Viele Faktoren treiben die Inflation an - die Löhne sind es nicht
Lohnnachschlag und offensive Tarifrunden 2022
Angesichts der offiziellen Inflation von rund fünf, real über zehn Prozent nimmt die Diskussion um offensiv geführte Tarifrunden und um einen Lohnnachschlag in den Betrieben zu. Es ist zu begrüßen, wenn der Vorsitzende der IG Metall Jörg Hofmann ankündigt: „Die Erwartung ist klar: Reallohnverluste verhindern“. Im Augenblick befinden sich die in der Chemie und im Erziehungs- und Sozialwesen Beschäftigten in Tarifauseinandersetzungen. Am 31. Mai laufen die Entgelttarife in der Eisen- und Stahlindustrie und am 31. August in der Metall- und Elektroindustrie aus.
Das Märchen von der „Lohn-Preis-Spirale“
Marcel Fratscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung weiß es, Robert Habeck, Bundeswirtschaftsminister weiß es, die Medien wissen es sowieso: Angesichts der jahrzehntehohen Inflation, würden die Beschäftigten mit Lohnforderungen nur die „Lohn-Preis-Spirale“ lostreten, und dann wären „wir alle“ die Angeschmierten. Die „Lohn-Preis-Spirale“ ist im Kapitalismus etwa das, was im Mittelalter „Die Erde steht im Mittelpunkt des Universums“ war: Ein Glaubensdogma. Nullrunden in Tarifrunden und Kurzarbeitergeld bei gleichzeitigem Anstieg der Preise sorgten dafür, dass die Reallöhne 2021 gegenüber 2020 um 1,1 Prozent sanken, im ersten Quartal 2021 sogar um 2 Prozent. Verzicht bedeutet vor allem eine Spirale nach unten für Löhne und Gehälter.
Zum Ausgleich des tatsächlichen Reallohnverlusts seit den letzten Tarifrunden brauchen die Metaller jetzt einen Lohnnachschlag sofort und müssen gleichzeitig offensive Tarifrunden vorbereiten. Tatsächlich erhöht die Arbeiterklasse mit einem erfolgreichen Lohnkampf ihren Anteil an dem von ihr in Produktion und Büro erarbeiteten Neuwert. Karl Marx zeigte in seinem ökonomischen Hauptwerk „Das Kapital“ auf, dass der Mensch in der Produktion, der Arbeiter, mehr Werte erschafft, als zu seiner Erhaltung, zum Erhalt der Arbeitskraft notwendig ist. Diesen „Mehrwert“ eignen sich die Kapitalisten unentgeltlich an. Höhere Löhne erhöhen den Anteil der Angestellten und Arbeiter am Mehrwert. Das Dogma von der „Lohn-Preis-Spirale“ soll uns Angestellten und Arbeitern die Verantwortung für die Inflation in die Schuhe schieben und uns von der notwendigen Aufstellung kräftiger Lohnforderungen und einem konsequenten Kampf darum, abhalten. Aber auch von der Einsicht, dass der notwendige Tarifkampf nichts an der Lage als Lohnarbeiter ändert und deshalb der Kampf zur Abschaffung des kapitalistischen Lohnsystems notwendig ist. Deshalb unterstützt die MLPD den Kampf für höhere Löhne und tritt darüber hinaus für die Abschaffung der Ausbeutung und Unterdrückung, für den echten Sozialismus ein.
Viele Faktoren für die Inflation – Hauptfaktor: Staatsmonopolistischer Kapitalismus
Es gibt viele Faktoren, die die Preise und damit die Inflation treiben. Die Gehälter sind es nicht. Der Staat und die EU-Institutionen als Dienstleister der Monopole treiben dagegen mit der „Politik des billigen Geldes“ eine gigantische Staatsverschuldung voran. Damit werden Subventionen an die Monopole vergeben, ganz modern verpackt als Umweltschutz- oder „Transformations“-förderung. So haben die Monopole noch in der Gesundheits- und Wirtschaftskrise Rekordprofite mit staatlicher Unterstützung gemacht. Die Folgen sollen auf die Massen abgewälzt werden: Kurzarbeitergeld, Steuernachzahlung, Inflation!
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Für die Aufstellung der Forderung in der Stahl-, Metall- und Elektroindustrie muss die reale Inflation wesentlicher Maßstab sein. Dazu kommt die gestiegene Ausbeutung. Die reale Inflation liegt für Arbeiterfamilien nach Berechnungen der Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Studien zur Arbeiterbewegung e.V bei mindestens 10,4 Prozent. Denn es sind gerade die exorbitant gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise, die Arbeiterhaushalte und Haushalte unterer Einkommen überproportional belasten. Um den Reallohnverlust von 200 bis 300 Euro monatlich auszugleichen, brauchen die Arbeiter und ihre Familien sowohl einen Lohnnachschlag als auch eine offensiv geführte Tarifrunde. Das ist nicht nur im Interesse der Beschäftigten, sondern auch der Rentner, Hartz-IV-Bezieher, Arbeitslosen.
Kritisiert werden muss allerdings, wenn Jörg Hofmann bei der Aufstellung der Lohnforderung u.a. neben der „Steigerung der Produktivität“ sprich Ausbeutung sich lediglich „an der Zielinflation der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent“ orientieren will! Das ist nicht zu akzeptieren und hätte einen weiteren Reallohnverlust zur Folge! Damit die Auseinandersetzung um höhere Löhne Fahrt aufnimmt, kommt es jetzt darauf an, breit in den Abteilungen über Lohnnachschlag jetzt und offensive Forderungen zur kommenden Tarifrunde zu diskutieren und dabei die eigene Rechnung aufzumachen!
Die Forderungsaufstellung ist „Chefsache“ - also Sache der Mitglieder! Die Diskussionen nutzen, um mit neuen Varianten des Reformismus fertig zu werden, unsere Organisertheit und Einehit zu stärken und sich steigernde Kampfmaßnahmen entwickeln. Die Vertrauensleutearbeit stärken, gegebenenfalls den gewerkschaftlichen Rahmen verlassen, selbständig kämpfen und dies verbinden mit dem Kampf um ein allseitiges und vollständiges gesetztliches Streikrecht.