Frankfurt/Main

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Sicherheitskräfte am Flughafen führen bundesweit wirksame Warnstreiks

An deutschen Flughäfen führten die Sicherheitsbeschäftigen höchst wirksame Warnstreiks durch. In Frankfurt fielen an einem Tag 130 Flüge aus, bundesweit waren es 756. Die Tarifforderung nach Anhebung des Stundenlohns um 1 Euro ist bei der inflationären Entwicklung mehr als berechtigt - für die Unternehmer aber „maßlos“.

Von MLPD-Landesleitung Rheinlandpfalz - Hessen - Saarland
Sicherheitskräfte am Flughafen führen bundesweit wirksame Warnstreiks

Michael Engel, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Fluggesellschaften, kritisierte, die Streiks würden für "überzogene und völlig unsolidarische Forderungen auf Kosten der Passagiere“ geführt. Es handele sich nicht mehr um Warnstreiks. "Streiks sabotieren die weitere Erholung des Luftverkehrs.“ Den Streikenden wird bedrohlich vorgeworfen, sie hätten den Luftverkehr „erneut massiv geschädigt“, anstatt die Unsicherheit durch Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg zu berücksichtigen.

 

Sein Demokratie-Verständnis erinnert eher an einen Wladimir Putin. Als wären die Beschäftigten nicht längst von hohen Benzinpreisen und Teuerung betroffen, die künftige Belastung durch zusätzliche 100 Mrd. Militärausgaben nicht eingerechnet. Da sollen Arbeiter auf ihre Tariferhöhung verzichten? Bestimmt nicht!

 

Ute Fritzel von ver.di greift die schlechten Arbeitsbedingungen an: „Durch den niedrigen Lohn seien viele nicht in der Lage, ein Auto ...zu halten, weshalb sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihren Schichten fahren. Für den Nachtdienst gebe es allerdings keine gute Anbindung, weshalb viele gleich am Flughafen schlafen würden.“ (Frankfurter Rundschau 17. März 2022).

 

Tatsächlich geht es den Unternehmern um ihre Profite. Hätten sie berechtigte Forderungen erfüllt, wäre es zu keinem Stillstand der Flieger und den Warnstreiks gekommen. Die Beschäftigten handeln solidarisch. Gekämpft wird nicht allein für sich selbst, sondern auch für die versprochene Angleichung der Löhne in Ost und West.

 

Und jetzt kommt den Unternehmerverbänden der Gedanken, die Sicherheitskontrollen wieder mit Beamten zu besetzen. Die Medien bringen ins Gespräche, Security „zur Not auch, indem der Staat Sicherheitskontrolleure wieder verbeamtet. Dann gibt es keine Streiks mehr.“ Verhinderung von Streiks durch Einsatz von Beamten! Die Auseinandersetzung erhält eine wachsende politische Note. Ungewollt begründet der Unternehmerverband damit, wie wichtig die Durchsetzung der Arbeiterforderung nach einem allseitigen und vollständigen gesetzlichen Streikrecht ist.

 

Gestern kam es jetzt in der 6. Verhandlungsrunde überraschend zu einem Tarifabschluss, nachdem noch am Freitag die Verhandlungen erneut ohne Ergebnis abgebrochen worden waren. Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) wollte die Einigung unbedingt vor dem Osterreiseverkehr durchbringen. Laut ver.di wurde für eine Laufzeit von 24 Monaten eine dreistufige Tariferhöhung vereinbart, die für die einzelnen Lohngruppen unterschiedlich hoch ausfalle. Demnach liege die Entgelt-Steigerung für das laufende Jahr zwischen 4,4 und 7,8 Prozent. Die weiteren Stufen seien abhängig unter anderem von der Lohngruppe und auch der Region. Bis zum 1. Januar 2024 soll demnach die Angleichung der Löhne zwischen Ost und West abgeschlossen sein. Kollegen vor allem in den unteren Lohngruppen sind mit dem Ergebnis unzufrieden. Aber ihr Selbstbewusstsein wurde im Kampf gestärkt, ohne den Kampf hätten sie weit weniger erreicht und es ist klar, gemeinsam sind sie eine Kraft, die der Untenehmerverabnd nicht ignorieren konnte. Sie habe auch die angebotenen 38 Cent Lohnerhöhung durchbrochen und einen großen Schritt zu einheitlichen Löhnen in Ost und West gemacht.