Müssen wir jetzt jedes Jahr kämpfen?

Müssen wir jetzt jedes Jahr kämpfen?

Opelaner in Eisenach freuen sich über Erfolg und sind gleichzeitig auf der Hut

Die Kollegen haben die Meldung, dass die Produktion in Eisenach spätestens im Januar wieder aufgenommen wird, mit großer Erleichterung aufgenommen. Alle bewerten es als großen Erfolg des geschlossenen Protestes. Es zeigt ganz praktisch, dass politischer Druck etwas bringt.

Korrespondenz
Opelaner in Eisenach freuen sich über Erfolg und sind gleichzeitig auf der Hut
Mitglieder des Solidaritätskreises überreichen den französischen Kollegen der CGT am IG-Metall-Aktionstag am 29. Oktober das Buch mit den Kampferfahrungen der Opelaner in Bochum (rf-foto)

Dabei ist der Aktionstag am 29. Oktober besonders in den Köpfen verankert. Die meisten sind stolz auf die kämpferischen Elemente, die Demo. Die kämpferischen Delegationen der Kollegen aus Frankreich und der VW-ler aus Zwickau und Kassel haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Der Aktionstag, mit Beteiligung so vieler Belegschaften und den vielen Auseinandersetzungen, hat auch dazu geführt, dass sich das Verhältnis der Kollegen zur gewerkschaftlichen Solidarität verändert hat. Als sehr kurzfristig die Anfrage der BOSCH-Kollegen kam, ob sich die Opelaner an ihrem Aktionstag am 19. November in Arnstadt beteiligen, war zu spüren, dass die Bereitschaft, jetzt auch aktiv und solidarisch zu werden, spürbar gewachsen ist. Das sind Erfolge, auch die Gewerkschaft zu stärken und zu einer Kampforganisation zu machen.

 

Auffällig ist aber, dass trotz der guten Nachricht keine euphorische Freudenstimmung bei den Opelanern zu spüren ist: zu groß ist die Skepsis und zu tief sitzen die jahrelangen Erfahrungen mit Hinhalten und Erpressen. Viele Kollegen haben die Nachricht sehr nachdenklich aufgenommen. Einige fragten erst mal nach, ob das „wirklich aus verlässlicher Quelle“ kommt. Mancher sagte sogar, „na hoffentlich kommt das auch wirklich so und ist nicht eine Beruhigungspille vor Weihnachten“. Eine Reihe Kollegen sagen auch: „Da kannst du nichts drauf geben, solche Verträge mit Exklusivmodell hatten wir auch vorher schon.“ Oder: „Es ist ein Teilerfolg, mehr aber auch nicht.“

 

Es ist zu spüren, dass die Kollegen dem Braten noch nicht so ganz trauen. Und das hat auch eine Berechtigung. Dazu muss man verstehen, dass die Kollegen eigentlich seit 20 Jahren um die Existenz des Werkes bangen und kämpfen. So lange reicht auch die Geschichte der „Zukunftsverträge“ zurück und die Erfahrungen damit, dass diese nie eingehalten werden. Entsprechend fragten auch viele Kollegen sofort: „Wo ist der Haken?“, „Hat das einen Pferdefuß?“

 

Trotzdem muss man den Erfolg, der PSA abgerungen wurde, hoch einschätzen! Das zeigt auch die Reaktion der französischen CGT-Kollegen, die es kaum fassen können, dass PSA das Werk wirklich wieder anlaufen lässt. So etwas haben sie noch nicht erlebt. Es ist eine Niederlage für Stellantis, dass sie ihre Überrumpelungstaktik nicht durchziehen konnten. Das muss auch unter den Kollegen noch tiefer verankert werden und auch was die Schlüssel dazu waren: unter anderem

  • nicht abzuwarten, sondern sofort gegen die Angriffe in die Offensive zu gehen – das ist der Weg, den die MLPD von Anfang an verkörpert und mit den Kollegen diskutiert hat
  • die breite Solidarität aus der Bevölkerung, die mit dem Solikreis - unterstützt von der MLPD - organisiert wurde
  • die länder- und konzernübergreifende Solidarität, die beim Aktionstag am 29.10. mit Händen zu greifen war
  • und dass verschiedene prägende Elemente am 29.10. im Sinne der IG Metall als Kampforganisation organisiert wurden.

 

Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht wachsam sein müssen. Das aktuelle Verhandlungsergebnis gilt erst mal nur für ein Jahr, und ist danach kündbar. Mit der Ausgliederung des Werkes in eine eigene GmbH wird sicher versucht, neue Schweinereien durchzusetzen. Noch gibt es keine Zusage für das neue Modell ab 2023.

 

Eine Kollegin fragte: „Müssen wir jetzt jedes Jahr kämpfen?“. Es sieht ganz so aus. Aber wir haben jetzt einmal mehr gelernt, dass wir kämpfen können und dass wir auf die Solidarität zählen können. Wer will, dass es aufhört, dass man immer wieder erneut gegen Angriffe der Kapitalisten kämpfen muss, der sollte für den echten Sozialismus eintreten und die MLPD stärken.