In Katernberg gemeinsam vorbereitet

In Katernberg gemeinsam vorbereitet

Essener Montagsdemo geht ins Arbeiterwohngebiet

Am Nikolaustag fand erstmals die Montagsdemo nicht wie seit 2004 in der Innenstadt statt, sondern auf dem Katernberger Markt. Mehrere Wochen hatten Anwohner und Aktivisten sie gemeinsam vorbereitet und mobilisiert.

Von Korrespondenten
Essener Montagsdemo geht ins Arbeiterwohngebiet
Essener Montagsdemo - am Nikolaustag zum ersten Mal in Katernberg (shutterstock_2037626888)

Bei einem gemeinsamen Vorbereitungstreffen entstand ein Aufruf, der u.a. am Katernberger Markt breit verteilt und wo bei Geschäften nach Geschenken für die Kinder gefragt wurde, die der Nikolaus bei der Montagsdemo übergab.

 

Die vielfältigen Beiträge berichteten aus erster Hand, wie der Essener Norden regelrecht ausgehungert wird. Der Freundeskreis Katernberg, in dem sich Menschen mit geringem Einkommen zur gegenseitigen Hilfe zusammengeschlossen haben, war vollzählig da und hatte eine Kaffee- und Kuchentafel vorbereitet, die sich unter sechs selbstgebackenen Kuchen und literweise Kaffee bog. Sie berichteten von dem schlechten Zustand vieler Wohnungen, unverschämter Behandlung ärmerer Mieter, Versuchen, sie richtig rauszuekeln und noch mehr.

 

Die MLPD griff an, dass die tatsächliche Inflation bei niedrigen Einkommen viel höher liegt als der offizielle Wert, eher bei 10 als bei 5 Prozent. Wenn z.B. die Miete oft schon 50 Prozent vom Einkommen frisst. Es hat System, wie im Kapitalismus mit der Mietfrage umgegangen wird, um auch hier die höchstmöglichen Profite zu erzielen. Aber stattdessen wird behauptet, das Problem entstünde nicht durch die Inflation, sondern "die größte Gefahr drohe durch Erwartungen, wenn die Verbraucher jetzt höhere Löhne fordern". Das schimpft sich dann "Lohnpreisspirale"! Wir sollen also die Schuld zugeschoben kriegen, damit wir nicht um höhere Löhne kämpfen? Dem erteilten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen eine klare Absage! Viele Passanten stimmten lebhaft zu. Die kämpferische Stimmung und die engagierten Beiträge wurden von einem schön geschmückten Weihnachtsbaum, Liedern mit Gitarrenbegleitung und einem Gedicht von Erich Kästner abgerundet.

 

Wir werden uns auch von einer neuen Regierung nichts gefallen lassen und beschlossen am Ende der Diskussion den Forderungskatalog. Mit unserem Forderungskatalog schicken wir ein „herzliches Willkommen“ an die neue Regierung und den kommenden Kanzler Scholz.

 

  • Hartz-IV (oder Bürgergeld oder wie auch immer es genannt wird) muss weg! Das Arbeitslosengeld I muss wieder für die Dauer der Arbeitslosigkeit gezahlt werden, keine Sanktionen usw.
  • Als Sofortforderung wollen wir entsprechend der Preissteigerung die Erhöhung des Regelsatzes auf 700 Euro – auch für Kinder und in der neuen Kindergrundsicherung, unabhängig vom Alter.
  • Das sogenannte Existenzminimum muss sanktionsfrei sein! Unter Minimum geht es nicht.
  • Die Mietobergrenze muss auch mindestens um den Inflationsausgleich angehoben werden. Wir akzeptieren nicht, dass bereits 500.000 Menschen bei der Miete aus eigener Tasche draufzahlen müssen.
  • Im Kapitalismus wird die Spekulation mit Wohnraum nicht gestoppt, deswegen diskutieren wir über eine gesellschaftliche Perspektive, in der solchen Hausbesitzern und Konzernen das Handwerk gelegt würde.
  • Als konkrete Maßnahme helfen wir gegenseitig bei der Auseinandersetzung mit solchen Hausverwaltungen und dem Protest gegen unhaltbare Zustände.
  • Jede Wohnung braucht eine eigene Wasseruhr, damit die Kosten gerecht verteilt sind.
  • Arbeitslose und Arbeitende gemeinsam für Erhalt und Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze, u.a. durch die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Dazu wollen wir gemeinsam am 1. Mai 2022 auf die Straße gehen.
  • Wir fordern Lohnnachschlag in den Betrieben, aber auch auf Azubigehälter, weil sonst kein eigenständiges Leben möglich ist.

 

Montagsdemo im Stadtteil? Ein geglücktes Pilotprojekt, das wir zur Nachahmung empfehlen.