Gastbeitrag von Marikana

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Das Gesundheitswesen in Südafrika im Kollaps - Streik im größten Krankenhaus Afrikas

"Rote Fahne News" dokumentiert einen Gastbeitrag der Deutsch-Südafrikanischen-Freundschaftsgesellschaft Marikana.

Das Gesundheitswesen in Südafrika im Kollaps - Streik im größten Krankenhaus Afrikas
Gesundheitspersonal des Chris Hani Baragwanath Krankenhauses protestiert gegen die Kürzung von Stellen und die Nichtbezahlung von Lieferanten. (foto: Masego Mafata / Groundup)

Das Chris-Hani-Baragwanath-Hospital ist das größte Krankenhaus Afrikas und das drittgrößte der Welt.Hier kommt der freie Fall des südafrikanischen Gesundheitswesens konzentriert zum Ausdruck: Obwohl das Krankenhaus krass unterbesetzt ist, wurden aktuell 819 Arzt- und Schwesternstellen, die wegen Covid-19 geschaffen worden waren, vom Gesundheitsministerium zum 30. März gekündigt.

 

„Diese Stellen haben uns geholfen, zu überleben“, sagt Professor Smith, Chef der Chirurgie und aktuell Streikführer. Das Krankenhaus muss zusätzlich Patienten des 1000 Betten umfassenden Charlotte-Maxeke-Hospital versorgen, das im letzten Jahr abgebrannt ist und einfach nicht renoviert und wiedereröffnet wird.

 

Das bedeutet, dass Patienten tagelang in der Notaufnahme des Chris Hani auf Behandlung warten und viele dort sterben. Krankenschwestern und Ärzte schrubben die Böden, schieben Patientenbetten von A nach B, weil Personal fehlt. Alle sind erschöpft, deshalb bleiben auch Ausbildung und Lehrtätigkeit auf der Strecke, was sich in Kürze bitter rächen wird.

 

Am Mittwoch, dem 9. März, demonstrierten Klinikleitung und Belegschaft gemeinsam gegen diese Zustände, auch weil Lebensmittellieferanten und Abfallentsorger seit Monaten nicht bezahlt wurden. Es türmen sich die Abfälle im Haus. Klinikmitarbeiter bringen Lunchpakete für die Patienten mit oder spenden Geld für Brot. Ein Metzger aus der Nachbarschaft spendet Sandwiches. Aber natürlich ist das alles nicht genug, und die Patienten leiden Hunger. Insgesamt schuldet das Gesundheitsministerium der Provinz Gauteng 42.519 Lieferanten 3,1 Billionen Rand.

 

Im Helen-Joseph-Hospital, einem akademischen Lehrkrankenhaus in Johannesburg, haben 40 psychiatrische Patienten keine Betten. Mehrere Tuberkulose-Krankenhäuser - eins in Kariega (Uitenhague), zwei in Gqeberha (Port Elizabeth) - wurden geschlossen. Dabei hat Südafrika mit die höchste Tuberkulose-Infektionsrate der Welt - auch dagegen gab es Proteste. Flüchtlinge und Asylsuchende werden in Krankenhäusern nur behandelt, wenn sie im Voraus zahlen, das heißt in der Regel gar nicht. Frauen gebären auf dem Fußboden - ohne jede Hilfe. Viele kaufen ihre Tabletten einzeln, wenn überhaupt. Gemeindeschwestern, die verantwortungsvolle Basisversorgung, gerade in der Pandemie durchführen, verdienen bei einem Acht-Stunden-Tag 3500 Rand (213 Euro) monatlich.

 

Diese Bankrotterklärung des südafrikanischen „Gesundheitswesens“ zeigt das menschenverachtende Antlitz des Kapitalismus, wo Leben und Gesundheit der Masse der Menschen nichts wert sind. Für eine Gesundheitsversorgung, in deren Rahmen der Mensch im Mittelpunkt steht, muss der Kampf für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung geführt werden. Im Chris-Hani-Baragwanath-Hospital kämpft das gesamte Personals einschließlich der ärztlichen Leitung, Schwarz und Weiß vereint, um eine bessere Krankenversorgung. Ihr mutiger Kampf kann und muss Schule machen – in Südafrika und darüber hinaus.


Sehenswertes Video vom Streik am Baragwanath-Hospital