Argument

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Antikommunistische Geschichtsschreibung

Angesichts des Überfalls des neuimperialistischen Russlands auf die Ukraine gibt es ein großes Interesse an den Hintergründen und der Geschichte der Ukraine. Die Zeitungen sind voll von historischen Vergleichen und Analogien. Doch Vorsicht vor antikommunistischer Geschichtsfälschung!

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So schreibt eine Cathrin Kahlweit am 26. Februar in der Süddeutschen Zeitung:

 

„Die Ukrainer sind unendliches Leid durch Diktaturen gewöhnt: Die brutale Kollektivierung unter Stalin ... ist ebenso ins Gedächtnis eingeschrieben wie der Vernichtungskrieg der Nazis, die Juden, Widerstandskämpfer, Kommunisten, Intellektuelle in der Schlucht von Babi Jar, auf offenem Feld, in Wäldern erschossen. Im Westen des Landes kämpften bis in die Fünfzigerjahre Partisanen gegen den Sowjetstaat. Nun hat wieder ein Krieg von Underdogs gegen eine zynisch eingesetzte Übermacht begonnen."

 

In einem Handschlag werden Sozialismus und Faschismus gleichgesetzt. Worum ging es denn bei der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion? Direkt nach der sozialistischen Oktoberrevolution 1917 wurden die Großgrundbesitzer enteignet, das Land wurde den vorher geknechteten Bauern zur Bestellung überlassen. Das ist mal die erste Erfahrung, die die Ukrainer in der Diktatur des Proletariats machten!

 

Aber kleinste Felder mit einfachsten Mitteln zu bestellen, damit war das riesige Land nicht zu ernähren. In der Geschichte der KPdSU heißt es: „Das Land stand vor zwei Möglichkeiten: entweder zur kapitalistischen Großproduktion überzugehen, was den Ruin der Bauernmasse … die Niederlage des Sozialismus im Dorfe bedeutet hätte, oder den Weg der Vereinigung der kleinen Bauernwirtschaften, zu Kollektivwirtschaften zu beschreiten, die imstande sind, Traktoren und andere moderne Maschinen zu benutzen.“ (S.348)

 

Der Antikommunismus wirft Stalin vor, den zweiten Weg beschritten zu haben, während der Kapitalismus weltweit rücksichtslos die Kleinbauern ruiniert. Es ist im übrigen eine schlichte Lüge, dass die Kollektivierung durch Stalin „brutal“ durchgeführt wurde. Natürlich war die Kollektivierung ein druchaus widerspruchsvoller kritisch-selbstkritischer Prozess mit zum Teil heftigen weltanschaulichen Auseinandersetzungen. Er fand statt als Massenkampf der armen und mittleren Bauern gegen die reichen Bauern (Kulaken).

 

Stalin bestand auf dem Hauptmittel der Überzeugung. In dem Artikel „Vor Erfolgen von Schwindel befallen“ kritisierte Stalin am 2. März 1930 öffentlich, dass das Prinzip der Freiwilligkeit durch Organe der KPdSU z.T. verletzt wurde. Am 15. März 1930 gab das ZK den Beschluss bekannt: „Über die Bekämpfung der Verzerrung der Parteilinie in der Kollektivwirtschaftsbewegung“. Am 3. April wurde Stalins „Antwort an die Genossen Kollektivbauern“ veröffentlicht, in der er auf die Wurzeln von Fehlern in der Bauernfrage eingeht. Es fand also eine intensive kritisch-selbstkritische Auseinandersetzung im Kampf um den Aufbau des Sozialismus statt.

 

Die Erinnerung daran soll das gleiche sein, wie die Erinnerung an den Überfall des Hitlerfaschismus? Das ist böswillige antikommunistische Geschichtsfälschung! Im Zusammenhang mit der Hungersnot in der Sowjetunion wird vielfach behauptet, die Kulaken seien eine Erfindung der Bolschewiki, um die „brutale“ Kollektivierung zu rechtfertigen. Dass beim Überfall Hitlers auf die Ukraine eben diese Kulaken vielfach auf der Seite der Hitlerfaschisten kämpften, widerlegt auch diese Lüge.

 

In den 1950er Jahren waren es keine Partisanen, die gegen die Sowjetunion kämpften, sondern Kräfte, die zurück zum Kapitalismus wollten. In all den Fragen wird die Klassenfrage geleugnet und böswillig verwischt. Karl Marx deckte auf, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte von Klassenkämpfen ist. Das zu berücksichtigen ist der einzige Weg, die Hintergründe des Krieges in der Ukraine wirklich zu verstehen und mit der antikommunistischen Geschichtsfälschung fertig zu werden.