Essen

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Kein Etikettenschwindel! Der Kampf um wohnortnahe Krankenhäuser geht weiter!

Die 6. selbstorganisierte Protestaktion gegen die Schließung der beiden Krankenhäuser im Essener Norden fand große Zustimmung. Zahlreiche engagierte Beiträge am Mikrofon ‒ vorbereitet und spontan ‒ machten unmissverständlich deutlich, dass die Bevölkerung nach wie vor die Unterordnung der Gesundheit unter das Profitstreben durch den Gesundheitskonzern Contilia und der Stadtspitze nicht hinnehmen will.

Korrespondenz aus Essen

Ein Kollege erinnerte daran, dass vor allem die Arbeiter der nördlichen Stadtteile nach dem 2. Weltkrieg den Hauptanteil des Wiederaufbaus erbracht hatten, und verurteilte es, dass ihnen nun zum Dank die stationäre Gesundheitsversorgung gestrichen wird. Eine regelrecht bösartige Satire schilderte eine Altenessenerin: Auf ihre schriftliche Kritik an den Krankenhausschließungen, Dreckecken im Stadtteil und einem Abwirtschaften des Essener Nordens erhielt sie vom Bezirksbürgermeister und der Stadtspitze keine Antwort, sondern einen Müllsack samt Zange!

 

Auch die Vertreterin der MLPD sprach Tacheles: „Diese Behandlung der Arbeiter entspricht der in der kapitalistischen Gesellschaft vorherrschenden bürgerlichen Ideologie; sie misst die Menschen an ihrer Verwertbarkeit für die Profitmaximierung.“

 

Die pragmatische Geschäftigkeit des Oberbürgermeisters und der Stadtspitze, mit der diese unter dem Etikett „Stadtteilklinik“ ein „sektorenübergreifendes Gesundheitszentrum“ für Diagnosen und ambulante Operationen sowie zwei „Gesundheitskioske“ mit Beratungsangeboten planen, solle auf das „scheinbar Machbare“ orientieren und vom Kampf für wohnortnahe Krankenhäuser abhalten. Dass durch den bisherigen aktiven Widerstand dort nun bis zu 25 Krankenbetten vorgesehen sind, sei zwar erfreulich, könne aber eine wirkliche Klinik nicht ersetzen. „Wo Klinik draufsteht, muss auch Klinik drin sein!“

 

Die medizinischen Gesundheitszentren (MVZ) seien dagegen Bestandteil der Privatisierungspolitik, um profitable Anlagemöglichkeiten für spekulierendes Kapital zu schaffen. Sie forderte auf, sich mit der MLPD und der Perspektive einer sozialistischen Gesellschaft auseinanderzusetzen, wo der Mensch im Mittelpunkt steht.

 

Sehr begrüßt wurden Lied und Rede eines Vertreters einer Initiative aus Köln, die dort ebenfalls gegen die Schließung eines Krankenhauses kämpft. Er verwies auf die bundesweite Dimension des Kampfes und rief dazu auf, sich städteübergreifend zusammenzuschließen. Abschließend verabschiedete die Kundgebung einen Antwortbrief an den Oberbürgermeister, der, ganz auf der Linie des Gesundheitsheitskonzerns Contilia, behauptet hatte, Essen hätte rechnerisch genug Krankenhäuser.

 

Mit der Losung „Nur wer kämpft, kann gewinnen“ wurde die Weiterführung des Kampfes für den Wiederaufbau einer stationären Grundversorgung mit Notfallambulanz, Intensivstation und Geburtsklinik mit Kreißsaal im Essener Norden in das Jahr 2022 beschlossen.