Bergbau / PCB-Vergiftung

Bergbau / PCB-Vergiftung

Kumpels - lasst Euch auf PCB untersuchen!

Die Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF ruft zu einer RAG-unabhängigen Studie zur Untersuchung von Bergleuten auf PCB und Schwermetalle auf. Wir sprachen dazu mit Günter Belka von dieser kämpferischen Bergarbeiterinitiative, der daran teilgenommen hat.

Von Kumpel für AUF
Kumpels - lasst Euch auf PCB untersuchen!
Günther Belka (mitte, vor dem Transparent) (rf-foto)

Rote Fahne Redaktion: Warum hast Du an der Untersuchung teilgenommen?

 

Günther Belka: Ich wollte meinen Gesundheitszustand wissen. Ich war 35 Jahre bei der RAG und davon 32 Jahre Unter Tage als Betriebsschlosser und Hydraulik-Fachmann tätig. Wir Bergleute waren Jahre und Jahrzehnte lang gefährlichen Giftstoffen ausgesetzt. Aufklärung und Arbeitsschutz – Fehlanzeige! Dasselbe gilt für den Umweltschutz. Wir wurden nie auf PCB und Schwermetalle untersucht. Es ist wichtig, dass du weißt, was mit dir los ist. Wenn du krank wirst, betrifft das auch deine Familie. Viele Kumpel meinen, sie hätten mit solchen Giftstoffen nicht gearbeitet. Tatsache ist, dass jeder Kumpel mit solchen gefährlichen Stoffen zu tun hatte, was viele gar nicht wissen. Oft wurden die Arbeitskleidung zu Hause gewaschen und Frauen und Kinder kamen auch damit in Kontakt. Manche trauen der RAG keine Schlechtigkeit zu. Die RAG hat die Gefährlichkeit der Giftstoffe verschleiert, um sich aus der Affäre zu ziehen. Es geht um schleichende Krankheiten, die oft erst nach vielen Jahren raus kommen. Wir müssen uns Gedanken über die Zukunft machen und was mit uns und unseren Kindern passiert.

 

Rote Fahne Redaktion: Was kam bei Deiner Untersuchung heraus?

 

Günther Belka: Ergebnis war, dass mein Körper mit PCB und Schwermetallen belastet ist. Und es gibt Möglichkeiten, uns behandeln zu lassen. Nur wenn wir das durch die Untersuchung von mindestens 100 Bergleuten und die Studie die Zusammenhänge herausfinden, haben wir die Möglichkeit, Ansprüche zur Anerkennung einer Berufserkrankung geltend zu machen.


Rote Fahne Redaktion: Wie sieht Deine weitere Behandlung aus und wer bezahlt das?

 

Dazu Günter Wagner von der Ärzteinitiative: Die Frage nach der weiteren Behandlung können wir noch nicht abschließend beantworten. Es gibt bisher keine allgemein anerkannten Methoden, PCBs wieder aus dem Organismus zu entfernen. Die wissenschaftliche Auswertung der Untersuchung soll hier weiter helfen. PCBs sind heute weit verbreitet und belasten viele Menschen, auch durch das abgepumpte Grubenwasser gelangen sie in die Umwelt.. PCBs waren bisher bei allen Untersuchten nachweisbar. Wir erwarten uns hier auch Aufschluss über die Berechtigung heute noch gültiger Grenzwerte. Und was uns besonders überrascht hat: Viele Kumpel sind mit Schwermetallen belastet, auch noch viele Jahre nach dem Ausscheiden aus der untertägigen Arbeit. Schwermetalle sind Bestandteile des Giftmülls. Darauf hat die RAG in ihrer eigenen Studie gar nicht untersucht. Schwermetalle lassen sich – zu einem Teil – aus dem Körper ausleiten und entgiften. Dafür gibt es Medikamente, aber keine einheitlichen medizinischen Behandlungskonzepte. Auch hier herrscht Klärungsbedarf. Entsprechende Behandlungen einschließlich der anfallenden Laborkosten gehen ins Geld. Denn die Krankenkassen bezahlen diese Behandlung nicht. Eigentlich müsste der Verursacher haften.

 

Rote Fahne Redaktion: Was ist jetzt zu tun, wie geht es jetzt weiter?

 

Günther Belka: Jeder Bergmann sollte sich untersuchen lassen und an der Studie bis Ende November teilnehmen und weitere Kumpel überzeugen. Jedem Bergmann sollte klar sein, dass die RAG knallhart ihre Interessen mit ihrer Politik der verbrannten Erde verfolgt. Deshalb lasst uns zusammenstehen. Besonderen Dank gilt der „Ärzte-Initiative gegen Giftmüll unter Tage“ und dem Labor, die die Untersuchungen möglich gemacht haben. Wir nehmen jede Unterstützung für die Interessen der Bergleute an, wie vom Internationalistischem Bündnis , der Umweltgewerkschaft und der MLPD u. a.. Es geht dabei auch nicht nur um uns Kumpel. Kollegen aus anderen Betrieben / Branchen sind von solchen Giftstoffen ebenso betroffen.


Ein herzliches Glück auf!


Rote Fahne Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

 

Kontakt: Kumpel-@gmx.de


Adressen der Ärzte, die Untersuchungen durchführen:

  • Medizinisches Versorgungszentrum, Schmerzzentrum Duisburg-Rheinhausen: Dr. Bittel und Kollegen, Krefelderstrasse 26. 47226 Duisburg, Tel. 02065-31181
  • Praxis Günter Wagner, Schmalhorststrasse 1c, 45899 Gelsenkirchen, Tel. 0209-3193921
  • Dr. Willi Mast, Schulz-Briesen Strasse 3, 45884 Gelsenkirchen, Tel. 0209-134228