Einseitige Berichterstattung

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Vulkanausbruch auf La Palma: Nur Horror oder unerklärliches Spektakel?

Seit dem 19. September spuckt der Vulkan Cumbre Vieja auf der Kanaren-Insel La Palma Asche und ergießt Lavaströme ins Meer. Für die Anwohner hat dieser Vulkanausbruch, 50 Jahre nach dem letzten, verheerende Folgen.

Von wr
Vulkanausbruch auf La Palma: Nur Horror oder unerklärliches Spektakel?
Der im Artikel beschriebene Kreislauf (foto: MagentaGreen - http://pubs.usgs.gov/publications/text/understanding.html http://pubs.usgs.gov/gip/dynamic/graphics/Fig21oceancont.gif (CC BY-SA 3.0))

Mehr als 7500 Menschen haben bis Ende Oktober ihr Zuhause verloren. Das sind knapp 10 Prozent aller Einwohner der Insel. Fruchtbare Bananenfelder und ganze Häuser verschwinden unter einer alles Leben erstickenden Ascheschicht oder unwiederbringlich unter einer Lavadecke. Immer mehr Bewohner müssen sich mit ihren letzten Habseligkeiten auf die Flucht begeben. Verfolgt man die bürgerlichen Massenmedien, dann strotzen die Berichterstattungen von Einseitigkeiten jeder Art.

Nur Trauer und Zerstörung?

Die Süddeutsche Zeitung titelt „Insel der Traurigkeit“, weil die „glühenden Lavaströme … die Zukunftsträume von Tausenden unter sich begraben.“ Die andere Seite findet kaum Erwähnung. Nämlich die gewaltige Hilfsbereitschaft in ganz Spanien. „Es gebe derart viele Sachspenden für die Vulkanopfer, dass sie kaum noch gelagert werden könnten, berichtete der Fernsehsender RTVE. Deshalb gebe es schon eine Warteliste für Hilfswillige.“ Seitens der EU-Bürokratie war lange keine ähnliche Reaktion der Hilfe für Menschen aus einem ihrer Mitgliedsländer der EU zu erkennen. Dabei wäre die Menschheit auf der Stufe der heutigen wirtschaftlichen und technischen Entwicklung in der Lage, bei größeren Katastrophen eine umfassende schnelle Hilfe zu gewähren, bis dahin, ganze Bevölkerungsgruppen umzusiedeln und ihnen in anderen Ländern ein neues Zuhause zu geben.

Horror und Spektakel?

Dass Menschen aus aller Welt Anteil nehmen und ein Interesse haben, sich vor Ort über das Ausmaß der Lavaströme kundig zu machen, wird von der Bild-Zeitung rein als „Gafferei“ abgekanzelt. Das gibt es auch, aber genau diese Medien schüren doch die Sensationsgier, die sie denjenigen vorhalten, die darauf abfahren.

 

Am 17.10. erklärt die Bild, der „Ausbruch könnte den Klimawandel stoppen, aber …“. Dem folgt eine geradezu skurrile Logik. Wenn die Atmosphäre von Vulkanasche erfüllt ist, würde weniger Sonnenlicht auf die Erdoberfläche dringen und die Temperatur abkühlen. Natürlich kennt die Erdgeschichte ein solches Phänomen, aber das reißt die zusammenhängenden Prozesse der Entwicklung unsere Planeten und seiner Umwelt völlig auseinander.

Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft erforschen und nutzen

Vulkanismus hat nicht nur eine negative, destruktive Seite. Er ist ein Wesensmerkmal für die innere Triebkraft der Gestaltung der Oberfläche unseres Planeten in Einheit und im Gegenspiel zur äußeren Kraft der Abtragung der Berge durch Verwitterung und Erosion. Vulkane liefern Mineralien und anorganische Elemente, wie z. B. Schwefel oder Phosphor, ohne die ein Pflanzenwachstum nicht möglich wäre. Solange es Vulkanismus und diesen Widerstreit gibt, „lebt“ unser Planet. Ständig schieben die Kontinentalplatten untere Schichten der festen Erdkruste in die Tiefe der Schicht, die aus flüssigem Magma besteht und an anderen Stellen tritt diese wiederum als Lava bis an die Erdoberfläche. Wenn dieser Kreislauf in ferner Zeit durch Abkühlung des Erdinneren endet, dann wird auch alles Leben auf der Erde sterben. D. h. nicht erst, wenn die Sonnenenergie versiegt und das ganze Sonnensystem kollabiert. Hier werden beide Seiten zusammenwirken, als innere und äußere Momente. Man kennt inzwischen die möglichen Hotspots für Vulkanausbrüche, die gesetzmäßig auftreten, aber man kann den konkreten Verlauf niemals (bzw. nur sehr bedingt) vorhersagen, wann und in welcher Form und Heftigkeit sie auftreten. Hier gilt, was Engels zur Frage der Beherrschung der Natur durch den Menschen sagte: „...Daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht“ ... „und dass unsere ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen anderen Geschöpfen ihre Gesetze zu erkennen und richtig anwenden zu können.“ (MEW Bd. 20, S. 453).

 

Deshalb könnten wir heute - und das wäre auch nötig - eine entsprechende Siedlungspolitik entwickeln, die vorausschauend Bedrohungen durch Erdbeben und Vulkanausbrüche in Rechnung stellt und für solche Fälle Pläne für Evakuierung und Umsiedlungen bereithält und eine vollständige materielle Entschädigung der Betroffenen durch die ganze Gesellschaft organisiert. Das ist im Sozialismus Bestandteil der Leitlinie der grundlegenden Einheit von Mensch und Natur.

Es gibt Naturgewalten, aber der Mensch ist nicht ohnmächtig

Statt bei Beginn eines Ausbruchs zu beschwichtigen, müsste in dem Fall auch ein möglicher schwerer Verlauf in Rechnung gestellt werden, und ein Plan A, B und C usw. vorbereitet sein. Insofern erleben wir auch hier von den bürgerlichen Medien, Politikern und Wissenschaftlern ein „auf Sicht fahren“! Es ist nicht zu verurteilen, wenn die zuständige sozialdemokratische Ministerin Reyes Maroto eine touristische Werbung durch das Naturspektakel ankündigt, wie das der Artikel vom 3.10. in Rote Fahne News kritisierte. Dagegen wäre nichts zu sagen, dass solche Hotspots viele interessierte Menschen, Forscher und Touristen anzieht. Warum sollte das Menschen nicht interessieren und man das nicht in geeigneter Weise organisieren? Entscheidend wäre, dass dies wirklich einer Aufklärung, sowie der Völkerverbundenheit und Solidarität dient und die Gewinne daraus den Betroffenen zugute kämen.