Ukraine-Krieg

Ukraine-Krieg

Der Erste Weltkrieg endete mit der Revolution

Ein aus der Ukraine stammender Genosse, der in Deutschland studiert, schildert seine Gefühle und Überlegungen angesichts des Krieges in seiner Heimat.

Wir leben in einer unglaublich angespannten Situation. Der ganze Planet beobachtet die Zerstückelung meines Heimatlandes mit Aufmerksamkeit. Viele Leute erkundigen sich nach meinem Befinden und haben ein ebenso starkes Verlangen, zu wissen, was passiert. Nur kann ich selbst nicht viel mehr über die konkrete Situation sagen als ein Deutscher, der ein paar ukrainische Kameraden kennt.

 

Meine Großeltern, ehemalige Klassenkameraden und sogar mein Vater sind in Kiew geblieben und sitzen dort fest. Die Ukraine ruft alle Männer auf, ihre Heimat gegen russische Invasoren zu verteidigen, und lässt sie nicht ins Ausland gehen.

 

Ich beneide keinen einzigen Genossen, auf dessen Schultern diese Last lastete und lastet, denn der „zivilisierte“ Westen hat mehr als einmal Kriegswaffen - unter anderem im Kosovo oder in Jugoslawien - eingesetzt. Nicht nur ich hörte die Lügen über das sozialistische Erbe, das als „Verfall der Gesellschaft“ dargestellt wird, erlebte die Abschaffung des Russischen als zweiter Amtssprache, Arbeitslosigkeit und Armut, das Verbot jeglicher kommunistischer Organisationen und Symbole, die faschistische Unterdrückung kämpferischer Organisationen, die menschenfeindlichen Rentenreformen und die üble, gefräßige Korruption, die sich über die Trümmer eines bereits verrotteten ehemaligen Sowjetstaates ergießen. Welchen Wert hat ein Hochschulabschluss noch, wenn man ihn einfach kaufen kann?

 

Erst war ich besorgt, meine Verwandten durch die Pandemie zu verlieren, jetzt durch die Artillerie. Ich setze mich ein für das Volk, für die Flüchtlinge, Ukrainer, Russen und andere ethnischen Gruppen der multiethnischen Ukraine. Vor ein paar Jahren ahnte ich nicht, dass die Überbleibsel des sozialistischen Prinzips der Völkerfreundschaft fallen würden. Ich rufe zu weltweiter Solidarität auf, um zu protestieren, sich zu widersetzen und den Krieg zu stoppen.

 

Soldaten, wie könnt ihr jemandem euren Eid geben, der die Mehrheit der Bevölkerung verraten hat, seien es Putin oder Selenskyj mit ihrer jeweiligen Version des Antikommunismus und der systemischen Verarmung der Bevölkerung.

 

Der Befreiungskampf geht heute weiter, gegen die Geldmaschinerie, die die zerstörerischsten Aktionen vorantreibt, sei es in politischer, ökologischer oder wirtschaftlicher Hinsicht. Es ist an der Zeit, uns zu erheben und uns zu organisieren. Niemand außer den Massen wird wirkliche Demokratie bringen. Der Erste Weltkrieg endete mit Protesten der Arbeiter und einer Revolution. Wir wissen nicht, was übrig bleiben wird, wenn der Dritte Weltkrieg beginnt. Hört auf, den heuchlerischen Machthabern zu glauben, und entscheidet euch für den Kampf um den Sozialismus!