Interview mit Heike Strohmeyer-Kirsch

Interview mit Heike Strohmeyer-Kirsch

Nein zur Pflegekammer NRW!

Die Rote Fahne Redaktion sprach mit Heike Strohmeyer-Kirsch, Aktivistin in der gewerkschaftlichen Frauenarbeit in ver.di NRW

Nein zur Pflegekammer NRW!
Heike Strohmeyer-Kirsch

Rote Fahne Redaktion: Du bist eines der Gesichter im Kampf gegen eine Pflegekammer in NRW, worum geht es da?

 

Heike Strohmeyer-Kirsch: Wir haben seit Jahren einen Pflegenotstand - nicht erst seit Corona. Statt durch bessere Arbeitsbedingungen Abhilfe zu leisten, soll eine Pflegekammer eingerichtet werden und von den wirklich Verantwortlichen ablenken.

 

Die Pflegekammer kann für ihre Mitglieder keine Verbesserungen der Arbeitsbedingungen oder Bezahlung durchsetzen. Das ist und bleibt Aufgabe der Gewerkschaften. Wir protestieren besonders gegen eine Zwangsmitgliedschaft und fordern eine Vollbefragung aller Pflegekräfte, wie sie bereits in mehreren Bundesländern stattgefunden hat.

 

Die NRW-Landesregierung hat mit dem Heilberufegesetz festgelegt, dass alle Pflegekräfte mit dreijähriger Ausbildung Mitglied einer durch den sogenannten Errichtungsausschuss zu schaffenden Pflegekammer werden. Der Kammerbeitrag der Pflegenden wird durch eine Anschubfinanzierung der Landesregierung aus den Steuergeldern aller Bürger in NRW erst mal gesponsert und dann einfach von den Pflegekräften abkassiert.

 

Rote Fahne Redaktion: Warum richtet sich das besonders gegen Frauen?

 

Heike Strohmeyer-Kirsch: Pflege ist weiblich. Eine Pflichtmitgliedschaft in einer Pflegekammer wird insbesondere für die Frauen in flexiblen Arbeitszeitmodellen und besseren Rahmenbedingungen keine Verbesserung herbeiführen. Die Finanzierung hoheitlicher Aufgaben der Daseinsvorsorge durch die Pflegekammer über Mitgliedsbeiträge der Pflegefachpersonen ist unakzeptabel. Das nenne ich Lohnraub - vor allem an den Frauen.

 

Gerade die Frauen kämpfen um Tarifverträge. Wir haben weniger Chancen, in Führungspositionen zu kommen, da Teilzeitmodelle uns dies an vielen Stellen nicht ermöglichen. Es wird eine neue Betriebsordnung erstellt, von der wir heute noch nicht wissen: Kann ich als beruflich Pflegende mit Care-Arbeit an diesen verpflichtenden Fort- und Weiterbildungen teilnehmen. Oder ob ich, wenn mein Arbeitgeber mir keine Freistellung während der Dienstzeit gewährt, die Kosten alleine tragen muss.

 

Die Pflegekammer schafft Spaltung innerhalb der Pflege denn Pflegehelferinnen und Pflegehelfer, OTA, ATA und Pflegeassistentinnen und Pflegeassistenten sind nicht beteiligt an der Pflegekammer.

 

Sie dürfen sich freiwillig registrieren, zahlen, haben aber kein Stimmrecht. Rentnerinnen und Rentner werden registriert. Über Mitgliedsbeiträge wird noch nachgedacht.

 

Eine Pflegekammer ist frauenfeindlich, da sie an keiner Stelle auf die doppelte Belastung von Frauen eingeht. Wir wollen Selbstermächtigung. Wir sind selbstbewusste Pflegefachpersonen.

 

Wir wollen evidenzbasierte Pflege. Wir wollen keine eminenzbasierte Pflege. Auch wenn diese Eminenz Pflegekammer heißt.

 

Rote Fahne Redaktion: Was rätst du den Pflegekräften aktuell?

 

Heike Strohmeyer-Kirsch: Trotzdem ist es wichtig sich registrieren zu lassen. Nicht nur wegen dem Bußgeld bis zu 2000 Euro. Sondern auch wegen der Wahlen. Ver.di wird Listen aufstellen, um diese Kammer von innen heraus aufzulösen. Wir Frauen sagen „Nein“ zur Pflegekammer!

Demos gegen die Pflegekammer:

13.November: Demo Dortmund

17.November: Demo Düsseldorf Landtag

11.Dezember: Demo Essen

19.Februar 2022: Demo Bielefeld