Ein bis heute ungesühntes Verbrechen

Ein bis heute ungesühntes Verbrechen

Vor 40 Jahren: Massaker in El Salvador

Im Dezember 1981 fand in der Berggegend von Mozote in El Salvador eines der schlimmsten Massaker in Lateinamerika statt, das von der Militärdiktatur im Auftrag des US-Imperialismus begangen wurde. 988 Menschen, 558 davon Kinder, wurden bestialisch abgeschlachtet. Bis heute kämpfen die Angehörigen darum, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, bis heute ist dieses Verbrechen ungesühnt.

Korrespondenz aus Ingolstadt

1981 führte die Befreiungsfront FMLN eine bewaffnete Offensive durch. Das Militär versuchte, ihre Rückzugsgebiete im Dschungel der Bergregionen zu zerstören. Der US-Imperialismus wollte die Vernichtung der Rebellenarmee. Ronald Reagan, Kriegstreiber und Präsident der USA, verlangte, dass sich Nicaragua nicht wiederholen dürfe, wo das Marionettenregime der USA von den noch revolutionären Sandinisten gestürzt wurde.

 

Die USA bildeten das Militär von El Salvador aus, finanzierten es und rüsteten es mit den modernsten Waffen aus, insbesondere die sogenannten schnellen Eingreiftruppen zur Aufstandsbekämpfung. Diese starteten am 8. Dezember in der Gegend von El Mozote die Operation „Rescate“ (Rettung) mit Bombardierungen. Ziel: Alles zu zerstören, was der Guerilla logistisch nützen könnte: Menschen, Vieh, Häuser und Landwirtschaft. In dem Ort trennten sie die Bewohner. Die Männer wurden gefoltert, bevor sie getötet wurden, die Frauen zuvor vergewaltigt, und zuletzt wurden die Kinder getötet. Ermordete Neugeborene versahen sie mit in Blut geschriebenen Zetteln: "Ein totes Kind ist ein Guerillero weniger".

 

Zwei Journalisten renommierter amerikanischer Zeitungen entdeckten 1982 durch Leichengeruch in der Gegend Spuren des Massakers. Der damalige Sekretär der US-Regierung für Menschenrechtsfragen, Elliott Abrams, startete eine Verleumdungskampagne gegen die beiden und bezeichnete die Meldungen als kommunistische Propaganda.

 

1990 wurden Ermittlungen aufgenommen. Nach dem Waffenstillstand konnten argentinische Spezialisten Opfer exhumieren. Von 143 untersuchten Opfern waren 134 Kinder unter 12 mit einem Durchschnittsalter von 6. Von 300 untersuchten Patronenhülsen trug die Mehrheit das Zeichen "LC", Lake City, die US-Waffenfabriken in Missouri.

 

Vor fünf Jahren hat der Richter Jorge Guzmann mutig Ermittlungen aufgenommen. Nachdem alles geleugnet wurde, musste auf Druck Angehöriger, Überlebender und verschiedener Organisationen wieder ermittelt werden. Arme Bauern, Indigene stehen hochrangigen Militärs gegenüber - diese in prunkvollen Uniformen mit schwarzen Sonnenbrillen, vorgefahren in schweren SUVs, schuldig der Vergewaltigung, der Folter und des Massenmordes. Die Verantwortlichen weisen die Beschuldigungen als persönliche Racheakte ihnen gegenüber zurück, geben höchstens zu, dass da etwas nicht ganz so gut gelaufen sei. Zu denen, die das Massaker vertuschen und leugnen wollen, gehört auch die Führung der FMLN. Diese ist zu einer bürgerlichen Partei mit sozialdemokratischer Ausrichtung geworden, die einige Zeit die Regierung stellte.

 

Richter Guzmann ist 61 Jahre alt. Kürzlich wurde ein Gesetz verbschiedet, dass Richter mit 60 in den Ruhestand geschickt werden. Mit solchen Methoden soll dafür gesorgt werden, dass die Sache im Sand verläuft. Darüber muss auch international Öffentlichkeit hergestellt werden.