profitsteigerungsprogramme vorsieht, die hinter verschwurbelten Worthülsen wie der "sozial-ökologischen Transformation" versteckt wird.

 

Mehrere kritisierten die Grünen: „Sie predigen vor allem persönlichen Verzicht“, so Antonia aus Braunschweig, „greifen aber das Profitsystem nicht an. Das spült Wasser auf die Mühlen der AfD, die so tun, als ob es ihnen vor allem um das Portemonnaie der einfachen Bevölkerung ginge. ... Wir setzen nicht auf einen Pakt mit der Industrie wie Annalena Baerbock, sondern auf den Pakt zwischen Umwelt- und Arbeiterbewegung. Wir brauchen Arbeitsplätze und Umweltschutz, wie es beim IG-Metall-Aktionstag in Stuttgart vor einer Woche die dominierende Meinung war.“

 

Paul Deutsch von der MLPD kritisierte die Einengung der drohenden globalen Umweltkatastrophe auf die Klimakrise. Das lässt die Gefahr der Vermüllung, des Artensterbens, der Atomkraft und weiterer Hauptfaktoren, die das Überleben der Menschheit gefährden, außer acht. Genau deshalb warb er für den Sozialismus und sprach gegen den Antikommunismus, der die allseitige dialektische Untersuchung all dieser Faktoren unterdrückt.

Konkrete Anliegen und grundlegende Fragen

Grundlegende Fragen und ganz konkrete Anliegen und Kampfaufgaben kamen zur Sprache: Gegen Pläne, die zum Ausbau der Müllverbrennung und das noch als energiepolitischen Fortschritt verkaufen, wie in Düsseldorf. Manch einer war berührt durch Fotos aus Ahrweiler auf dem ICOR-Aufruf. In Braunschweig wurde das Spendenprojekt „Gärten der Solidarität in Peru“ von Solidarität International vorgestellt, in Magdeburg Vorschläge für den Ausbau des Nah- und Radverkehrs („Die Politiker fahren den Planeten mit Vollgas an die Wand. Das wird kein Blechschaden. Darum geht kein Weg an der Verkehrswende vorbei.“).

 

In Lübeck lag ein Schwerpunkt auf dem Kampf gegen die Versauerung der Ostsee und das Zusammenbrechen der Dorsch-Population. In Rostock ging es unter anderem gegen die Verbrennung von Klärschlamm. Vertreterinnen des Frauenverbands Courage machten auf die weltweite Flüchtlingsbewegung durch die Klimakatastrophe aufmerksam, verursacht durch zu Ernteausfälle, Wassermangel, Überschwemmungen und so weiter.

 

"Die Menschheit fliegt zum Mars, soll aber das Energieproblem nicht lösen können?“ Diese Frage stellte Gabi Fechtner, Parteivorsitzende der MLPD, in ihrem Redebeitrag auf der Kundgebung in Datteln. Es ist lächerlich und verbrecherisch, wenn auf der Glasgower Klimakonferenz Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Bau von Kernkraftwerken als „Brückentechnologie“ zum Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe anpreisen und allen Ernstes Deutschland empfehlen, den sowieso schon inkonsequenten Ausstieg aus der Kernenergie wieder zurück zu nehmen. Anstatt Treibhausgasen atomare Verseuchung – soll das die Alternative sein? (Gesamter Bericht aus Datteln)

Gegen antikommunistische Ausgrenzung

Auch die Überwindung antikommunistischer Abgrenzungen und Vorbehalte waren Thema in Diskussionen. Immer deutlicher wird, „dass man Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen kann, mit der sie geschaffen wurden“. (A. Einstein) In diesem Sinne wurden an vielen Orten neue Unterzeichner für die Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!" gewonnen und Interessenten für die Bücher von Stefan Engel "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" sowie "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus". Viele neue Kontakte interessieren sich für die Mitgliedschaft in MLPD und REBELL oder in überparteilichen Selbstorganisationen wie der Umweltgewerkschaft, Courage und Solidarität International.

Internationale Splitter

Weltweit kamen auch in Amsterdam, Dublin und 120 britischen Städten viele Demonstranten zu Protesten zusammen. „Systemwandel, nicht Klimawandel!“, stand auf einem großen Banner an der Spitze eines Protestmarsches in London. In Australien gingen bereits in Sydney und Melbourne zahlreiche Menschen auf die Straße. "Schluss mit dem Blabla - echte Klima-Aktionen jetzt", war auf einem Plakat zu lesen. In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul nahmen rund 500 Menschen an einer Kundgebung teil.

 

Berichte aus Kassel, Darmstadt und Gelsenkirchen sind bereits im Artikel "Hunderttausende auf der Straße gegen mutwillige Umweltzerstörung".

 

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