Veranstaltung
Wir schreiben diese Bücher, um der Verdrängung der weltanschaulichen Seite entgegenzuwirken
Gestern Abend stellte Stefan Engel sein neues Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus“ im Kultursaal Horster Mitte in Gelsenkirchen vor. Moderiert wurde die Veranstaltung von Gabi Fechtner.
Über 200 Besucher kamen gestern nach Gelsenkirchen zur Buchvorstellung. Die Veranstaltung war der Auftakt für eine Serie von bundesweiten Veranstaltungen. Sie sollen den Rahmen geben, sich über das Buch auseinanderzusetzen. Stefan Engel stellte hierfür die verschiedenen Abschnitte des Buches vor.
Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus
268 Seiten, 17,50 €
Ist der Krieg in der Ukraine nicht wichtiger?
Gleich zu Beginn ging Stefan Engel auf die Frage ein, ob der gegenwärtige Krieg in der Ukraine nicht wichtiger als ein Buch zu diesem Thema sei:
Der Kampf um die richtige Weltanschauung gehört zu jedem Thema.
Gerade vor drei Wochen haben russische Truppen die Ukraine überfallen, um ein russlandfreundliches Regime zu installieren. Das hat die akute Gefahr eines III. Weltkriegs heraufbeschworen, insbesondere wenn die Truppen der imperialistische Blöcke der NATO und Russlands direkt militärisch aufeinander losgehen. Die kriegerische Aggression von Putin inmitten Europas nahm die NATO zum Anlass für eine Strategieänderung:
Von der Strategie des imperialistischen Pazifismus unter den Stichworten "Wandel durch Handel" oder "friedliche Außenpolitik" schalteten die NATO-Verbündeten auf offene Vorbereitung eines Weltkriegs um.
Was sie bisher heuchlerisch "Abschreckung" nannten, wird jetzt offen als "nukleare Teilhabe" gefordert. Noch im ihrem Koalitionsvertrag hatte die neue "Ampel-Regierung" gefaselt: "Wir brauchen eine abrüstungspolitische Offensive". Jetzt scheint es im Bundestag niemand mehr zu geben, der etwas gegen diese Aufrüstung der Bundeswehr hat.
Weltanschaulich stürzte diese 180-Grad-Wende die alte Friedensbewegung, weitgehend geprägt von der Linkspartei, der DKP und Teilen der Grünen, in schwere Turbulenzen.
Sie hatten im Gegensatz zur MLPD nicht für möglich gehalten, dass Russland einen solchen Angriffskrieg gegen die Ukraine beginnt, weil sie den US-Imperialismus im Visier hatten und den neuimperialistischen Charakter Russlands bestritten.
Der hatte seine Ursache in einem grenzenlosen Opportunismus gegenüber der Regierung Putins, die seit Jahren eine geschickte Querfront-Strategie verfolgt.
Thüringens Ministerpräsident Ramelow (Die Linke) wiederum schwört aktuell Nibelungentreue auf die deutsche Bundesregierung und sagte auf einer Kundgebung in Gera: "Wir sind im Krieg. ... Jetzt heißt es militärisch zu handeln."
Die meisten Leute kennen die Theorien des Opportunismus laut Stefan Engel gar nicht. Und dennoch erzielen sie ihre Wirkung, weil sie über alle Kanäle verbreitet werden. Es ist notwendig, sich mit den Originaltheorien zu befassen, um sie zu durchschauen, sie zu verstehen.
Beispielsweise wirkt der Opportunismus in der Kindererziehung und Jugendarbeit, wenn der Slogan von Eltern sein soll: "Mein Kind soll es mal besser haben". Ins Zentrum rückt dann, dass das eigene Kind aufs Gymnasium muss und möglichst viele Vorteile genießt. Doch Stefan Engel forderte auf: "Die Jugendlichen müssen lernen, zu kämpfen, damit es allen besser geht!"
Die wissenschaftliche Polemik
Zur Bedeutung der wissenschaftlichen Polemik führte Stefan Engel aus:
Mancher wundert sich vielleicht, warum wir in diesem Buch mit etwa Hundert Polemiken die bürgerliche Ideologie und den Opportunismus nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen.
