Frankfurt am Main

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Gate Gourmet: Fristlose Kündigung scheitert an Belegschaft

Ende Oktober suchte die Geschäftsleitung von Gate Gourmet am Frankfurter Flughafen bewusst eine Verschärfung der Auseinandersetzung mit der Belegschaft. Fristlos gekündigt wurde ein kämpferischer Betriebsrat, der maßgeblich durchgesetzt hatte, dass „Mitarbeiter auf Abruf“ für Mehrarbeit ihre Rentenanteile erhalten.

Korrespondenz
Gate Gourmet: Fristlose Kündigung scheitert an Belegschaft
Foto: shutterstock_1693663117

Lächerliche Argumentation war, er habe sich „vehement bei einem Vorgesetzten beschwert“. Seine fristlose Kündigung sollte ein Signal sein, wer Widerstand leistet, muss mit allem rechnen! Das war auf alle kämpferischen Kollegen gemünzt. Gate Gourmet, beherrscht durch internationale Finanzfonds, will härtere Saiten aufziehen nach der Übernahme der LSG (Lufthansa).

 

Doch der Konzern hatte sich verrechnet. Die Belegschaft erkannte schnell, hier geht es um mehr als um einen missliebigen Betriebsrat. Die Belegschaft soll eingeschüchtert, ein Exempel statuiert werden. Breit wurde eine Solidaritätserklärung von Arbeitern und Arbeiterinnen unterschrieben und dafür am Aktionstag der IG Metall über den Betrieb hinaus viele Unterstützer gewonnen: “Die politisch motivierte Entlassung von Özkan dient dazu, für geplante Arbeitsplatzvernichtung und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen freie Hand zu bekommen. Nach der Bundestagswahl wollen die Bosse ihre Krisenprogramme durchziehen. ... Wir lassen nicht zu, dass kämpferische Arbeiter mit durchsichtigen Begründungen entlassen und damit alle Kolleginnen und Kollegen bedroht werden!“

 

Zunächst fühlte sich die Geschäftsleitung so sicher, dass sie auf einer Versammlung leitender Angestellter offen ihre Ziele ausplauderte: „Insgesamt fünf weitere Betriebsräte stehen auf der Liste - die müssen aus dem Betrieb gedrängt werden“. Die Kampfansage empörte auch Kollegen, die sich erst wenig eingemischt hatten. Sie bekundeten mutig ihre Solidarität mit Özkan. Das schlug ein. Kurz nach Sammlung der Solidaritäts-Unterschriften und dem Aufruf zur Gründung eines Solidaritätskreises zog die Geschäftsleitung die fristlose Kündigung zurück. Die Gate-Gourmet-Bosse hatte der Mut verlassen. Ein beeindruckendes Beispiel, wie heute erfolgreich gekämpft werden kann und Arbeiterrechte verteidigt werden!

 

Allerdings ist das kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Die Geschäftsleitung mit den Finanzjongleuren Temasek (Singapur) und RRJ Capital (Hongkong) im Hintergrund nutzen bereits andere Methoden, um die Ausbeutung zu steigern. 70 Prozent der Belegschaft bringt der Übergang zu Gate Gourmet Lohnverluste bis zu 1000 Euro monatlich. Die Zahlung des Mindestlohns muss durchgesetzt werden gegen die niedrigeren Tarife. Zur Steigerung der Ausbeutung werden kämpferische Betriebsräte bedroht mit schriftlicher „Ermahnung wegen unerlaubter Abwesenheit“, nur weil sie Kollegen vor dem Arbeitsgericht unterstützen wollten. Und das alles ist eine Verleumdung – die Kollegen zeigten ihre Solidarität in ihrer Freizeit. Kämpferischen Kräften soll ein Maulkorb verpasst und den Arbeitern Angst gemacht werden, wenn sie sich für ihre Interessen einsetzen. Über 1.000 Beschäftigte in Frankfurt hatten bereits eine Protesterklärung unterschrieben für die „Einhaltung unserer Tarifverträge ohne Verschlechterungen“. Die Belegschaft bereitet sich auf Kampfaktionen vor.