Briefwechsel
Gegen unsachliche und subjektivistische Kritik
Zum Artikel „Polemik als Verkaufsrezept“, der am 28. Januar auf Rote Fahne News erschienen ist, erhielt die Rote Fahne Redaktion vor wenigen Tagen diese berechtigte Kritik:
„Werte(r) Korrespondent(in), ich musste erst ein paar Nächte darüber schlafen, bevor mir klar wurde, was mir an deinem Artikel missfällt. Vorneweg: Mir gefällt die Polemik im Buch "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus" sehr gut, weil dadurch ein wissenschaftliches Thema im Überbau des Kapitalismus erfrischend lebendig lesbar wird. (…) Was diese Art zu schreiben so aufnehmbar für die interessierte Seele macht, ist die fundierte Sachlichkeit.
Diese vermisse ich in deinem Artikel, im Gegenteil, schon beim Lesen empfand ich eine mich abstoßende Unsachlichkeit und Überheblichkeit. Ich teile die Kritik an Abdullah Öcalans Opportunismus vollständig, keine Frage. Doch für deine Art, über einen, mittlerweile entgleisten, Revolutionär zu schreiben, der für seine revolutionäre Weltanschauung massivste Gewalt, Isolation und Folter erlitten hat, fehlt mir jedes Verständnis. Das, was dich "zum Spott reizt", macht viele seiner kritischen Anhänger, neben Unverständnis, mit Sicherheit auch traurig. Insofern schmeckt mir deine Mixtur dieses "Verkaufsrezepts" überhaupt nicht und könnte für Abdullah Öcalans o. g. Mitstreiter durchaus verletzend wirken. Spott unterscheidet sich für mich durch unsachliche, subjektive, daher destruktive Angriffslust von sachlicher, objektiver, daher konstruktiver Polemik. Herzlichen Gruß, Andreas Wölffing“
Die Korrespondentin antwortet:
Lieber Andreas, vielen Dank für deine engagierte Kritik an dem auf Rote Fahne News am 28. Januar erschienenen Artikel "Polemik als Verkaufsrezept". Du teilst die Kritik an Abdullah Öcalans Theorie zum „Demokratischen Konföderalismus“, doch kritisierst du Inhalt und Methode, mit der ich diesen Artikel geschrieben habe.
Ich musste erst etwas nachdenken, um deine berechtigte Kritik zu verstehen. Das Motiv beim Schreiben war mehr darauf ausgerichtet, den erfolgreichen Buchverkauf und damit mich herauszustellen, als eine tiefgehende weltanschauliche Auseinandersetzung zu führen.
Mein Artikel war überheblich und unsachlich. Das Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus“ zeichnet sich durch seine wissenschaftliche Polemik aus. Es werden überzeugend Zitate - auch von Öcalan - verwendet und dann wird der Widerspruch zur Wirklichkeit dargelegt. Ich habe mich dagegen nur empört, ohne jeden konkreten Beleg und ohne Berücksichtigung der notwendigen Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf, wie es das Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus“ beachtet. Spott gegen die Herrschenden kann angebracht sein, ist hier aber eine ungeeignete Methode. Hier kommt es auf überzeugende Auseinandersetzung bei Beachtung der Solidarität an.
G./Korrespondentin aus Bochum
Und die Rote Fahne Redaktion antwortet:
Die Redaktion entschuldigt sich für die Veröffentlichung des unsachlichen Artikels. Dieser praktizierte eine kleinbürgerliche Streitkultur und widerspricht unseren Prinzipien der Auseinandersetzung. Sie steht damit auch in direktem Gegensatz zu Inhalt und Stil des Buchs von Stefan Engel „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus“ und hätte von der Redaktion nicht veröffentlicht werden dürfen. Wir werden daraus lernen und das künftig vermeiden.
Lesetipp:
Im Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus“ heißt es im Abschnitt „Abdullah Öcalans Illusion vom "demokratischen Konföderalismus“ einleitend: „Seit ihrer Gründung 1982 praktiziert die MLPD in diesem Geist eine aktive Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf. Sie hat diese Solidarität nie von ideologisch-politischer Übereinstimmung mit der Theorie und Praxis der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) abhängig gemacht. So fordert sie entschieden die Aufhebung des undemokratischen Verbots der PKK in Deutschland, ihre Streichung von jeder internationalen Terrorliste und die Freilassung ihres Generalsekretärs Abdullah Öcalan, der nach wie vor unter härtesten Bedingungen inhaftiert ist.
Diese aufrichtige Solidarität schließt jedoch die notwendige kritische Auseinandersetzung mit der ideologisch-politischen Linie und der Politik der PKK ein.“ (S. 149)
Darauf aufbauend entwickelt das Buch eine wissenschaftliche und streitbare Auseinandersetzung, ohne je den Boden der Sachlichkeit zu verlassen.
Mehr zu dem Buch und zu den Bezugsmöglichkeiten hier