Leipzig
Intensive Gespräche vor dem Tor bei BMW
Bei BMW Leipzig gibt es seit längerem Kurzarbeit wegen fehlender Chips, sodass nur ein kleiner Teil der Kollegen von sonst 5300 im Betrieb arbeitet. Nun gibt es erneut Kurzarbeit wegen fehlender Elektro-Kabelsätze. Die Lieferströme aus der Ukraine sind unterbrochen.
Auch bei Porsche-Leipzig wird die Produktion zeitweise ausgesetzt, weil Teile von ukrainischen Zulieferern fehlen.
Gestern Mittag vor dem Tor bei BMW, beim Verteilen der Erklärung des Zentralkomitees der MLPD "Bundesregierung geht zu offen imperialistischer Außen- und Militärpolitik über - akute Weltkriegsgefahr durch Imperialisten heraufbeschworen". Wir sprachen die Kollegen an mit "Schluss mit dem Krieg" - "Klares Nein zur aggressiven Politik der Bundesregierung" oder "Jetzt kommt es auf die Arbeitereinheit weltweit an". Das stieß bei den meisten auf Zustimmung und große Offenheit. 125 Flugblätter - bei sehr ausgedünnter Belegschaft - wurden gerne genommen, mit "Danke" oder "ich werds lesen".
Besorgtes Nicken, wenn wir auf die akute und "kreuzgefährliche" Weltkriegsgefahr hinwiesen. Auch einige, die nicht mit sich reden lassen wollten und kein Flugblatt nahmen. Auffallend war, dass kein einziger die Beschlüsse der Bundesregierung zu den Waffenlieferungen und der immensen Aufrüstung der Bundeswehr gut fand oder verteidigte, sondern zustimmte, dass das die Weltkriegsgefahr sehr verschärft und wir als Arbeiterinnen und Arbeiter uns nicht gegenseitig bekriegen dürfen.
Zwei Kollegen nahmen den russischen Präsidenten Putin in Schutz, fanden dessen Krieg zwar auch sch...., doch dessen Reaktion sei verständlich auf die Provokation der USA/NATO. Ein Kollege fand Merkels Politik der "Verständigung" dann doch besser, wie die der neuen Regierung. Unverständnis und Wut über die Kriegspolitik, wo doch die ganze Produktion international verflochten ist, und den Schaden die Arbeiterklasse zahlt, wenn die Herrschenden sich bekriegen. Offenheit gegenüber dem Argument, dass die internationale Produktion sozialistische Staaten braucht, die im gegenseitigen Interesse und auf gleicher Augenhöhe Handel betreiben.
Es war eine Offenheit und auch Aufgewühltheit, die wir sonst meist nur bei Arbeitskämpfen erleben.