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Renten: Herr Russwurm beherrscht nur die profitwirtschaftliche Mathematik

"Die Politik will keine längere Lebensarbeitszeit, will keine Sozialversicherungsbeiträge über 40 Prozent, will das Rentenniveau auf mindestens 48 Prozent halten - die Gleichung geht nicht auf", so kam Sigfried Russwurm, Präsident des Monopolverbands der deutschen Industrie BDI, Anfang Februar wieder mit der alten Leier.

lg

Wegen dem berühmten demografischen Faktor sei die Rente kaum mehr bezahlbar, so das gängige bürgerliche Vorurteil.

 

Martin Staiger, Experte für Sozialrecht, hat nachgerechnet und im dicken Wälzer "Rentenversicherung in Zeitreihen" nachgeschaut, den die Deutsche Rentenversicherung jedes Jahr herausgibt. Sein Fazit: die Rente ist sehr wohl finanzierbar. Kurz gesagt ist die Zahl der Alten nicht Erwerbsfähigen zwar deutlich gestiegen, doch die Zahl der nicht erwerbsfähigen Jungen ist gesunken. In der Summe ist deshalb die Zahl der nicht Erwerbsfähigen, die durch die Erwerbstätigen finanziert werden müssen, ungefähr gleich hoch wie 1950 und deutlich niedriger als 1970. Und das bei einem erheblich deutlich gewachsenen Bruttoinlandsprodukt mit gestiegener Arbeitsproduktivität.

 

Herr Russwurm beherrscht leider nur profitwirtschaftliche Mathematik. Bis zur höheren Mathematik des volkswirtschaftlichen Rechnens wird er es wohl nicht mehr schaffen. Deswegen lohnt es sich, als Arbeiter die eigene Rechnung aufzumachen.