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Die Feuertonnen stehen - Warnstreik bei Premium Aerotec (PAG)

Seit dem 2. Dezember, 6 Uhr, brennen wieder die Feuertonnen vor dem Tor bei Premium Aerotec in Varel: Warnstreik, zwei Tage, bis zum 4.Dezember, 6 Uhr!

Von Korrespondenten aus Wilhelmshaven
Die Feuertonnen stehen - Warnstreik bei Premium Aerotec (PAG)
Die Feuertonnen der Streikposten brennen (rf-foto)

Als wir um 12 Uhr ankommen, stehen ca. 40 Kollegen vor dem Tor. Alles ist gut organisiert: Jede Menge Brennholz für die Feuertonnen, Corona-Listen, Verpflegung und heiße Getränke. Die werden auch gebraucht, denn es ist kalt und es hat geschneit. Eine gute Gelegenheit, um vor Ort über Illusionen in die Chefetagen und die Politiker, über die gescheiterte Klassenzusammenarbeitspolitik und über die Notwendigkeit des allseitigen und vollständigen gesetzlichen Streikrechts zu diskutieren. Wir haben Frikadellen und Brennholz mitgebracht und natürlich eine Solidaritätserklärung der MLPD, die wir dem anwesenden DGB-Kreisvorsitzenden übergeben.

Solidarität der MLPD

Die Erklärung hat den folgenden Wortlaut: " Liebe Kolleginnen und Kollegen von PAG Varel! Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, Ortsgruppe Varel, erklärt Eurem Kampf die volle Solidarität. Wirkliche Fortschritte sind immer erkämpft worden – und aus diesem Grund finden wir es genau richtig, dass ihr hier um Eure Arbeitsplätze kämpft.

 

Auf die Pläne von Airbus und PAG habt Ihr die richtige Antwort gegeben: Streik! Man spürt es deutlich.: Ihr seid auch bereit weiter zu kämpfen - bis hin zu einem unbefristeten Streik. Der Weg des Co-Managements, der einvernehmlichen Lösungen mit dem Kapital ist offensichtlich gescheitert.

 

Doch wer gegen einen Konzern kämpft, bekommt auch Gegenwind. So meint Euer höchster Boss, Guillaume Faury: 'Airbus-Beschäftigte haben ein unglaubliches Engagement und eine bemerkenswerte Solidarität an den Tag gelegt, um Airbus in der Corona-Pandemie durch eine beispiellose Krise zu tragen. Dass diese enorme Gemeinschaftsleistung nun in Frage gestellt wird, indem Aktivitäten blockiert werden, finden wir unangemessen und respektlos gegenüber all jenen, die Tag für Tag so viel für Airbus geben.'

 

Das ist eine Unverschämtheit – als Dank für das Engagement werdet Ihr verkauft! Es ist eine Verdrehung der Verhältnisse: Wir Arbeiter sollen solidarisch mit dem Konzern sein, aber die Vernichtung unserer Arbeitsplätze klaglos hinnehmen! Umgekehrt wird ein Schuh draus: Solidarität mit jedem Kampf um Arbeitsplätze, Kampf für Arbeitsplätze auf Kosten der Profite der Konzerne!

 

Gegen solche Stimmungsmache, wie die von Herrn Faury, habt Ihr aber gute Trümpfe: Ihr habt eine starke Organisation, die IG Metall. Nutzt sie als Kampforganisation! Ihr habt die Erfahrungen aus dem Kampf gegen 'Power 8'. Diese Erfahrung habt nicht nur Ihr in Varel, sondern im ganzen Konzern – eine gute Grundlage für einen gemeinsamen Kampf. Und Ihr steht nicht allein: Ihr habt die Solidarität eines großen Teils der Bevölkerung. Denn viele sind empört darüber, wie der Airbus-Konzern mit Euch umgeht und wie viele andere internationale Konzerne es mit ihrer Belegschaft genauso machen. Deshalb könnt Ihr mit einer breiten Unterstützung Eures Kampfes rechnen.


Allerdings ist das Streikrecht bei uns in Deutschland auf Tarifauseinandersetzungen beschränkt. Wir Arbeiter dürfen vom Gesetz her nicht einfach für den Erhalt von Arbeitsplätzen kämpfen. Aus diesem Grund fordert die MLPD ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht. Und auch das muss erkämpft werden, indem man sich ggf. das Recht auf einen selbständigen Streik nimmt.

 

In diesem Sinn unterstützt die MLPD Euch in diesem Kampf, wo sie nur kann. Wir bieten an, gemeinsam zu diskutieren, wie der Kampf weitergeführt werden kann. Wir bieten an, über Ländergrenzen hinweg den Kampf bekannt zu machen und die internationale Solidarität zu organisieren.

 

Ich wünsche Euch in diesem Kampf den vollen Erfolg!"

Streikposten stehen durchgängig

Voller stolz erzählt uns ein Kollege, dass sie durchgesetzt haben, dass den ganzen Tag Streikposten vor dem Tor stehen - nach dem Motto: Arbeitszeit ist Streikzeit. Eigentlich war zunächst vorgesehen, dass nur ein paar Stunden am Vormittag und ein paar Stunden am Nachmittag Streikposten stehen sollen. Jetzt stehen die Posten durchgängig bis 21 Uhr.

 

Die PAG-Kollegen kämpfen gegen die Umstrukturierungspläne von Airbus, die unter anderem den Verkauf der PAG-Werke in Varel und Augsburg beinhalten. Vor einer Woche sind die Verhandlungen von IG Metall und Airbus gescheitert. Die Verhandlung habe gezeigt, dass Airbus die Eskalation suche, so Daniel Friedrich, Bezirksleiter IG Metall Küste und zugleich Verhandlungsführer.

 

So was habe er bisher noch nicht erlebt, sagte ein Kollege und führender Gewerkschaftsaktivist, der bereits 2007 beim Streik gegen „Power 8“ mit dabei war.

Wie geht es weiter?

Wie mittlerweile vom zweiten Tag des Streiks aktuell zu hören ist, soll der Streik morgen enden. Ein Kollege ist empört, dass bereits morgen früh, um 6 Uhr, wieder gearbeitet werden soll. Wie es nach diesem Warnstreik weitergeht, ist eine Kernfrage und muss weiter diskutiert werden.