Streiks und Massenproteste

Streiks und Massenproteste

Peru im Aufruhr

Mit Streiks und Massenprotesten rebellieren breite Teile der Bevölkerung in Peru gegen eine dramatische Inflation, die die Lebensgrundlagen besonders der ohnehin armen Menschen akut bedroht. Vor kurzem traten LKW-Fahrer im ganzen Land in den Streik gegen die massive Erhöhung der Spritpreise, die auch in Peru von den Konzernen mit dem Krieg in der Ukraine begründet werden.

Anna Bartholomé
Peru im Aufruhr
Foto: Canto Vivo

Mit der Blockade der 40 wichtigsten Autoverbindungen wird die Versorgung mit Lebensmitteln im ganzen Land ausgebremst, was in den Geschäften mit sprunghaften Preiserhöhungen beantwortet wird. Bäuerinnen und Bauern im Hochland traten ebenfalls in den Streik, weil ihre Produkte nicht mehr transportiert und bezahlt werden. Pedro Castillo, der vor acht Monaten gewählte linksreformistische Präsident, beschuldigte zunächst die LKW-Fahrer, sie seien von den Ultrarechten „gekauft“. Ein solcher Kampf weckt in Lateinamerika Erinnerungen an Chile, wo 1973 ein LKW-Fahrer-Streik die damalige Allende-Regierung unterminierte, bis zum faschistischen Pinochet-Putsch.

 

Die peruanischen LKW-Fahrer aber lassen das nicht auf sich sitzen. Pedro Castillo entschuldigte sich, verhandelte in der Andenstadt Huancayo mit ihren Gewerkschaften und versprach eine Steuersenkung für Sprit und Grundnahrungsmittel. Wie schon seit seinem Amtsantritt zögert Pedro Castillo mit der Verwirklichung von Wahlversprechen, z.B. von drastischen Steuererhöhungen für die großen, zumeist internationalen Minenkonzerne. Er lässt sich von den ulrtrarechten, extrem antikommunistischen Gegenkräften, die den größten Teil der Massenmedien dominieren, mit immer neuen Amtsenthebungsverfahren, Putschdrohungen und demagogischer Hetze vor sich her treiben.

 

Die Regierung „schlingert wie ein führerloses Schiff“ schreibt uns Jésus Vélez Ramos von der peruanischen Umweltorganisation Canto vivo aus Lima. Auch er berichtet, dass die Massenproteste infiltriert werden von Leuten, die zu Plünderungen und Vadalismus aufhetzen. Für eine Nacht verhängte die Regierung den Ausnahmezustand über Lima – musste auch das schnell wieder rückgängig machen, weil das die Massen erst recht empörte. Große Teile der durch die Corona-Pandemie und die Wirtschaftskrise gebeutelten Massen haben das Vertrauen in die Regierung verloren. Ihre Kampfentschlossenheit ist trotz einzelner Vereinbarungen und Zugeständnisse nicht gedämpft. Jetzt kündigten auch die Busfahrer von Cusco einen Streik an.

 

„Wir müssen die Illusion bekämpfen, dass mit der Regierungsübernahme auch die Macht den bislang Herrschenden entrissen wurde“, schreibt die ICOR-Partei PML Peru in einer Stellungnahme vor wenigen Wochen. „Der Kampf um die berechtigten Interessen der Massen muss mit einer sozialistischen Perspektive geführt werden“, heißt es darin. Dafür eine Überzeugungsarbeit in den Kämpfen zu leisten, ist die Herausforderung an die Marxisten-Leninisten und Revolutionäre in Peru.