Marl

Marl

Jüdischer Zeitzeuge im Alter von 96 Jahren verstorben

Im Lokalkompass Marl las ich heute einen sehr interessanten Bericht über einen hochbetagten jüdischen Zeitzeugen der Verbrechen des bestialischen Nazi-Regimes.

Korrespondenz aus Bochum

Der Marler Rolf Abrahamsohn verstarb am 23. Dezember im Alter von 96 Jahren. Geboren am 9. März 1925 in Marl, musste er als er als junger Erwachsener die Brutalität und die Menschenverachtung des faschistischen Hitler-Regimes miterleben. Seine gesamte Familie in Marl wurde von den Nazis bedroht, was eine Trennung von Eltern und Bruder zur Folge hatte.

 

Er selbst wurde über die Judenhäuser in Recklinghausen ins Ghetto und ins Konzentrationslager Riga gebracht. Von dort verschleppten ihn die Hitler-Faschisten in die Internierungslager Stutthof, Buchenwald und Theresienstadt. Nach seiner Befreiung im Jahr 1945 hatte er die Wahl, nach Israel auszuwandern oder in seine Heimatstadt Marl zurückzukehren. Er entschied sich trotz großer Bedenken und innerer Widerstände dafür, in sein Elternhaus in Marl zu ziehen und eine Familie zu gründen.

 

Als Zeitzeuge berichtete er über die Greueltaten der Nazis (Reichspogromnacht - Auszüge): „1938 wurde unser Haus an der Loestraße, in dem sich auch unser Geschäft befand, von den Nazis in Brand gesetzt. Meinen Vater konnten wir in letzter Minute retten - zusammmengeschlagen von den faschistischen Verbrechern. Zwei Wochen nach der Pogromnacht mussten wir Marl verlassen, die Stadt wollte ja „judenrein" werden. Unser Haus beschlagnahmte die Stadtverwaltung, dort zog die NSDAP ein".

 

Der damalige faschistische Marler Bürgermeister Willeke war dabei einer der Rädelsführer. Rolf Abrahamsohn war von 1978 bis 1992 Vorsitzender der neu gegründeten Jüdischen Kulturgemeinde Bochum/Herne/Recklinghausen. Seit 2016 war er deren Ehrenvorsitzender. Als Vorsitzender der Jüdischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat er den Aufbau des Jüdischen Museums in Dorsten unterstützt.