Ich spreche das auch deshalb an, weil ich der Meinung bin, dass wir auch in der Partei damit noch ziemlich am Anfang stehen, den weltanschaulichen Kampf richtig auszutragen.
Dafür ist nämlich die Polemik unverzichtbar, aber selbst bei vielen Genossen nicht besonders beliebt. Auch das ist einem subtilen Einfluss des Opportunismus geschuldet. ...
Deshalb hat die wissenschaftliche Polemik als Methode der proletarischen Steitkultur einen unschätzbaren Wert, um die von den Herrschenden verbreitete weltanschauliche Desorientierung aufzulösen, nicht nur Klarheit, sondern auch Sicherheit und stolzes Selbstbewußtsein zu fördern.
Der Opportunismus verschleiert die antagonistischen Widersprüche, die Polemik legt sie offen.
Zu viel Kritik?
Stefan Engel beendete seinen Vortrag mit der Frage:
Vielleicht stellt sich der eine oder andere die Frage, mit wem die MLPD überhaupt noch zusammenarbeiten will, wenn sie so viele unterschiedliche Strömungen auch noch insbesondere unter den Linken kritisiert?
Praktische Zusammenarbeit und weltanschauliche Auseinandersetzung gehören für uns zusammen. (mehr Infos)
Die Verwirklichung einer proletarischen Streitkultur ist der Garant, die bürgerliche Weltanschauung überzeugend anzugreifen und die proletarische Ideologie zu stärken. Sie hilft der Arbeiterklasse und den breiten Massen, mit dem Einfluss der kleinbürgerlichen Denkweise auf ihr Denken, Fühlen und Handeln fertigzuwerden. Nur in der direkten Auseinandersetzung mit den Spielarten des Opportunismus erweist sich ein ums andere Mal die Überlegenheit und die Schöpferkraft der proletarischen Ideologie und ihrer dialektisch-materialistischen Methode.
Nach dem Vortrag wurde noch fleißig diskutiert und es wurden Spenden gesammelt. So ein Buch kostet viel Arbeit und auch viel Geld. Um diese Arbeit fortzusetzen wurden 908,72 Euro Spenden gesammelt. Hier kann auch Online gespendet werden.
Einen runden Abschluss fand die Veranstaltung mit dem Lied "Lob des Lernens" von Bertolt Brecht.
Stimmen von der Veranstaltung
Ein linker Kollege und Betriebsrat wirft uns immer wieder vor, dass wir zu sehr auf unsere Standpunkte bestehen. Wir sollten hier lieber taktischer vorgehen, damit wir mehr Einfluss gewinnen können. Und das obwohl er viele unserer Standpunkte eigentlich gut findet. Ich habe ihm gesagt, dass dies Opportunismus ist und wenn er mehr darüber wissen will, muss er dieses Buch kaufen. Das hat ihn überzeugt.Automobilarbeiter aus Köln
Ich habe das Buch gerade studiert. Mich freut besonders die Polemik und Angriffslust gegenüber den Opportunisten. Das hilft mir viel bei den täglichen Auseinandersetzungen.Dagmar Eberhard-Forschner, Ärztin, Düsseldorf
Ich habe schon mehrere Bücher im Betrieb verkauft. Ein Kollege unterstützt den kurdischen Befreiungskampf, hat aber Kritik an der Konföderalismustheorie von Abdullah Öcalan. Mit einem anderen Kollegen diskutierte ich über den Reformismus der Gewerkschaftsführung. Was hält sie eigentlich auf, um wirklich für die aufgestellten Forderungen zu kämpfen. Hierfür liefert das Buch die richtigen Antworten.Stahlarbeiter aus Duisburg
Wir erleben eine große Resonanz zu dem Buch. Ein wissenschaftliches Buch, das voll in die Zeit passt.Carsten Zimmer, Geschäftsführer Verlag Neuer Weg
Diese Veranstaltung wollte ich mir nicht entgehen lassen. Du hast ein Buch geschrieben, mit deutschen Quellen, aber ich habe gedacht, dass ist genauso in Frankreich.Gabi aus Paris