Leserbrief

Leserbrief

„Auf der Station sind die meisten für die Impfpflicht - aber auch bitte für alle!

Die aktuelle Omikron-Welle belastet besonders die normalen Stationen in den Krankenhäusern und Psychatrien. Ab dem 15. März gilt in den Krankenhäusern für alle Beschäftigten – von der Putzfrau bis zum Chefarzt – eine Impflicht. Das bedeutet, dass Ungeimpfte ohne Lohnfortzahlung von der Arbeit freigestellt werden. Natürlich hat das auch zu vielen Diskussionen auf der Station geführt. Auf meiner Station sind zwar inzwischen alle Kolleginnen und Kollegen geimpft, aber es gibt immer noch einzelne im Haus, die es nicht machen. Mit diesen wurde natürlich sehr viel diskutiert und - nach anfänglichem Abschreiben dieser Kollegen – wurden auch immer wieder neue Argumente entwickelt.

Korrespondenz

Besonders angesichts der hohen Infektionszahlen von aktuell über 140.000 am Tag und auch angesichts des Anspruchs, mit dieser Pandemie restlos fertigzuwerden, sagen meine Kolleginnen und Kollegen, dass sie die Impfpflicht richtig finden.

 

Auffällig ist, dass die ungeimpften Kolleginnen und Kollegen oft mit einem Individualismus nicht fertig werden, selber eine Ausbildung zum Heilpraktiker haben, oder auch sonst wenig Interesse daran haben, wie man gemeinsam um Verbesserungen kämpft. Zum Beispiel als Mitglied einer Gewerkschaft. Sie bringen nach wie vor die längst widerlegten Argumente von „Corona als vergleichbar mit der einfachen Grippe“, oder auch dass die Persönlichkeitsrechte damit massiv eingeschränkt würden.

 

In Wirklichkeit waren 2020 / 2021 in elf Monaten mehr als doppelt so viele Menschen an Corona gestorben, wie 2017 / 2018 an der Grippe. Und man muss sich mal vorstellen, welches Vielfache an Todesopfern die Pandemie gefordert hätte, wären da nicht die Schutzmaßnahmen Masken, Abstand und Kontaktbeschränkungen gewesen!

 

Wir bleiben auch an den Ungeimpften weiter dran. Wir wollen nämlich weder diese Kolleginnen und Kollegen ganz an „Querdenker“ oder Esoteriker verlieren, noch deren Arbeit einfach mitmachen müssen. Wir führen vom Arbeiterstandpunkt aus die Diskussion über einen anderen Freiheitsbegriff. Wir gehen davon aus, dass die Freiheit vor allem in der Einsicht in die Notwendigkeit besteht. Das ist ja auch unser tägliches Brot in der Medizin. Ohne Selbstveränderung des Patienten besteht meist keine Aussicht auf Genesung. Es ist aber auch wichtig, dass unsere Freiheit zu streiken, zu demonstrieren, uns zu versammeln und uns und unsere Familien gesund zu halten, in einer allgemeinen Impfpflicht besteht - nicht nur in den Krankenhäusern. Noch ist Zeit für die erste und zweite Impfung!