Werbung für faschistischen Diktator
"Eindrucksvoll" und "wichtiger Zeitzeuge": Adolf Hitler?
Das Briefmarkenhaus Richard Borek wirbt in seiner Rundmail vom 3. März mit Adolf Hitler. Ihn zeigen die ersten beiden Briefmarken der "wichtigen Zeitzeugen der deutschen Geschichte".
Wie ist diese unverantwortliche Würdigung des größten faschistischen Massenmörders in einem so erfahrenen Briefmarkenhaus wie Richard Borek möglich? Adolf Hitler auf den ersten beiden Marken der "eindrucksvollen Briefmarken-Dokumentation" ist wohl für alte Faschisten und Neo-Nazis eindrucksvoll. Aber alle anderen, die die faschistische Gewaltherrschaft mit Vernichtungskriegen und Gaskammern ablehnen, sind bei dieser beispiellosen Würdigung Hitlers als "wichtigen Zeitzeugen" fassungslos. Natürlich enthalten Sammlungen zum "Dritten Reich" und zur deutschen Geschichte auch Hitler-Marken. Ihn aber so hervorzuheben, erweist ihm eine Ehre, für die Borek scheinbar kein anderes Briefmarkenmotiv gefunden hat oder finden wollte.
Auf Nachfrage zu dieser unverantwortlichen Würdigung Hitlers erklärt Boreks Kundenbetreuerin Marion Goetsch: „Wir sind sehr verwundert über die Art Ihrer Reaktion auf unsere Werbung.“
Zum einen ist Hitler wohl nur einer unter vielen Politikern auf Briefmarken, die man nicht alle aussortieren könne: „Wie stehen Sie zu den Briefmarkenausgaben der Volksrepublik China oder Nordvietnams zu Zeiten des Vietnam-Krieges? Was halten Sie von den Ausgaben Spaniens der Franco-Zeit oder von Afghanistan, des Irak und der USA, als diese sich militärisch in fremden Ländern ‚engagierten‘? Wenn wir ethische Grundsätze wirklich anwenden, müssten wir viele Länder der Welt aus unserem Verkaufsprogramm streichen.“
Die Borek-Mitarbeiterin relativiert damit die beispiellose Terrorherrschaft der Hitler-Faschisten und stellt sie auf eine Stufe mit dem gerechten Befreiungskrieg des vietnamesischen Volks unter Hồ Chí Minh bzw. dem sozialistischen China unter Führung Mao Zedongs. Wem in seinem Antikommunismus nichts besseres einfällt, als den gerechten Kampf der Massen Vietnams um Freiheit und Demokratie und die breiteste Demokratie für die Massen der Menschen in China mit der Mordmaschinerie der Hitler-Faschisten zu vergleichen, bei dem sollte es einen dann auch nicht wundern, wenn er Hitler für einen „großen Zeitzeugen“ hält.
Eigentlich ist Briefmarkensammeln out; es gibt erhebliche Nachwuchsprobleme. Doch einige der noch gut 5000 professionellen Briefmarkensammler in Deutschland können ganz legal einen gewissen NS-Fimmel pflegen. Mit Adolf Hitler aber wie Borek offensiv zu werben, ist nicht nur allgemein pietätlos, sondern verharmlost auch die Schrecken des faschistischen "Nazi"-Terrors.