Offensiv gegen Arbeitsplatzvernichtung und Spaltung

Offensiv gegen Arbeitsplatzvernichtung und Spaltung

Selbständige Aktionen für die Übernahme der Leiharbeiter

Der "Vorwärtsgang", Zeitung von Kolleginnen und Kollegen für Kolleginnen und Kollegen in den deutschen VW-, Audi-, Porsche- und MAN-Werken, berichtet über selbständige Aktionen für die Übernahme der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter bei VW. "Rote Fahne News" dokumentiert den Artikel.

Selbständige Aktionen für die Übernahme der Leiharbeiter
Kundgebung bei VW in Kassel (rf-foto)

VW schlägt mit der Entlassung der Leiharbeiter in allen Werken eine härtere Gangart an. Der Hauptgrund für diesen Schritt ist der Zwang zur Steigerung der Profitrate. Sie haben die Rechnung allerdings ohne die Solidarität der Belegschaften gemacht. Vor Weihnachten zwei Solidaritätsaktionen mit Kundgebungen vor den Toren von VW in Wolfsburg und Braunschweig gegen die Entlassung von 1300 Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern. Am 4. Februar führten vor dem Werkstor bei VW Kassel/Baunatal 170 Kolleginnen und Kollegen, dabei etwa 100 Leiharbeiter und viele Stammwerker und Azubis, eine selbstorganisierte kämpferische Protestaktion gegen die geplante Entlassung von 570 Leiharbeitern durch.

 

Redebeiträge von Leiharbeitern am offenen Mikrofon betonten die Zusammengehörigkeit von Leiharbeitern und Stammwerkern. Bedeutsam war die Solidarität der anwesenden 20 VW-Auszubildenden. Auch einige Familien, teilweise mit Kindern, nahmen an der Kundgebung teil. Egal ob Stammwerker oder Leiharbeiter, wir brauchen unsere Arbeit. Denn wovon sollen wir leben, wie die Kinder und Familie ernähren? Eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche mit Lohnausgleich ist die Lösung für die gestiegene Produktivität und geringere Fertigungstiefe der E-Traktion.

 

Bringt es was, vor dem Tor zu protestieren und zu fordern? Ja, in jedem Fall. Wie heißt es so schön „Wer kämpft kann gewinnen, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren!“. Wir wissen allerdings
aus den Tarifrunden, dass VW letztlich nur auf Druck reagiert. Zukunftsweisend sind deshalb die Versammlungen in den Pausen im Kasseler Werk, bei denen sich beraten wird und von bisher mindestens drei Abteilungen (Supermarkt Halle 1 B, Supermarkt Halle 3A, CKD) Solidaritäts-Fotos gemacht und verbreitet werden.

 

Die Forderung nach dem allseitigen und vollständigen gesetzlichen Streikrecht spielt eine wichtige Rolle. Immerhin hätte die Versammlung vor dem Tor am 4.2. in Frankreich einen legalen Streik beginnen können – in Deutschland ist das in der Friedenspflicht offiziell verboten. Selbständige Streiks sind deshalb nötig und können Erfolg haben. So wie der Streik der Bochumer Opelaner in 2004, der zehn Jahre Werk-Laufzeit erkämpft hat. Zahlreiche Bedenkenträger – leider auch aus dem Betriebsrat – warnten: „Die MLPD will euch instrumentalisieren“. Diese Leute denken, dass die
Kollegen ohne „Anführer“ nichts machen würden, zu selbständigem Denken nicht in der Lage sind.

 

Was für eine armselige und herabwürdigende Ansicht! Wahr ist dagegen, dass in den letzten Wochen ganz viele Kollegen ganz viel Initiative entwickelt haben – sonst wäre das alles nicht möglich gewesen. Die MLPD steht selbstverständlich fest an der Seite solcher Kämpfe, weil das ihr Profil ist. Sie bringt Know-how mit und diskutiert über ihren Vorschlag einer gesellschaftlichen Alternative zum Kapitalismus.

 

Sich gegenseitig zu stärken und den Kopf klar zu kriegen ist nicht Ausdruck einer „Instrumentalisierung“, sondern ein Teil des Kampfes. Erfrischend und lebendig war die Aktion vor dem Tor, da hier der Kleinmut und das „da kannst du eh nichts machen“ widerlegt wurden. Selbstbewusst den Kampf um jeden Arbeitsplatz führen, keinen Millimeter Akzeptanz des Ausspielens der Leiharbeiter gegen die Stammbeschäftigten, das ist der richtige Weg. Da müssen wir dranbleiben. Es kann aber auch nicht sein, dass Leiharbeit weiter zu Lohndrückerei und Spaltung führt. Deshalb fordern wir die sofortige Übernahme und Festeinstellung aller Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter.