Montagsdemo Gelsenkirchen
Bei Gesamtmetall steht „Frieden“ nur drauf!
Der folgende Redebeitrag wurde auf der Montagsdemo gegen den imperialistischen Krieg in der Ukraine am 14. März gehalten:
Es ist sehr gut, dass derzeit alle für den Frieden sind, und bei der Masse der Bevölkerung ist das auch ehrlich so. Allerdings ist nicht überall, wo Frieden drauf steht, auch Frieden drin.
Wir haben hier ja schon öfter davon gesprochen, dass das ein imperialistischer Krieg ist. Imperialismus bedeutet, dass Monopolkonzerne, die nach Weltmarktbeherrschung streben, die Wirtschaft beherrschen. Ein Vertreter solcher Monopole ist der "Arbeitgeber“-Kapitalistenverband Gesamtmetall. Mit diesem Verband hat die Führung meiner Gewerkschaft IG Metall nun eine gemeinsame Erklärung beschlossen. Diese verurteilt in Worten den Krieg "aufs Schärfste", um zugleich ausdrücklich zu begrüßen, dass u. a. die deutsche Regierung "entschlossen reagiert“ hätte, und zu erklären, dass die Situation "uns allen Opfer abverlangt" zu denen man dann wohl auch bereit sei. (www.gesamtmetall.de)
Ich bin seit 25 Jahren Mitglied der IG Metall und möchte hiermit auf Schärfste gegen diese Erklärung protestieren!
Warum?
- Muss man wissen, dass zu Gesamtmetall u. a. Rüstungskonzerne wie Rheinmetall gehören, deren Börsenkurse aktuell um 50 Prozent in die Höhe geschossen sind.
- Dass man zu Opfern bereit ist, kann man natürlich leicht sagen, wenn man weiß, dass gerade die Politik an großangelegten Hilfsprogrammen für die Wirtschaft arbeitet. Und noch besser: Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) am Samstag berichtete, sage das zwar wegen dem "Imageschaden" derzeit keiner, würden aber hinter den Kulissen „viele Unternehmen längst prüfen, den Staat für Schäden aus den Sanktionen … in Haftung zu nehmen" Mit "WIR sind bereit Opfer in Kauf zu nehmen“ meint der Unternehmerverband also wieder einmal, dass wir Arbeiter bereit sein sollen, für ihn die Opfer zu bringen - und zwar doppelt: in den Betrieben und als Steuerzahler.
- Sind es u. a. die zu Gesamtmetall gehörenden Großkonzerne, die die Eskalation heraufbeschworen haben, die für ihren Profit die NATO-Osterweiterung aggressiv vorangetrieben und nebenbei auch mit Putin gute Geschäfte gemacht haben. So beschwert sich Herr Wolf, Chef von Gesamtmetall, nun vor allem, dass die Lieferketten nicht mehr funktionieren und die in der Ukraine produzierten Kabelbäume für die Autoindustrie nicht kommen. Das ukrainische Volk hat ihn nicht interessiert, als er es zu Niedrigstlöhnen in der Produktion von Kabelbäumen ausgebeutet hat und um das ukrainische Volk geht es ihm auch heute nicht, nur um seine Lieferketten.
- Hat der feine Herr Wolf erklärt, am liebsten wäre ihm, er könnte "schon bald am wirtschaftlichen Wiederaufbau der Ukraine mitwirken". (Interview 11.3. Gesamtmetall.de). Was ist das für eine makabere Menschenverachtung: Während die Bevölkerung Tod und Flucht erleidet, das Fell zu verteilen und darüber nachzudenken, wie man seinen Profit aus dem Wiederaufbau der zerbombten Städte ziehen kann?!
Es mag also sogar sein, dass der Herr Wolf eine Art "Frieden" will. Aber das ist ein imperialistischer Frieden, der den nächsten Krieg wieder nur vorbereitet.
Wahrscheinlich wird sich manches IG-Metall-Mitglied denken, dass man über jeden froh sein sollte, der heutzutage für den Frieden ist. Aber hier geht es um Profiteure und Mitverursacher des Krieges – und die können niemals Bündnispartner für den Frieden sein. Sie missbrauchen nur das große Wort vom Frieden, um uns für ihre Kriegspolitik zu gewinnen.
Das zeigt doch, dass wir den Imperialismus bekämpfen müssen, wenn wir den Frieden wollen. Es gibt ja auch manche, die jetzt meinen, man müsse sich auf eine nationale Wirtschaft rückbesinnen. Zum einen gibt es eh kein Zurück von der weltweit vernetzten Produktion. Das ist auch nicht das Problem, sondern dass sie unter imperialistischen Vorzeichen, rein für Profitinteressen, gemacht wird. Internationale Vernetzung für Arbeiterinteressen hingegen ist die einzige wirkliche Lösung des Problems.
So sollten wir Gewerkschafter uns mit den Kabelbaum-produzierenden Arbeitern in der Ukraine, genauso wie den Metall-Arbeitern und anderen in Russland zusammentun. Was meint ihr, was los wäre, wenn ein länderübergreifender Streik gegen diesen Krieg die Lieferketten der Herren von Gesamtmetall und ihrer Geschäftspartner in Russland, den USA usw. lahmlegen würde? Das zu organisieren, das wäre wahre Friedenspolitik einer Gewerkschaft!