Die Gedankenwelt eines Opportunisten oder:

Die Gedankenwelt eines Opportunisten oder:

Warum Dietmar Bartsch den RW 37 nicht kaufen wollte

Bei der diesjährigen Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin hatte ich die Aufgabe, den REBELL-Stand vor dem Friedhof der Sozialisten durchzuführen

Korrespondenz
Warum Dietmar Bartsch den RW 37 nicht kaufen wollte

Bei der diesjährigen Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin hatte ich die Aufgabe den REBELL-Stand vor dem Friedhof der Sozialisten durchzuführen. Natürlich sollte auch hier der neue REVOLUTIONÄRE WEG 37 „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus“ breit vorgestellt und vertrieben werden. Also schnappte ich mir eine Ausgabe und ein paar zugehörige Flyer und legte nach der Devise „Jeden ansprechen!“ los.

 

Zufällig lief mir dabei Dietmar Bartsch, Co-Spitzenkandidat der Linkspartei während der Bundestagswahlen 2021 und ehemaliger Bundesgeschäftsführer, über den Weg.


Da wurde ich neugierig, was er wohl zu dem Buch sagen würde und sprach ihn an. „Haben Sie vielleicht Interesse an unserer neuen Streitschrift gegen den Opportunismus?“ Er sah auf das Buchcover und grinste leicht. „Ah, Stefan Engel! Komme ich denn dann auch in dem Buch vor? Sonst will ich es nicht!“ Ich antwortete: „Na, Sie persönlich jetzt nicht, aber…“ Er ergänzte: „…aber meine politische Linie.“ „Genau!“ Er redete ein bisschen umher, dass man ja über Opportunismus diskutieren könne und so weiter. Ich hakte ein. „Opportunismus ist ja nicht nur eine theoretische Sache, über die man diskutieren kann. Opportunismus hat doch auch ganz praktische Auswirkungen.

 

Wie zum Beispiel der diesjährige Aufruf zur LLL-Demonstration. Da werden die sozialistische Perspektive und die Notwendigkeit einer Revolution gar nicht mehr genannt. Das hätten doch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf jeden Fall kritisiert und dagegen polemisiert!“ „Jaa…“ entgegnete Bartsch, „aber Rosa Luxemburg war ja gar nicht so lange in der KPD, da weiß man ja nicht so genau, ob sie das dann wirklich so kritisch gesehen hätte…“

 

Das war natürlich ein starkes Stück. Neben der Tatsache, dass Rosa Luxemburg nur deshalb so kurz in der KPD war, weil sie von faschistischen Freikorps ermordet wurde, führte sie in ihrem Leben immer entschlossen die Auseinandersetzung gegen Opportunisten und Revisionisten, wie zum Beispiel Eduard Bernstein. Auch wenn Dietmar Bartsch sich nicht zu mehr durchringen konnte, als einen Flyer zu dem neuen Buch mitzunehmen, war ich doch um einen Einblick in die Gedankenwelt eines Opportunisten reicher.