Türkei
Arbeiter in Gebze kämpfen für Gewerkschaftsrechte
Die Polizei nahm 200 Arbeiter fest, die sich am Morgen in die Fabrik Farplas eingeschlossen haben. Sie protestierten dagegen, dass vor kurzem mehr als 100 kämpferische Arbeiter von Farplas Automotive, einem Unternehmen der Automobilzulieferindustrie in Kocaeli, entlassen wurden.
Die Kollegen hatten sich am 30. Januar 2022 in der Fabrik eingeschlossen, um für die Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter und für ihre gewerkschaftlichen Rechte zu kämpfen. Am 31. Januar um 7 Uhr morgens begann die Polizei mit der gewaltsamen Räumung der Fabrik.
Necmettin Aydın, der Leiter der Niederlassung Nr. 2 der Gewerkschaft United Metal-İş Gebze, hat mitgeteilt, dass die Arbeiter in fünf Polizeibussen aus der Fabrik abtransportiert wurden. Die Polizei ging mit Tränengas gegen diejenigen vor, die verhindern wollten, dass die Haftfahrzeuge das Werk verlassen. Dabei gab es auch Verletzte. Andererseits begannen Arbeiter aus anderen Fabriken, die ebenfalls in der Gewerkschaft Metal-İş in Gebze organisiert sind, sich vor Farplas zu versammeln und zu protestieren. Die Arbeiter skandierten die Slogans: „Die Gewerkschaft wird sich unbedingt in Farplas weiter organisieren“ und „Lasst die verhafteten Arbeiter frei“.
Wie Rote Fahne News bereits informiert, ist die Inflationsrate in der Türkei fast 80%. Am 19. Janar wurde eine Lohnerhöhung von nicht mal 35% angekündigt, womit der Lohn 4500 tlLira (ungefähr 300 €) beträgt. Laut Gewerkschaften liegt die Armutsgrenze für eine vierköpfige Familie bei 1100 €. Die Gewerkschaftsfeindlichkeit der Chefs war neben der lächerlichen Lohnerhöhung ein zusätzliches Motiv, wogegen sich die Arbeiter in die Fabrik einschlossen. Seither lauteten die Parolen „Farplas-Arbeiter sind keine Sklaven“, „Wir werden durch Widerstand gewinnen“, „Nimm die entlassenen Arbeiter zurück“ und „Keine Arbeit, kein Brot, kein Frieden“.