Argument

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Wo sind die spitzen Federn?

Am Sonntag saß ich mit Gänsehaut vor dem Fernseher. Olaf Scholz verkündet die Aufrüstung der Bundeswehr mit unvorstellbaren 100 Milliarden Euro. Standing Ovations im Bundestag. Meine Gedanken fliegen zur Verabschiedung der Kriegskredite im Reichstag 1914. Gruselig. Was ich mich jetzt, einige Tage danach, frage: Wo ist der kritische Journalismus geblieben? Gehört es nicht zum kleinen 1x1 für die schreibende Zunft, die Dinge zu hinterfragen?

Von ro

Es wird sich wohl fast kein Auslandsjournalist finden lassen – und sei er noch so konservativ - der nicht schon über das eine oder andere Kriegsverbrechen der USA zu berichten hatte. Aber diesmal soll das Bild USA / NATO gut, Russland böse wirklich stimmen?

 

Seit die EU 2012 den Friedensnobelpreis bekam, wurde hundertfach mit spitzer Feder darüber geschrieben: Deals mit Diktatoren, Freihandelsabkommen, die mutwillig die Volkswirtschaften in Ländern Afrikas ruinieren, menschenverachtende Flüchtlingspolitik ... . Jetzt kauft die EU für 450 Mio. Euro Waffen für die Ukraine und alle spitzen Federn sind stumpf?

 

Alle? Nein natürlich nicht! Die Rote Fahne, Rote Fahne News, das REBELL-Magazin, die Flugblätter der MLPD - sie durchdringen die komplizierte Entwicklung mit einem klaren proletarischen Klassenstandpunkt und geben Orientierung!

 

Rechte Netzwerke in der Bundeswehr, veruntreutes Steuergeld in Beraterverträgen, völliges Desaster nach 20 Jahren Militäreinsatz in Afghanistan – das sind nur einige Schlagzeilen der letzten Jahre. Wo sind heute kritische Stimmen zur wirklich beispiellosen Aufrüstung dieser deutschen Armee?

 

Es gäbe so viele Fragen zu behandeln. Wenn die ukrainische Armee gerade „Demokratie und Freiheit“ verteidigt, warum sind dann Faschisten, die erklärten Feinde dieser Werte, offizieller Teil dieser Armee? Warum wird ein ukrainischer Außenminister im Bundestag gefeiert, der 2015 noch Blumen für einen ukrainischen Faschisten in München niederlegte?

 


Der Überfall Putins auf die Ukraine ist niederträchtig. Aber das rechtfertigt nicht, als Journalist sein Fähnchen in den Wind zu drehen. Hier stehen sich zwei Räuber gegenüber, beide Feinde des Friedens.

 

In Russland gehen Menschen gegen Putins Krieg auf die Straße. Hut ab! Wer ihren Mut ehrlich bewundert, muss selbst den Mut auf bringen, hier gegen den Strom zu schwimmen. Also raus mit den spitzen Federn!