Leserzuschrift

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Den kleinbürgerlichen Pazifimus nicht vernachlässigen

Liebe Rote Fahne Redaktion, an der "Roten Fahne 6/22" ist mir aufgefallen, dass wir aufpassen müssen, bei aller richtigen und sicher auch im Zentrum stehenden Auseinandersetzung mit dem imperialistischen Pazifismus nicht die mit dem kleinbürgerlichen Pazifismus zu vernachlässigen.

In der Roten Fahne ist zu Recht sehr intensiv unsere Ablehnung der Aufrüstung und der Waffenlieferungen an die Ukraine, des 100 Mrd. „Sonderhaushalts“ und der Abwälzung der Krisenlasten auf die Massen ausgeführt. Es wird aber nirgends ausdrücklich gesagt, dass wir keine Pazifisten sind und dass es auch gerechte Kriege gibt.

 

Das Problem ist das, dass der imperialistische Pazifismus sich derzeit auch die berechtigte Kritik der Massen am kleinbürgerlichen Pazifismus zunutze macht und sie missbraucht. Das wird u. a. auch in dem Bericht aus dem Betrieb auf S. 9 deutlich, in dem etliche Gewerkschafter sagen: „Putin kann man nicht mit Friedenstauben aufhalten“. Da haben sie natürlich recht, aber es ist grundfalsch, deshalb der Aufrüstung oder dem Kriegseinsatz einer imperialistischen Armee zuzustimmen.

 

Allerdings kann man dagegen auch nicht vom pazifistischen Standpunkt aus überzeugend argumentieren. Das tun wir auch nicht, aber - wie gesagt - wird der kleinbürgerlich-pazifistische Standpunkt auch nicht ausdrücklich kritisiert. So könnten Außenstehende, die unseren Standpunkt nicht kennen,die Rote Fahne als pazifistisch auslegen. Es ist sonst auch die Gefahr, dass es eine opportunistische „Antwort“ auf den imperialistischen Pazifismus wird. Es ist doch sogar gut und wichtig, dass die Auseinandersetzung um die Frage der Gewalt so offen aufbricht. Wir könnten das gut für die Auseinandersetzung darum nutzen, dass revolutionäre Gewalt notwendig ist; dass die Herrschenden wie Putin, ebenso wie die NATO-Imperialisten, ihre Macht nie freiwillig abgeben werden, sondern gestürzt werden müssen. Das ist die dialektische und schöpferische Antwort auf die Kritik der Massen. Es ist in verschiedenen Artikeln auch richtig davon die Rede, dass der Imperialismus immer zu Krieg führt und deshalb eine Revolution nötig ist. Insofern behandelt die Rote Fahne das grundsätzlich richtig. Aber ich denke, dass es nicht eindeutig genug ist; auch weil man sich bewusst machen muss, dass die Illusion von „friedlichen Revolutionen“ doch weit verbreitet wird. Der Leitartikel bleibt da auch am Ende eher vage, wenn es heißt, dass die „Macht- und Systemfrage gestellt“ werden muss und dass es notwendig sei „für den echten Sozialismus zu kämpfen“.

 

Auch der Klartext behandelt von Karl Liebknecht nur die Ablehnung der Kriegskredite, nicht aber auch seinen klar revolutionären Standpunkte (außer dass in der Novemberrevolution seine Ideen materielle Gewalt wurden). Meines Erachtens hätte man z. B. auch einen Auszug zu gerechten und ungerechten Kriegen oder zur revolutionären Gewalt aus dem RW 22 bringen können und müssen.

Herzliche Grüße

Dazu führt das Buch „Krieg und Frieden und die sozialistische Revolution“ von Willi Dickhut, das auch als Ausgabe 22 in der theoretischen Reihe der MLPD, REVOLUTIONÄRER WEG, erschienen ist, aus:

„Man kann den Charakter der ... drei Arten der Kriege auf zwei grundlegende Kategorien zurückführen: gerechte und ungerechte Kriege.

Gerechte Kriege sind zum Beispiel nationale Befreiungskriege, in denen sich ein Volk entweder gegen einen imperialistischen Unterjochungsversuch bewaffnet zur Wehr setzt oder sich von der kolonialen Abhängigkeit und Unterdrückung durch imperialistische Räuber befreit. Ein gerechter Krieg ist auch der Bürgerkrieg des Proletariats zur Befreiung von der kapitalistischen Sklaverei und auch die Verteidigung eines sozialistischen Landes gegen Angriffe von außen und innen.

Krieg und Frieden und die sozialistische Revolution

317 Seiten

11,50 €

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Ungerechte Kriege sind imperialistische Kriege zur Eroberung fremder Länder, Rohstoffe– und Absatzgebiete sowie Kriege der Imperialisten untereinander, um sich die Ausbeutungsobjekte gegenseitig abzujagen - auf Kosten der Volksmassen, die die Blutopfer bringen müssen. Gerechte Kriege sind fortschrittlich und revolutionär, ungerechte Kriege sind rückschrittlich und reaktionär.“ (Willi Dickhut: „Krieg und Frieden und die sozialistische Revolution“, Seite 7-8)