Niederrhein

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Das Vorurteil vom dummen Schaf

Im Rahmen der Winterfreizeit von Rebell und MLPD in Duisburg war ein Besuch bei einem Ruhrschäfer auf dem Programm – eine spannende Freiluftveranstaltung. Der Schäfer hat sich die Mühe gemacht, seine kleine Herde von ca 100 Schafen auf einer Koppel nahe der Autobahn vorzustellen.

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Das Vorurteil vom dummen Schaf
Schafe sind ausgezeichnete Landschaftspfleger und werden u.a. zur Festigung von Deichen eingesetzt, wie hier am Rheindeich bei Duisburg (rf-foto)

Wir haben alle, Kinder und Erwachsene, viel gelernt über die Haltung der Tiere, ihr Beitrag zur Landschaftspflege, was ein Schäfer alles können muss, wie bedroht die Existenz der Schäferei in Deutschland ist, usw. Es war beeindruckend, eine gute Stunde lang sich mitten unter Schafen aufzuhalten. Das hat manche Legende zerstört. Schafe sind keine Kuscheltiere und alles andere als nur lammfromm. Der Schäfer bezeichnete sie als „sehr intelligent“. Sie können sich rund 60 verschiedene Gesichter über Jahre einprägen, sie haben einen feinen Geruchssinn und ein gutes Gehör, die Muttertiere können selbst aus hundert Lämmern ihr eigenes Lamm herausfinden.

 

Als der Schäfer sie mit Futter aus Mais-Silage lockte, stürmten sie wie wild auf uns los. Dennoch überrannte uns in dem Gedränge keines, nicht mal auf die Füße haben sie uns getreten. Diese Eigenschaften mussten sie als Herdentiere für ihr Überleben in der Natur herausbilden. Dabei konnten wir gut sehen, wie jedes einzelne Tier eine ganz individuelle Note hatte, entweder besonders mutig, neugierig, sehr kommunikativ oder eher zögerlich, zurückhaltend usw. Ich habe mich hinterher gefragt, warum man Schafe und auch andere Herdentiere wie Kühe oder Gänse gemeinhin oft als „dumm“ bezeichnet. Während vorwiegend als Einzelgänger lebende Tiere, wie Adler, Luchse oder Bären hauptsächlich mit positiven Attributen versehen werden. Die Natur kennt beide Formationen der Materie, den Individualismus und den Kollektivismus. Letztere ist die höhere Organisiertheit. So ist es in der Natur und der menschlichen Gesellschaft.

 

Die Rotfüchse haben den Schäfer zum Pfingstjugendtreffen eingeladen, er fand das Konzept gut und will gerne mit ein paar Tieren kommen und dort über die Schäferei berichten. Wir freuen uns darauf.

 

Zur Vertiefung empfehle ich Willi Dickhut, Materialistische Dialektik und bürgerliche Naturwissenschaft, Verlag Neuer Weg, Seite 328f.