Magdeburg

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Kakao und Kommunismus

„Entdecke Buckau“ ist ein Event, das vom 12. bis 14. November im gleichnamigen Stadtteil in Magdeburg stattfand. Organisiert wurde es von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Künstlern - mit Führungen durch das Wohngebiet, Sportaktionen, kleinen Veranstaltungen.

Korrespondenz
Kakao und Kommunismus
Interessante Gespräche und heiße Getränke am Infostand der MLPD bei "Entdecke Buckau" (rf-foto)

„Da sind wir dabei - Anwohner sind wir auch“, das war der Gedanke in unserer MLPD-Gruppe. An unserem Stand gab es Kaffee, Kakao mit und ohne Schuss - richtig lecker. Nichts blieb übrig; für unsere Kasse haben wir 50 Euro Gewinn gemacht.

 

Auf unserer Stelltafel und den Flugblättern ging es thematisch um „das rote Buckau“. Vorgestellt wurden die Revolutionäre Erich Weinert und Karl Artelt. Erich Weinert war Schriftsteller und Kommunist. Mit Enthusiasmus trug er seine polemisch-satirischen Gedichte gegen Militarismus und Kapital vor. Seine große Beliebtheit bei den Arbeitern beantwortete die SPD-geführte Preußen-Regierung 1931 mit Auftrittsverbot. Erich Weinert war bei den Interbrigaden gegen Franco und ab 1943 Präsident des Nationalkomitees Freies Deutschland. Das Nationalkomitee machte unter gefangenen deutschen Soldaten in der Sowjetunion Überzeugungsarbeit gegen Hitler. 1950 völlig zu Recht zum Ehrenbürger der Stadt ernannt, wurde sein Denkmal nach der Wende aus dem Stadtzentrum geholt und hinter dem Literaturhaus versteckt. Von Wikipedia und der Rosa-Luxemburg-Stiftung wird er antikommunistisch herabgesetzt.

 

Karl Artelt ist im Gegensatz zu Erich Weinert kaum bekannt. Er war Anführer des Matrosenaufstands von Kiel 1918, der die Novemberrevolution einleitete. 1919 kämpfte er gegen das Freikorps Maerker, 1921 bei den revolutionären Kämpfen in Mitteldeutschland. Wie Erich Weinert arbeitete er bei der Maschinenfabrik R. Wolf, nur 100 Meter entfernt von unserem Stand. Wir fordern eine Karl-Artelt-Straße in Magdeburg!

 

Dieser Vorschlag stieß bei den Anwohnern auf Interesse. Eine Anwohnerin erzählte von ihrem kommunistischen Großvater, der im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter versteckte. Später kam er immer stärker in Widerspruch zu den Verhältnissen in der DDR: „Dafür habe ich nicht gekämpft.“ Für die Familie ist bis heute eine wichtige Frage, wie die DDR-Zeit einzuschätzen ist.

 

Die meisten Anwohner leben gerne in Buckau; es gibt aber große Sorgen um Luxus-Sanierungen und steigende Mieten. Am Stand traf eben alles aufeinander, Familien, Gewerkschafter, Migranten – die Gespräche waren interessant. Auch für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen beim „Treff der Freunde der MLPD“, die dabei waren.