Leserbrief

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Keine Win-Win-Situation für alle - Aktuelle Lage in der Automobilindustrie

Der folgende Leserbrief wurde am 6. November im „Gäubote“ abgedruckt:

Klaus-Jürgen Hampejs, Gärtringen, Internationale Automobilarbeiterkoordination Sindelfingen
Keine Win-Win-Situation für alle  - Aktuelle Lage in der Automobilindustrie
Bild vom IG-Metall-Aktionstag in Stuttgart (rf-foto)

Am Freitag, 29. Oktober, demonstrierten bundesweit in 50 Städten Zehntausende Automobiler als Folge eines Aufrufs der IG Metall für den Erhalt ihrer Arbeits- und Ausbildungsplätze.

 

Auch ich war in Stuttgart bei den 10.000 Kolleginnen und Kollegen. Dabei überschlagen sich seit Tagen zwei grundsätzlich gegenüberstehende Schlagzeilen: Rekordgewinne bei Daimler und BMW, massivste Drohungen bei VW mit dem Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen. Auch Konzerne wie Bosch und Mahle drohen mit Schließungen.

 

Corona-Dividende auf der einen Seite, Kurzarbeit wegen Corona und Chipmangel bei verschiedenen Herstellern. Als krasses Beispiel: Das Opel-Werk Eisenach. Dort ist Kurzarbeit bis Jahresende angesagt, doch nun werden Maschinen abgebaut, um nach Frankreich zu verlagern. Dort wird produziert, scheinbar kein Chipmangel. Zu Recht demonstrierten die Beschäftigten in Eisenach und die französische Gewerkschaft CGT kam mit einer Delegation aus acht Stellantis-Konzernstandorten nach Eisenach. Ebenso VW-Kollegen aus Zwickau. Es droht die Schließung des Werkes Eisenach.

 

Transformation als Schlagwort geistert durch das Land. Doch was bedeutet dies: Umformung? Das heißt für Zehntausende Automobiler: Verlust des Arbeitsplatzes ausschließlich für blühende Konzernbilanzen. Das bedeutet keine Win-Win-Situation für alle.

 

Deswegen war es ein wichtiger Schritt, im Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz und für die uneingeschränkte Solidarität mit den Opelanern in Eisenach auf die Straße zu gehen.


Heute Opel, morgen VW – und was ist mit Mercedes Untertürkheim? Am 19. November¹ werden an drei Bosch-Standorten Aktionen stattfinden.