Argument

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Rebellion oder Jugendrat?

Am 3. Januar war die Jugend ein großes Thema im „heute journal“. Geschulte junge Leute kamen zum Thema Klima, Rente und Digitalisierung zu Wort. Sie sind Teil des Jugendrats der Generationenstiftung. Auf ihrer Homepage heißt es: „Wir haben uns den Systemwandel zur Aufgabe gemacht, … nehmen das System und mächtige Personen für ihre Taten in Haftung und legen mit kritischen Fragen den Finger in die Wunde.“ „Dieses Wirtschaftssystem zerstört unsere Zukunft“.

Korrespondenz

Fotos junger Leute in Maleranzügen, mit Megaphon und Tröten, suggerieren: Hier wird rebelliert. Andere Fotos zeigen Vertreter des Jugendrats in der Bundespressekonferenz, in ganzseitigen Interviews in großen Zeitungen, in der Talkrunde bei phoenix oder im Gespräch, z. B. mit Christian Lindner. Woher kommt diese große Aufmerksamkeit?

 

Im Beirat der Generationenstiftung sitzt unter anderem Caio Koch-Weser, ehemaliger Vizepräsident der Weltbank. Hinter dem Jugendrat steht auch ein professionelles vierköpfiges Team, das die Arbeit des Jugendrats „koordiniert“, Kampagnen „umsetzt“ und dafür sorgt, „dass sie maximale Aufmerksamkeit bekommen.“ Wenn man die Inhalte genauer anschaut wird klar, warum es hier soviel Unterstützung gibt. Mit dem ganzen Aufwand wird die Kernbotschaft gepusht, dass ein Systemwandel möglich ist, wenn nur die Generationen zusammenarbeiten würden. So geschult schimpft der Jugendrat entsprechend über die Alten: „Sie gehören einer Jammergeneration an“, oder „Wir kündigen den Generationenvertrag – jetzt“; „Nach euch die Sintflut?“. Ein Buch unter dem Titel: „Ihr habt keinen Plan – Darum machen wir einen“ wird als SPIEGEL-Bestseller beworben.

 

Mitten in der wachsenden Kapitalismuskritik soll die Jugend krampfhaft auf einen Kampf mit der Generation ihrer Eltern und Großeltern eingeschworen werden. Das liegt ganz auf der Linie der Jugendstrategie der Bundesregierung von 2019 oder dem Jugendjahr, dass die EU für 2022 ausgerufen hat. Die Gesellschaft spaltet sich aber nicht in Generationen, sondern in Klassen. Die Umwelt wird von rücksichtlosen Kapitalisten wie RWE zerstört, völlig unabhängig davon, welcher Generation der Vorstand angehört. RWE beutet junge wie alte Arbeiterinnen und Arbeiter gleichermaßen aus.

 

Gerade wurde das Atomkraftwerk Brokdorf abgeschaltet, um dessen Bau ein heftiger Kampf stattfand. Wen meint der Jugendrat, wenn er von der Generation der heute „Alten“ spricht? Sie standen damals auf beiden Seiten der Wasserwerfer. Rebellion mit Perspektive wird nicht von der Weltbank finanziert, sie ist selbstorganisiert, braucht die Erfahrung und Klarheit der Arbeiterklasse und muss den Kapitalismus ins Visier nehmen.

 

Sich vor allem einer Generation zugehörig zu fühlen, fördert auch einen schädlichen Jugenddünkel. Der viel beschworene friedliche Wandel des Systems ist eine Illusion. Die Kapitalisten geben ihre Macht und ihre Profite nicht freiwillig ab. Die Schlussfolgerungen aus dem Klassenkampf der bisherigen Generationen muss sich die Jugend aneignen. Die Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Demo am morgigen 9. Januar in Berlin ist ein passender Anlass, sich der organisierten Rebellion für den Sozialismus anzuschließen.