Wissenschaft

Wissenschaft

Name des neuen Teleskops passt zur reaktionären Ausrichtung der Weltall-Mission

Das technologisch so ungeheuer viele fortschrittliche Erkenntnisse und Errungenschaften verkörpernde James-Webb-Teleskop (JWST) hat nicht nur mit der Aufgabe, die unwissenschaftliche Urknall-Behauptung zu belegen, eine reaktionäre Ausrichtung. Auch der Name passt dazu.¹

Von ba

James Webb war kein berühmter Astronom wie Hubble, nach dem das bis jetzt beste Weltraum-Teleskop benannt wurde. Der 1992 verstorbene James Webb war in den 1940er-Jahren zunächst Beamter im US-Außenministerium, und stieg später zum Chef der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA auf. Webb war – so belegen es Akten aus den National Archives - in den 1950er- und 60er-Jahren auf sehr unrühmliche Weise beteiligt daran, homosexuelle Staatsangestellte als „pervers“ zu verfolgen und aus dem Staatsdienst zu entlassen.

 

Im Frühjahr 2021 starteten daher vier prominente Astronominnen und Astronomen eine Petition mit der Forderung nach einer Umbenennung des Teleskops. Sie wurde bis jetzt von über 1200 Wissenschaftlern und Hobby-Astronomen unterschrieben. Unter ihnen sind viele, die mit den Teleskop-Daten in Zukunft arbeiten werden.

 

Die NASA sicherte zwar diesen Sommer zu, die Vorwürfe untersuchen zu lassen. Der Öffentlichkeit wurde ein Bericht versprochen. Die Untersuchung wurde aber hinter verschlossenen Türen geführt. Der derzeitige Nasa-Chef Bill Nelson – selbst für seine reaktionär-religiöse Haltung bekannt – legte nicht nur den versprochenen Bericht nicht vor, sondern lehnte eine Umbenennung mit nur einem einzigen Satz ab. Trotz nachweislicher Denunziationen Homosexueller durch Webb erklärte er: „Wir haben zum derzeitigen Zeitpunkt keine Hinweise gefunden, die eine Namensänderung notwendig machen.“ Die mangelnde Transparenz und die Kürze der Begründung haben viele Astronominnen und Astronomen wütend gemacht. Sie wollen an ihrer Forderung festhalten.